Kufstein am Wahlvormittag. Mit knapp 19.500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tirols und zugleich an diesem Sonntag die größte, in der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen stattfinden. Zehn Listen werben mit einer Flut an Wahlplakaten um die Wählergunst. Bei Plusgraden und Sonnenschein erhöht sich die Frequenz der Wahlwilligen stetig. Vor allem die "Bürgerpflicht" wird als Grund für das heutige Wählengehen genannt. Mit dem Bürgermeister ist man offenbar überwiegend zufrieden.

Ebenjener begrüßt einen auch bereits am Kufsteiner Bahnhofsvorplatz. Zumindest auf überaus prominent platzierten Plakaten. Unweit davon ist auch die Plakatdichte enorm. Grün trifft hier auf Neos, SPÖ, ÖVP, FPÖ und weitere Listen. Doch die Bürgermeister-Partei - die "Parteifreien" - überstrahlt die anderen Plakate. Auch beim Weg in Richtung Rathaus, am Unteren Stadtplatz, ist diese omnipräsent, meist mit dem Konterfei des 59-jährigen Stadtchefs Martin Krumschnabel werbend.

In Tirol finden heute Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in 273 Gemeinden (ohne Innsbruck) statt. 
- © APA/ZEITUNGSFOTO.AT/DANIEL LIEBL

In Tirol finden heute Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in 273 Gemeinden (ohne Innsbruck) statt.

- © APA/ZEITUNGSFOTO.AT/DANIEL LIEBL

Zumindest zum Teil hat der Bürgermeister, der nunmehr seit über einem Jahrzehnt im Bürgermeistersessel sitzt, Menschen auch tatsächlich zur heutigen Wahl getrieben. "Ich war wählen, weil der Bürgermeisten definitiv bleiben soll", sagt ein Mann Mitte 50. Er mache nämlich "seine Sache sehr gut", schiebt er nach.

Vom Stimmrecht Gebrauch machen

Etwas unverbindlicher geben sich eine ältere sowie eine jüngere Frau. "Es ist schlicht meine Bürgerpflicht", meint Erstere, während Zweitere herausstreicht, dass sie schlicht von ihrem "Stimmrecht Gebrauch machen will". Die Frau um die 80 legt schließlich nach: "Ich wähle auch aus Parteitreue", sagt sie. Welche Partei das sei, will sie aber nicht verraten. "Eher nicht die Bürgermeister-Partei", meint sie dann doch.

In der Festungsstadt könnte es aufgrund der Fülle an Kandidatinnen und Kandidaten zu einer Stichwahl am 13. März kommen. Amtsinhaber Krumschnabel sieht sich nämlich nicht nur mit der neuen Bewegung MFG, sondern insgesamt sieben Gegenkandidaten und -kandidatinnen konfrontiert.

Mittlerweile ist es 9.30 Uhr, seit 7.00 Uhr kann man bereits seine Stimme abgeben. Ein Paar schreitet zügig zur Wahlurne, eine alte Frau am Gehstock folgt ihnen wenige Meter weit entfernt. Am sonnigen Platz vor dem Rathaus verweilen zunehmend Menschen und kommen ins Gespräch. Die Wahlen sind das Hauptthema.

Unweit vom Rathaus, vor der Kufsteiner Musikschule, die ebenfalls als Wahllokal fungiert, ist deutlich weniger los. Sonne ist hier Fehlanzeige, es ist schattig und kühl. Doch auch hier gehen einige Personen ein uns aus. Ein älteres Ehepaar bekundet, dass es nicht Krumschnabel gewählt habe, obwohl dieser seine Sache grundsätzlich recht gut mache.

Bundespolitik als regionales Wahlmotiv

Diese Ansicht teilt auch ein Mann vor dem Wahllokal Volksschule Innere Stadt. "Er ist nicht schlecht, aber nach so langer Zeit stellt sich immer auch so etwas wie Freunderlwirtschaft ein", befürchtet er. Er selbst wähle vor allem deshalb, weil er von der Bundespolitik verdrossen sei. "Ich glaube auf lokaler Ebene lässt sich noch etwas ändern", so der Mann. "Ich hoffe, dass der richtige ans Ruder kommt", meint dann auch noch eine Frau, die mit ihrem Mann nach der Wahl zu einer Bergtour aufbricht. Wer das sein könnte, will sie auf Nachfrage aber nicht sagen.

Der Bürgermeister, der höchstwahrscheinlich wieder ans Ruder kommen wird, zeigt sich jedenfalls zuversichtlich. "Ich will unsere Mandate halten", meint er im Gespräch. In der Stichwahl, zu der es aufgrund von acht Bürgermeisterkandidaten wohl kommen wird, rechnet er sich gute Chancen aus: "Das Feedback aus der Bevölkerung zu mir und unserer Arbeit ist hervorragend". Über den konkreten Wahlausgang mag er dennoch nicht spekulieren. "Bei so vielen Gruppen und Listen ist eine Prognose sehr schwierig", streicht Krumschnabel heraus. (apa)