Die Tiroler Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen sind am Sonntag bei sonnigem Vorfrühlingswetter über die Bühne gegangen. Im Jahr 2016 war die Beteiligung im ersten Durchgang bei 71,42 Prozent gelegen.

Die impf- und maßnahmenkritische MFG zieht in Tirol in die meisten Gemeindestuben ein, für die die Partei eine Liste aufstellte. Mit Stand 19.30 Uhr scheiterte man lediglich in den drei Schwazer Gemeinden Eben am Achensee, Fügen und Mayrhofen. In Kufstein wurde die Liste gar drittstärkste Kraft. Weniger erfolgreich schnitten am Wahlsonntag indes die 22 MFG-Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten ab. Bisher erzielte keiner von ihnen eine Mehrheit oder zog in eine Stichwahl.


In 273 von 277 Tiroler Gemeinden sind am Sonntag 505.423 Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.  
- © APA / EXPA / JOHANN GRODER

In 273 von 277 Tiroler Gemeinden sind am Sonntag 505.423 Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. 

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Aktuell lag für 49 von insgesamt 50 Gemeinden, in denen die MFG kandidierte, ein Ergebnis vor. In der Bezirkshauptstadt Schwaz wurden die Stimmen noch ausgezählt. Dort trat für die MFG auch ein Bürgermeisterkandidat in den politischen Ring. In den meisten der ausgezählten, konkret in 34 Kommunen stellt die MFG künftig ein Mandat, in sieben Gemeinden zwei und in fünf Ortschaften drei.

Besonders dort, wo wenige Listen antraten, konnte die MFG teils beachtliche Wahlerfolge einfahren. So kam die junge Partei in der Kufsteiner 458-Seelen-Gemeinde Mariastein auf beachtliche 27,82 Prozent und stellt künftig drei Mandate. Mehr als 20 Prozent - und damit auch jeweils drei Mandate - erzielte die MFG auch in den Gemeinden Buch in Tirol (Bezirk Schwaz) und Angerberg (Bezirk Kufstein). Nicht ganz 20, aber 19,54 Prozent, und damit auch drei Mandate ergatterte sie in der Kufsteiner Gemeinde Schwoich. Drei Mandate waren es auch in Ebbs (ebenfalls Bezirk Kufstein).

Mit zwei Mandaten ist die MFG künftig in den Gemeindestuben in Kössen (Bezirk Kitzbühel), Brixlegg, Kufstein, Münster und Kirchbichl (Bezirk Kufstein), sowie in Jenbach (Bezirk Schwaz) und in der Bezirkshauptstadt Lienz vertreten.

"Die Menschlichkeit hat Einzug gehalten"

Die Erwartungshaltung sei im Unterland größer als im Oberland, hatte MFG-Landessprecher Bernhard Schmidt im Vorfeld der Wahl gegenüber APA festgehalten. Damit schien er Recht behalten zu haben: Starke Wahlergebnisse sind vor allem im Bezirk Kufstein zu verorten. Schmid sprach Sonntagabend im APA-Gespräch von einem "hochbeachtlichen" Ergebnis und hielt fest: "Die Menschlichkeit hat Einzug gehalten". "Wir haben auf Kufstein und Schwaz unser Hauptaugenmerk gelegt", gab Schmidt zu Protokoll, "so wie es ausschaut sind wir damit richtig gelegen". "Beachtlich" sei das Abschneiden auch in der Bezirkshauptstadt Lienz. "Das sind schon Ergebnisse, wo man sich richtig, richtig freuen kann", machte Schmidt aus seinem Stolz keinen Hehl.

"Lässt man die ÖVP und ihnen nahestehende Namenslisten außer Acht, dann sind wir zur absoluten Größe in Tirol geworden", war Schmidt ferner der Meinung. Apropos Namenslisten: "Es ist ein Riesenerfolg, dass das Produkt MFG auch tatsächlich überall unter diesem Namen angetreten ist. In dem Hinblick sind wir Spitzenreiter in ganz Tirol", so Schmidt, der einst FPÖ-Mitglied war, dann aber im Sommer 2021 austrat und seither als wilder Abgeordneter im Innsbrucker Gemeinderat sitzt. Dass der Kampf um die Bürgermeistersessel ein schwerer werden würde, sei ihnen von Anfang an bewusst gewesen. "Es war ein großer Erfolg, dass wir 22 Menschen gefunden haben, die sich aufstellen ließen", betonte der Gemeinderat.

Der Tiroler Ableger der MFG wollte in den Bezirkshauptstädten Kufstein, Imst und Schwaz den Bürgermeister stellen. In den großen Städten Hall in Tirol, Telfs und Wörgl, sowie in der Bezirkshauptstadt Lienz hatten sich MFG-Listen ohne Bürgermeisterkandidaten formiert. In Kitzbühel, Reutte und Landeck trat die MFG gar nicht an.

Neos-Bürgermeister ist Geschichte

Der erste pinke Bürgermeister Österreichs ist Geschichte. Markus Moser konnte bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen am Sonntag in seiner Gemeinde Mils bei Imst lediglich 49,44 Prozent aller Stimmen auf sich vereinen. Ihm nachfolgen wird der ÖVP-nahe Bernhard Schöpf (50,56 Prozent). Auch dessen Liste "Zukunftsliste Mils" schnitt mit 51,61 Prozent der 436 gültig abgegebenen Stimmen ebenfalls besser ab als Mosers Liste "Für Mils".

In Zams setzte sich Lentsch durch

Im Tiroler Oberland gibt zwei kleine Knalleffekte: Der Bürgermeister der Bezirkshauptstadt Imst, LAbg. Stefan Weirather (ÖVP), hat es nicht auf Anhieb geschafft und muss in die Stichwahl in zwei Wochen. Weirather kam bei sechs Gegenkandidaten auf 45,31 Prozent und verfehlte damit die 50 Prozent-Marke. Und in der Heimatgemeinde von LH Günther Platter (ÖVP), Zams, setzte sich SPÖ-Landtagsabgeordneter Benedikt Lentsch durch.

Weirather muss in die Stichwahl gegen Andrea Jäger von der Liste "IFI - Initiativ für Imst". Bei der Listenwahl belegte der ÖVP-Politiker Platz eins mit 25,39 Prozent und fünf Mandaten (2016: sieben Mandate).

In Zams kam es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Schließlich setzte sich Lentsch mit 50,53 Prozent durch - er hatte 21 Stimmen mehr als der schwarze Amtsinhaber Dominik Traxl, der erst vor kurzem Bürgermeister der Gemeinde wurde.

Alle Ergebnisse finden Sie auf der Website des Landes Tirol.

Die Wahlbeteiligung differierte mitunter stark und lag etwa in St. Sigmund im Sellrain bei 92,76 Prozent und in Untertilliach in Osttirol bei rund 60 Prozent. Insgesamt kam sie bei den bisher ausgezählten Kommunen mit 69,32 Prozent ein bisschen unter dem Niveau der Wahlen im Jahr 2016 zu liegen. Das herrliche Wetter dürfte die sportbegeisterten Tiroler jedenfalls mitunter auf die Berge statt in die Wahlurne treiben. Manche verbanden aber beides und kamen mit Skimontur in das Wahllokal.

In 273 von 277 Tiroler Gemeinden sind am Sonntag 505.423 Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Sie entscheiden nicht nur über die künftige Zusammensetzung der Ortsparlamente, sondern wählen auch den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin direkt. Die Direktwahl des Bürgermeisters war in Tirol das erste Mal im Jahr 1992 möglich. Sollte kein Bürgermeisterkandidat im ersten Durchgang die absolute Mehrheit, also mehr als 50 Prozent der Stimmen, auf sich vereinen, kommt es am 13. März zu einer Stichwahl.

856 Listen und 562 Bürgermeisterkandidaten

In der Landeshauptstadt Innsbruck steht der nächste reguläre Urnengang erst im Jahr 2024 auf dem politischen Terminkalender. Die Gemeinde Matrei am Brenner (Bezirk Innsbruck-Land) wird nach einer Gemeindezusammenlegung (mit Mühlbachl und Pfons) erst am 20. März wählen. Die Bürger der Gemeinde Wängle im Außerfern waren bereits am 9. Jänner zu den Urnen geschritten, da der Gemeinderat dort im Oktober seine Auflösung beschlossen hatte. Und in Musau - ebenfalls im Bezirk Reutte - gab es keinen Wahlvorschlag.

856 Listen und 562 Bürgermeisterkandidaten rittern um die Gunst der Wähler. 3.650 Mandate in den Gemeindestuben sind zu vergeben. Insgesamt bewerben sich 17.560 Kandidaten um Mandate in den Ortsparlamenten. Gesamtergebnis wird es keines geben. 70.645 Wahlkarten wurden ausgegeben - bei den letzten Gemeinderatswahlen im Jahr 2016 waren es weit weniger als halb so viele.

In 40 Gemeinden kandidiert nur eine Liste, in 113 (vor allem kleineren) Gemeinden gibt es nur einen Bürgermeisterkandidaten. Falls kein Kandidat im ersten Durchgang eine absolute Mehrheit schafft, erfolgt am 13. März schließlich eine Bürgermeisterstichwahl.

Der kommunale Tiroler Urnengang ist der erste größere seit den Korruptionsermittlungen gegen die ÖVP und den bundespolitischen Umbrüchen samt Abgang von Sebastian Kurz sowie der erste landesweite seit Ausbruch der Coronapandemie. Und er erfolgt rund ein Jahr vor der Landtagswahl in Tirol. Für die Tiroler ÖVP geht es darum, ihre seit Jahrzehnten auch in den Gemeinden bestehende Vormachtstellung zu verteidigen, wenngleich zum überwiegenden Teil Bürger- und Namenslisten ohne Parteibezeichnung kandidieren. Die Partei will die ihr zuzuordnenden 232 Ortschefs halten. Mit besonderem Interesse wird das Ergebnis der impf- und maßnahmenkritischen MFG (Menschen - Freiheit - Grundrechte) beobachtet. Sie tritt in 50 Gemeinden und mit 22 Bürgermeisterkandidaten an. (apa)