Die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Tirol am Sonntag waren österreichweit mit gewisser Spannung beobachtet worden. Denn erstens handelte es sich um die ersten landesweiten Wahlen nach dem Rücktritt von Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Und zweitens blickten Beobachter kurz nach Inkrafttreten der Impfpflicht interessiert auf das Abschneiden der impf- und maßnahmenkritischen MFG ("Menschen Freiheit Grundrechte").

Zu großen Verschiebungen in der politischen Landschaft kam es am Wahlabend allerdings nicht. Die Wahlbeteiligung sank von 71,4 Prozent 2016 auf 66,3 Prozent. Die auf Landesebene regierende ÖVP musste in ihrem "Kernland" Tirol zwar in manchen Gemeinden schmerzhafte Niederlagen hinnehmen; etwa in der zweitgrößten Stadt Kufstein, wo man von 13,8 auf nur 5,9 Prozent abstürzte, oder auch in Imst, Hall und Schwaz, wo die amtierenden ÖVP-Bürgermeister jeweils in die Stichwahl müssen.

Insgesamt konnte sich die ÖVP aber in ihrem Selbstverständnis als "Bürgermeisterpartei" behaupten. In Wörgl konnte man etwa die Stimmen der SPÖ-Amtsinhaberin dezimieren und geht mit einem eigenen Kandidaten als Favorit in die Stichwahl am 13. März. Insgesamt wird es an diesem Tag in 31 Tiroler Gemeinden zu Bürgermeister-Stichwahlen kommen.

MFG sieht Votum gegen Corona-Kurs Platters

Auch die auf Landesebene zweitstärkste Partei SPÖ wies am Sonntagabend eine gemischte Bilanz auf. Erfolge gab es etwa in Schwaz, Zams und Lienz, Enttäuschungen dafür in Wörgl und Kirchberg.

Die MFG schaffte den Einzug in die meisten Gemeinden, in denen sie kandidierte, nämlich in 47 von 50. Dabei wird sie 64 Mandatare stellen. Gescheitert ist die Liste in den Gemeinden Eben am Achensee, Fügen und Mayrhofen, die sich allesamt im Bezirk Schwaz befinden. Bei einer Pressekonferenz am Montag sah sich die junge Partei durch die Tiroler Wahlergebnisse gestärkt und zielte bereits auf die im kommenden Jahr anstehende Tiroler Landtagswahl ab. Die Zeit bis dahin werde "sicher noch einmal zu einer Stärkung unserer Bewegung beitragen", sagte Landessprecher Bernhard Schmidt, früher FPÖ-Mitglied. Die Zugewinne interpretierte er als Votum gegen den "rückgratlosen Corona-Kurs" des Tiroler Landeshauptmanns Günther Platter (ÖVP). MFG-Bundesgeschäftsführer Gerhard Pöttler ortete Rückenwind auch auf Bundesebene und verwies darauf, man sei dabei, "Strukturen in ganz Österreich" aufzubauen.