Grünen-Chef und Vizekanzler Werner Kogler wollte "einen, der anpackt" - schließlich sei das Ministerium eine "Herkulesaufgabe". Der als Arzt die Themen Gesundheit und Soziales verbinde und der weiß, "wo gesundheitspolitisch der Schuh drückt." Das war im Mitte April vergangenen Jahres, als Kogler den nun scheidenden Wolfgang Mückstein Vorschusslorbeeren verlieh. Nicht mal ein Jahr später kündigte Kogler auf Twitter schaumgebremst eine rasche Nachfolge für "eines der wichtigsten Ressorts in der aktuellen Zeit" an. Er werde dem grünen Parlamentsklub und Bundesvorstand den Vorarlberger Johannes Rauch als "bestgeeigneten Nachfolger" vorschlagen.

Das "ehrt" den künftigen Gesundheits- und Sozialminister "sehr", Rauch dankte seinem Vorgänger für dessen "aufoperungsvollen Einsatz", aber: "Mehr gibt es heute noch nicht zu sagen." 

Nach der Sitzung des erweiterten Bundesvorstand der Grünen tritt Kogler dann erstmals nach dem Rücktritt Mücksteins gegen 12:30 vor die Presse. Dabei soll sich der designierte Minister in einer Pressekonferenz vorstellen. 

Wobei genau das so nicht stimmt, denn Einiges ist über den Neuen im Amt natürlich nach 30 Jahren in der Politik bekannt.

Politikprofi folgt auf Quereinsteiger

Bundespolitische Erfahrung hat Mücksteins Nachfolger Johannes Rauch zwar ebenfalls keine. Seine politische Karriere bei den Grünen startete der 62-jährige Rankweiler aber bereits 1985. 1997 übernahm er – damals Gemeinderat in seinem Heimatort im Bezirk Feldkirch – den Chefsessel in der grünen Vorarlberger Landespartei. Hier konnte er bereits Verhandlungsgeschick beweisen, schließlich musste er einen bunten, zerstrittenen Haufen zu einer Partei einen.

Bei den Landtagswahlen 2014 überzeugte Rauch zusätzliche Wählerinnen und Wähler und fuhr mit 17,1 Prozent ein deutliches Plus ein. Nicht zuletzt dank seines pragmatisch-sachlichen Zugangs, aber auch Hartnäckigkeit zeigte das grüne Element in den darauf folgenden Landesregierungen – anders als in Tirol mit derselben Kombination – deutlich. Vorarlberg hat einen öffentlichen Verkehr, der an Dichte und Netz seinesgleichen außerhalb Wiens sucht. Nach Wien war das Bundesland auch das erste mit einer landesweit gültigen Jahreskarte um 365 Euro.

Auch bei der Sozialhilfe – ebenfalls grüne, aber nicht einfache Materie – wurde der enge Bundesrahmen weit ausgereizt, während Ober-und Niederösterreich ihn zusätzlich einschränkten. Sowohl Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) als auch die Grünen wollten die Koalition 2019 fortsetzen.

Auch deshalb glückte es Bundesparteichef Werner Kogler damals noch nicht, den grünen Vize und Umweltlandesrat, obwohl ihm auch freundschaftlich verbunden, nach Wien zu holen. Nun aber kommt Rauch doch.

Erfahrung mit schwarzer Vorarlberger ÖVP

Es handelt sich zwar nicht mehr um jene türkise Mannschaft, die Rauch in den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP – mit Sebastian Kurz und Gernot Blümel – kennenlernte. Die zwar deutliche, aber doch klare und vergleichsweise offene Haltung der Vorarlberger ÖVP ist im Osten Österreichs allerdings trotzdem nicht Usus. Auch sein Zuhause ist übrigens ein parteiübergreifendes, seit Dezember ist er mit Gabriele Sprickler-Falschlunger, der Vorarlberger SPÖ-Vorsitzenden, verheiratet. Er hat zwei Töchter, ist mittlerweile auch Großvater.

Rauch war in Vorarlberg Umweltlandeslat. Mit seiner langjährigen Praxis als Sozialarbeiter und in sozialökonomischen Betrieben, die er erst 2014 vollständig für die Politik aufgab, dürfte er – wie schon Rudolf Anschober – für den sozialen Part im Ministerium besser gerüstet sein als für die Gesundheit. Wobei da ja auch Wolfgang Mückstein selbst als Mediziner gescheitert ist. Die Angelobung von Johannes Rauch durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird voraussichtlich Anfang nächster Woche stattfinden.