Petra Weberhofer, Bürgermeisterin der steirischen Gemeinde St. Lorenzen im Mürztal (SPÖ), ist ehrlich überrascht über die gute Nachricht: "Nein, das hab ich noch nicht gewusst. Aber eh gut so!", freut sie sich. Die kleine, gerade mal 3.800 Köpfe zählende Gemeinde landet im neuen Städtebund-Gleichstellungsindex von Sora in den Top-10 von den knapp 2.100 österreichweit. St. Lorenzen erreichte 76 von 100 Punkten, nur Wien, Linz, Graz, Vöcklabruck, Klagenfurt und Salzburg sorgen für eine bessere Infrastruktur, die für die Gleichstellung von Frauen und Männern optimal wäre. Der österreichische Durchschnitt liegt bei 51 Punkten - soll heißen: Österreich ist in Sachen Gleichstellung gerade mal auf dem halben Weg.

St. Lorenzen macht einiges bereits richtig, sagt Sora-Expertin Janine Heinz, die den Index aus 22 Werten in den neun Bereichen - von Bildung, Demografie, Erwerbstätigkeit, Gesundheit, Mobilität, Kinderbetreuung, Repräsentation bis hin zu Gewaltschutz und Pflege - berechnet. Für das Optimum bei jedem Wert gibt es 100 Punkte, "im Gemeinderat wären das zum Beispiel 50 Prozent Frauen".

Für die 29 Prozent in St. Lorenzen gab es also 77 Punkte, für eine Frau als Bürgermeisterin 100. Auch im Gewaltschutz gibt es mit Frauen- und Männerberatung sowie ausreichend Frauenhausplätzen im Bezirk 100 Punkte. Sehr gut unterwegs sei die Gemeinde auch im öffentlichen Verkehr: Um das nächste regionale Zentrum zu erreichen, braucht man nur elf Minuten länger als mit dem Auto. Für den Schulweg mit Bus oder Zug brauchen Kinder in der Unterstufe gerade mal 13 Minuten. Die Kinderbetreuung für Drei- bis Fünfjährige ist zu 100 Prozent so aufgestellt, dass damit eine Berufstätigkeit vereinbar ist. Dafür muss ein Kindergarten an vier Wochentagen mindestens 9,5 Stunden, in mindestens 47 Wochen pro Jahr und 45 Stunden wöchentlich geöffnet sein und Mittagessen anbieten. Gute Kinderbetreuungswerte verbucht Weberhofer allerdings weniger als Frauenfreundlichkeit: "Das ist ja nicht nur für Frauen. Wir versuchen halt, familienfreundlich zu sein."

Nachholbedarf hat St. Lorenzen bei der Erwerbstätigkeit, die Teilzeitquote von Frauen ist mit 61 Prozent noch höher als im Österreichdurchschnitt von 55 Prozent. Auch wenn weder Sora-Expertin Heinz noch Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger Österreichs Schlusslicht verraten: "Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen, sondern Handlungsbedarf aufzuzeigen, der natürlich auch Geldbedarf bedeutet."

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Deutlich Luft nach oben

In manchen Bereichen des Gleichstellungsindex schneiden Österreichs Gemeinden besser ab, so zum Beispiel beim Verhältnis Pflegeplätze in Heimen zur Bevölkerung im Alter 65-plus. Hier liegt der Durchschnitt mit 78 Punkten deutlich über dem generellen des Index von 51. Bei Bildung, wo es unter anderem um den Anteil jener mit Pflichtschulabschluss unter den Männern und Frauen geht, sind es 69 Punkte, in der Kinderbetreuung ist man im Durchschnitt auf halbem Weg mit 51 Punkten.

Im Bereich Gesundheit, wo es um die Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten in der Gynäkologie und der Urologie geht, sieht es mit 45 Punkten deutlich schlechter aus. Im Gewaltschutz sind es 42 Punkte. Der Bereich, wo es am schlechtesten aussieht, ist die politische Repräsentation von Frauen. Vor den Tiroler Gemeinderatswahlen, die Heinz noch nicht berücksichtigen konnte, lag der Frauenanteil in den Gemeinderäten bei 24 Prozent. In vierzig Gemeinden war überhaupt keine Frau im Gemeinderat vertreten.

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Nur in sechs Gemeinden und einem Wiener Bezirk gib es eine weibliche Doppelspitze. Dass zwei Männer eine Gemeinde oder einen Bezirk in Wien führen ist in Österreich 251 Mal häufiger: In 1.506 Gemeinden und fünf Wiener Gemeindebezirken gibt es einen Bürgermeister und einen Stellvertreter. Ob gute Infrastruktur für Gleichstellung Frauen eher in die Politik bringt, oder die Politikerinnen mehr für Gleichstellung sorgen, also was Henne, was Ei ist, kann Sora-Expertin Heinz zwar nicht beantworten. Aber: "Ein gutes Kinderbetreuungsangebot in einer Gemeinde schafft zeitliche Freiräume für eine politische Tätigkeit."

Frauen an der Spitze ziehen allerdings auch andere Frauen an, nicht nur automatisch: "Damit Frauen in die Politik gehen, da muss man sich echt bemühen", berichtet auch Weberhofer. Leben und Politik am Land beschreibt sie als "männerlastig", da sei es für Frauen nicht einfach, sich durchzusetzen. Im Gemeinderat von St. Lorenzen ist einem ausscheidenden Mann jedenfalls noch eine weitere Frau nachgefolgt.

Obwohl Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, je nach Größe, Bundesland und Status, zwischen gut 2.000 und 15.600 Euro brutto verdienen, zieht es Frauen nicht so sehr ins Amt: "Frauen kommen auch in Ämter, weil sich kein Mann dafür findet", räumt Weninger ein. Damit brauchen Veränderungen lange. Der Blick auf die 51 Punkte des Sora-Index sagt dem Städtebund-Generalsekretär jedenfalls klar: "Es gibt noch deutlich Luft nach oben bei der Gleichstellung." Wie aber kann die Politik auf allen Ebenen in Richtung mehr Gleichstellung steuern?

- © Illustration: stock.adobe.com / treety
© Illustration: stock.adobe.com / treety

Mit Steuern steuern

Wenn Politik nicht mit Frauenquoten und anderen gesetzlichen Regelungen arbeiten will, kann sie auch finanziell steuernd eingreifen. Dazu gibt es drei Ansatzpunkte: Steuern, Geldtransfers und Sachleistungen, von denen Frauen und Männer unterschiedlich profitieren.

Die Ausgangslage ist nicht gut. Nicht nur, dass ein Teil der Verbesserung beim Gender-Pay-Gap pandemiebedingt und nicht nachhaltig ist - die "Wiener Zeitung" berichtete bereits, dass Kurzarbeit von Männern und Arbeitslosigkeit von Frauen den Unterschied in der Pandemie verringerten. Der Unterschied beim durchschnittlichen Stundenlohn von Frauen und Männern liegt in Österreich mit knapp 19 Prozent auch weit über jenem der EU, da sind es 13 Prozent. Dazu kommt die vertikale und horizontale Segregation auf dem Arbeitsmarkt. Soll heißen: Frauen arbeiten weniger oft in gut bezahlten Führungspositionen und häufiger in schlechter bezahlten Branchen als Männer. Unbezahlte Arbeit im Haushalt, mit Kindern und der Pflege, landet nach wie vor doppelt so häufig bei Frauen.

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Vor diesem Hintergrund sieht Wifo-Steuerexpertin Margit Schratzenstaller drei Möglichkeiten, wie das Steuersystem einen Beitrag zu Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit leisten kann: Die ermäßigten Umsatzsteuersätze auf Güter des Grundbedarfs wie etwa Lebensmittel oder Bücher von zehn statt zwanzig Prozent wirken sich positiv aus. Denn: "Frauen sind in der Gruppe mit niedrigem Einkommen, wo Konsumausgaben des alltäglichen Bedarfs einen höheren Anteil ausmachen, deutlich häufiger vertreten", erklärt Schratzenstaller.

Dass die Vermögenssteuern abgeschafft wurden, "davon profitieren Männer mehr als Frauen". Hebel, um in Richtung Gleichstellung zu steuern, sieht Schratzenstaller auch im Lohn- und Einkommenssteuersystem: "Man könnte negative Anreize, die den Gender-Gap nochmals verstärken, abmildern und stattdessen positive, die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten oder Weiterbildungsausgaben stärken", sagt die Wifo-Steuerexpertin.

Ein solcher negativer Anreiz ist die geringere Besteuerung von Überstunden, da dass Mehrarbeit insbesondere von ohnehin schon länger arbeitenden Männern und ohnehin schon ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit nochmals befördert. Denn Männer dehnen nach der Geburt von Kindern ihre Erwerbsarbeitszeit aus, Frauen schränken sie ein. Die Folge davon ist die hohe Teilzeitquote von 55 Prozent bei Frauen in Österreich, bei Männern sind es zehn Prozent.

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Zwar hat die ÖVP-FPÖ-Regierung die Absetzbarkeit der Kinderbetreuung abgeschafft. Eine Studie von Michael Christl, Silvia De Poli und Janos Varga zum Familienbonus Plus zeigt, dass sie positive Effekte auf die Beschäftigung von Männern und Frauen haben kann. In Paarhaushalten mit Kindern sind sie zwar gering, aber: Frauen in Teilzeit dürften die Anzahl ihrer Arbeitsstunden etwas aufstocken. In Singlehaushalten mit Kindern, also bei Alleinerziehenden, könnte er größere Effekte bringen: "Weil er ein Anreiz sein könnte, überhaupt erwerbstätig zu werden, weil man den Familienbonus erst dann ausschöpfen kann", erklärt Schratzenstaller.

Transfers für Kinder

Die heimische Politik hat aber nicht nur an diesem Steuerrad gedreht, sondern auch bei der Steuerprogression, also den Tarifstufen. Die unterste Steuerstufe haben ÖVP und FPÖ bereits auf 20 Prozent gesenkt. Mit der türkis-grünen, als ökosozial bezeichneten Steuerreform, die ab heuer zu wirken beginnt, werden auch die beiden Tarifstufen darüber von 35 auf 30 Prozent und von 42 auf 40 abgesenkt. Weil Menschen mit höherem Einkommen davon mehr profitieren, berechnete das Momentum-Institut 576 Euro durchschnittliche, jährliche Entlastung von Männern im Vergleich 240 Euro von Frauen, durch die Tarifsenkung - die "Wiener Zeitung" berichtete.

Mehr noch: Der Budgetdienst des Parlaments, berechnete, dass 61 Prozent des Entlastungsvolumens Männer erhalten. Außerdem sagt Schratzenstaller: "Mit einem Eingangssteuersatz von 20 Prozent und der Sozialversicherung sind in Österreich nicht nur hohe, sondern auch niedrigere und mittlere Einkommen international vergleichsweise hoch besteuert."

Mehr noch: "Die letzten Steuerreformen bewirkten eine Umverteilung nach oben", stellt Budgetexpertin Elisabeth Klatzer, die unter dem Titel Mehr für Care ein feministisches Konjunkturpaket erarbeitet hat, fest. Weitere Berechnungen des Budgetdienstes untermauern das, demnach erhalten die obersten beiden Einkommensfünftel mehr als zwei Drittel von der türkis-grünen Entlastung. Auch vom Familienbonus ist Klatzer nicht überzeugt. Zwar haben ÖVP und Grüne den Kindermehrbetrag für Alleinerziehende mit einem Jahreseinkommen von weniger als 6.000 Euro von 250 auf 450 Euro erhöht. "Von den 2.000 statt 1.500 Euro Familienbonus profitieren aber Männer, weil Besserverdiener mehr", sagt Klatzer. "Hätte man um das Geld stattdessen die Familienbeihilfe erhöht, hätten alle Eltern für ihre Kinder das Gleiche erhalten - unabhängig vom Einkommen."

"Steueranreize sind nur begrenzt wirksam", sagt allerdings auch Schratzenstaller. Das Steuersystem wirkt ja nicht im luftleeren Raum. Andere gesellschaftliche Einflussfaktoren wie etwa die verfügbare Kinderbetreuung, die Einstellungen und Normen in den Familien oder ein vereinbarkeitsunfreundliches betriebliches Umfeld setzten im Grenzen: "Die Wirksamkeit von steuerlichen Anreizen ist auch begrenzt, wenn das Einkommen einer Frau so gering ist, dass sie Steuervorteile nicht oder nur unvollständig nutzen kann."

Am Beispiel der Energie, die derzeit mit 20 Prozent besteuert ist, erklärt sie, dass ein geringerer Umsatzsteuersatz hier, selbst wenn rechtlich möglich, nicht treffsicher wäre. "Energie ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit in manchen Bereichen mit Transfers viel gezielter Einkommensschwächere, und damit Singlehaushalte mit und ohne Kinder, besser entlasten kann als mit Steuern", sagt Schratzenstaller. Für mehr Gleichstellung brauche es laut der Wifo-Expertin einen Maßnahmenmix, Gesetze und Regelungen wie Lohntransparenz genauso wie Transfers und Investitionen in Kinderbetreuung und elementare Bildung schon ab dem Kindergartenalter.

Bildung lohnt sich nicht immer

Bildung und Kinderbetreuung lohnt sich, da sind alle Sozialpartnerinnen einig: Nicht nur die Arbeiterkammer mit sozialdemokratischer Mehrheit und der Gewerkschaftsbund, sondern auch die jeweils von den ÖVP-Teilorganisationen dominierte Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer unterschreiben, dass es deutlich mehr Geld für Bildung schon im Kindergartenalter braucht. Auch die Industriellenvereinigung ist mit dabei, die "Wiener Zeitung" berichtete.

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Der Anteil von Frauen und Männern mit maximal Pflichtschulabschluss ist deshalb auch einer der Bereiche, den sich der Städtebund-Gleichstellungsindex von Sora angesehen hat. Mit zwölf Prozent ist er in Sankt Lorenzen im Mürztal etwa geringer als im oberösterreichischen Vöcklamarkt mit 23 Prozent. IHS-Bildungs- und Arbeitsmarktexperin Andrea Leitner gibt allerdings zu bedenken: "Die These, man muss Frauen nur besser ausbilden, damit es Gleichstellung gibt, hat sich leider als falsch erwiesen."

Grundsätzlich ist das Bildungsniveau in Österreich angewachsen: Wenn man früher eine Person beschreiben musste, war es eine Schulabbrecherin, die entweder früh Kinder bekommen hat, oder der keine längere Ausbildung finanziert wurde: "Früher waren es die Mädchen vom Land, heute sind es die Burschen mit Migrationshintergrund in der Stadt."

Das Problem ist aber: "Oft sind es die falschen Ausbildungen, die weniger Geld bringen." Schon bei der Matura zeige sich, dass sich eine AHS-Matura oder an einer Wirtschaftsschule weniger gut wirtschaftlich verwerten lässt als eine HTL-Matura. Dass setzt sich bei Studien fort.

Frauen haben Männer bei Universität-Abschlüssen zwar mittlerweile bereits überholt. Eine im vergangenen Sommer veröffentlichte IHS-Sonderauswertung der Studierendensozialerhebung eines Teams um Leitners Kollegin Anna Dibiasi zeigt, dass der Frauenanteil in Mint-Fächern - Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - trotz langsamen Anstiegs nach wie vor gering ist. Auch im Studienjahr 2018/19 gab es in den Bachelorstudien in der Informatik und Kommunikationstechnologie (IKT) nur 22 Prozent Frauen unter den Studierenden, im Ingenieurwesen und verarbeitenden Gewerbe waren es 23 Prozent und an den Fachhochschulen waren ein Viertel der Mint-Studierenden Frauen. In anderen Ausbildungsfeldern an den Unis studieren 59 Prozent und an den Fachhochschulen 64 Prozent Frauen. In den Pädagogikstudien sind es sogar 70 Prozent.

"Selbst wenn Frauen es in die Technik rein schaffen, bleiben sie oft nicht", sagt Leitner. Frauen schließen Mint-Studien auch seltener ab: Mit Informatik und Kommunikationstechnologie sind etwa 28 Prozent der Männer, aber nur 17 Prozent der Frauen innerhalb von 13 Semestern fertig. Da Frauen nach dem Abbruch deutlich öfter als Männer - 27 gegenüber 13 Prozent - ein anderes Studium wählen, mutmaßt Leitner, dass "auch männliche Stereotypen abschrecken".

Investitionen in Infrastruktur

Um Frauen nicht nur eine gute Aus-, sondern auch Weiterbildung zu ermöglichen, fehlt es aber auch an Transferzahlungen im späteren Leben wie Fachkräftestipendien oder Karenzen währenddessen. Man muss sich Bildung leisten können, der Lebensunterhalt muss währenddessen gedeckt sein, auch Kinderbetreuung da sein. Und das Angebot sollte auch gut erreichbar sein. Denn: "Die typischen Abendkurse sind bei eineinhalb Stunden Fahrt nicht machbar, wenn man in der Peripherie wohnt" - womit auch sie fehlende Infrastruktur im ländlichen Raum anspricht.

Für Sora-Expertin Heinz sind jedenfalls die "Investitionen in die Infrastruktur entscheidend", von der Mobilität mit Mikroverkehr über Bildung und Pflege bis hin zur Kinderbetreuung. Arbeiterkammer-Ökonomin Katharina Mader, die sich wie Klatzer ebenfalls bereits seit Jahren mit sogenannter Care- und Sorge-Arbeit auseinandersetzt, weist allerdings darauf hin, dass in Österreich ohnehin mehr als zwei Drittel, konkret 69,3 Prozent der 130 Millionen an sozialstaatlichen Leistungen als Transfer fließen. "Die Länder, die Vorreiter in Sachen Gleichstellung sind, die nordischen Länder, allen voran Schweden, aber auch Island, setzen nicht nur auf Geldleistungen, sondern investieren viel mehr als Österreich in Sachleistungen."

"Ländliche Regionen haben zum Beispiel bei der vereinbarkeitstauglichen Kinderbetreuung nach wie vor viel aufzuholen", sagt Mader. Der Gleichstellungsindex zeigt, dass kleine Gemeinden mit einer Bevölkerung von weniger als 500 Personen mit 46 Punkten deutlich schlechter abschneiden als Städte mit mehr als 100.000 und 78 Punkten.

Die Investitionen lohnen sich nicht nur für die Frauen selbst, sondern auch generell: "Ohne Sorge-Arbeit steht die Wirtschaft still", bringt es Care-Ökonomin Klatzer auf den Punkt. "Solche Investitionen bringen mehr Beschäftigung, haben hohe Rückflüsse in die Staatskasse und erzeugen regionale Wertschöpfung. Eine Open-University-Studie von Sue Himmelweit und Jerome de Henau zeigt etwa, dass Investitionen am Bau in der Höhe von zwei Prozent des BIP die Beschäftigungsquote im EU-Durchschnitt um 3,5 Prozent erhöhen könnte. Mit der gleichen Summe in Care-Infrastruktur aber gibt es ein Beschäftigungsplus von 6,5 Prozent.

Um die Investitionen zu stemmen rät Städtebund-Generalsekretär kleinen Gemeinden zu Verbünden. St. Lorenzens Bürgermeisterin Weberhofer ruht sich auf dem aktuell guten Status nicht aus. "Für Krankenschwestern, die zeitig anfangen oder Frauen im Handel, die spät aufhören, ist es nicht einfach." Sowohl in der Kinderbetreuung als auch der Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In der Gemeinde wird jedenfalls weiter investiert in die Infrastruktur: Aktuell in eine weitere Kindergartengruppe, denn: "Unsere vier und die Krippe sind voll ausgelastet". Ist die neue fertig, stehen insgesamt 140 Plätze zur Verfügung.