Die SPÖ könnte in absehbarer Zeit ihre legendäre Zentrale in der Löwelstraße 18 im 1. Wiener Gemeindebezirk verlassen. Grund dafür sind die hohen Kosten, die eine nötige Sanierung des Gebäudes verschlingen würden, berichtet die "Kronen Zeitung". Fix ist der Auszug freilich noch nicht.

Man habe einen "Prozess gestartet mit dem Ziel", sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch auf eine "Krone"-Anfrage, "gemeinsam zu erarbeiten, wie eine künftige Parteizentrale mit modernen Arbeitsplätzen und besserer Infrastruktur aussehen könnte".

Parteisitz seit 1945

Das Paradeisgartl auf der Löwelbastei, hier abgebildet in Anton Paternos "Wien und seine Umgebungen", Mitte des 19. Jahrhunderts.  
- © Archiv

Das Paradeisgartl auf der Löwelbastei, hier abgebildet in Anton Paternos "Wien und seine Umgebungen", Mitte des 19. Jahrhunderts. 

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Seit Juni 1945 steht die Löwelstraße praktisch als Synonym für die Parteizentrale der Sozialdemokraten. Ihren Namen hat sie von der dahinter liegenden Löwelbastei, die Teil der Befestigungsanlage Wiens war, die wiederum nach Hans Christoph Löbl benannt wurde. Dieser kommandierte 1629 bis 1638 die Wiener Stadtguardia, eine Vorgängertruppe der Wiener Polizei. Hans Christoph Löbl und seinem Sohn Bernhard war diese Bastei zur Nutzung überlassen worden. Im 18. Jahrhundert wurde aus Löblbastei dann Löwelbastei und dahinter gab es die Löwelstraße.

Ihr heutiges Aussehen bekam die Löwelstraße in den 1870er Jahren. Beim Bau der Ringstraße wurde die Löwelbastei abgerissen. Es wurden das Burgtheater, der Volksgarten und vornehme Zinshäuser, also Häuser mit Mietwohnungen, errichtet, darunter auch das Haus Löwelstraße 18. Dessen Architekt war Carl Schumann, der für viele Nobelwohnhäuser im Bereich der Ringstraße planerisch tätig war.

Bis zu ihrem Verbot 1934 war die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) im 5. Bezirk untergebracht, im "Vorwärts"-Haus an der Rechten Wienzeile 97. Heute sind dort der "Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung" und die "Stiftung Bruno Kreisky Archiv" beheimatet.

Nach der Neugründung als Sozialistische Partei Österreichs (Sozialdemokraten und Revolutionäre Sozialisten) durch ehemalige SDAP-Funktionäre im Rathaus am 14. April 1945 wurde wenige Tage später das Zentralsekretariat – heute die Bundesgeschäftsstelle – der SPÖ im einstigen Gewerkschaftshaus in der Ebendorferstraße 7 provisorisch eingerichtet. Im Juni 1945 bezog dann die Wiener Landesorganisation der SPÖ den 1. Stock in der Löwelstraße 18, die Bundes-SPÖ wurde im Juli im 2. Stock untergebracht. Die Löwelstraße ist somit Sitz von Bundes- und Wiene Landespartei. Auch Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner hat hier ihr Büro. (apa/red)