Am Vormittag Unterricht auf Deutsch, am Nachmittag in der Muttersprache. So sieht der Schulalltag für 16 aus der Ukraine geflüchtete Jugendliche aus, die derzeit das BG/BRG Purkersdorf in Niederösterreich besuchen. Die Bildungsdirektion spricht von einem "Best-Practice-Beispiel". Während die Kinder am Vormittag in altersgerechten Klassen gemeinsam mit österreichischen Schülern lernen, unterrichten sie am Nachmittag zwei Pädagoginnen auf Ukrainisch, die selbst aus dem Kriegsland flüchten mussten. So soll die Integration in der österreichischen Schule schnell gelingen.

Insgesamt werden rund 1.300 junge geflüchtete Ukrainer in den Schulen und Kindergärten Niederösterreichs betreut. Derzeit stünden jedenfalls ausreichend Schulplätze und auch Lehrpersonal zur Verfügung, heißt es aus der Bildungsdirektion Niederösterreich. Allerdings ist man auf der Suche nach weiteren ukrainischsprachigen Menschen, die die Schulen unterstützen und den ankommenden Kindern einen leichteren Start in ihrer neuen Umgebung ermöglichen sollen.

Bundesländer gehen verschiedene Wege

Wie der Unterricht für die ukrainischen Schülerinnen und Schüler gehandhabt wird, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die Frage, ob die Kinder in reguläre Klassen aufgenommen oder separat unterrichtet werden sollen, überlässt das Bildungsministerium den Ländern. Die Geflüchteten sollen jedenfalls ihre Schulpflicht in Österreich erfüllen, sobald feststeht, dass sie "dauerhaft" im Land bleiben werden, heißt es aus dem Bildungsministerium. Die Organisation und Koordination des Unterrichts obliegt aber den Bundesländern, die sich allesamt auf einen Zustrom an schulpflichtigen Kriegsflüchtlingen vorbereiten müssen.

Auch in Kärnten gebe es genug Platz in den bestehenden Klassen, die Bereitstellung von genügend Lehrpersonal sei in Zeiten der Pandemie allerdings eine Herausforderung, schreibt die Kärntner Bildungsdirektion auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Man möchte den Geflüchteten jedenfalls nach Möglichkeit dauerhafte Schulplätze zur Verfügung stellen, um den Kindern einen geregelten Tagesablauf und eine schnellere Integration zu ermöglichen.

Einen anderen Weg geht Wien, wo bestehende Schulplätze nicht mehr ausreichen. Hatte man in einer ersten Phase noch versucht, geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine auf reguläre Klassen aufzuteilen, wurden mittlerweile zehn "Neu in Wien"-Klassen geschaffen. Hier werden bis zu 25 ukrainische Kinder aus unterschiedlichen Schulstufen gemeinsam unterrichtet, in jeder Klasse sollen zwei Pädagogen stehen.

Dafür hat die Stadt Wien bereits zehn ukrainische Muttersprachler in den Schulen angestellt, vereinzelt wurden auch Lehrkräfte aus der Pension zurückgeholt. Doch die Suche nach zusätzlichem Lehrpersonal wird fortgesetzt, immerhin kommen täglich weitere Kinder aus der Ukraine in Österreich an. Mittlerweile gehen rund 1.100 Flüchtlingskinder aus der Ukraine in Wien in die Schule.

Buddys für geflüchtete Schulkinder

Wie lange die "Neu in Wien"-Klassen bestehen bleiben sollen, ist unklar. Förderlich für die Integration ist der separate Unterricht jedenfalls nicht. Ob im Herbst mehr Ukrainerinnen und Ukrainer in reguläre Klassen wechseln können, hänge maßgeblich davon ab, wie viele Schüler insgesamt nach Wien kommen und dort bleiben werden, heißt es aus dem Büro des Wiener Vizebürgermeisters und Bildungsstadtrats Christoph Wiederkehr. Eine Prognose, wie viele Geflüchtete bis Herbst nach Wien kommen werden, sei derzeit jedenfalls nicht möglich.

Damit sich die Kinder und Jugendlichen bald in ihrer neuen Heimat zurechtfinden, ist laut Bildungsministerium auch ein Buddy-System geplant. Rund 2.700 Ukrainer sind an den österreichischen Hochschulen inskribiert. Sie sollen den Schulkindern helfen, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden. Schließlich können die Studierenden sowohl Deutsch als auch Ukrainisch und sind mit Österreich bereits vertraut. Die Buddys sollen den Schülern beim Lernen helfen, aber auch beim Kennenlernen des Landes, bei der Orientierung im Schulsystem und beim Übersetzen.

Fernunterricht aus der alten Heimat

Auch das ukrainische Bildungsministerium hat vorgesorgt, dass die Kinder und Jugendlichen des Landes in der Ausnahmesituation nicht den schulischen Anschluss verlieren. Das Bildungsministerium rief Schulen dazu auf, Fernunterricht wie schon während der Corona-Wellen anzubieten, den die Schüler auf ihren Smartphones verfolgen können - unabhängig davon, ob sie in Luftschutzkellern ausharren müssen oder die Ukraine bereits verlassen haben.

Vor allem für Familien, die rasch wieder in ihr Heimatland zurückkehren möchten, ist der Fernunterricht eine willkommene Lösung. Doch je länger der Krieg und je größer die Verwüstung, desto mehr junge Menschen aus der Ukraine werden auf dauerhaften Unterricht in Österreich angewiesen sein.