Für Menschen, die aus der Ukraine nach Österreich flüchten, stehen Gesundheitschecks an. Während einerseits Corona-Infektionen erkannt werden sollen, steht auch eine andere Lungenkrankheit im Fokus: Während in Österreich Jahr für Jahr einige hundert Menschen an Tuberkulose (TBC) erkranken - 2020 waren es 388 -- ist die Inzidenz in der Ukraine circa zehnmal höher. Pro 100.000 Einwohner wurden dort im Jahr 2020 42,2 TBC-Fälle gemeldet.

Doch das osteuropäische Land hat in der Bekämpfung der ansteckenden Infektionskrankheit große Fortschritte erzielt. Vor fünfzehn Jahren gab es noch dreimal so viele Ansteckungen wie heute.

Deshalb rechnet das Gesundheitsministerium nur mit einzelnen Tuberkulose-Patienten unter den Geflüchteten, große Zahlen Infizierter werden nicht erwartet. Dennoch werden in den Bundesländern die ersten Lungenuntersuchungen durchgeführt. Denn auch die Grundversorgungsvereinbarung sieht medizinische Untersuchungen bei der Erstaufnahme von Geflüchteten vor.

Bei Asylwerbern aus anderen Herkunftsländern wird in den beiden Erstaufnahmezentren in Traiskirchen und Thalham verpflichtend ein Lungenröntgen durchgeführt. Laut dem BBU sind nachgewiesene TBC-Fälle hier eine Seltenheit. Jährlich gibt es ein bis zwei Verdachtsfälle, die sich meist bei genaueren Untersuchen im Krankenhaus nicht bestätigen.

Röntgenbusse und Einladungsschreiben

Die Ukrainerinnen und Ukrainer gelten allerdings nicht als Asylwerber; aufgrund der Massenzustrom-Richtlinie der EU verfügen sie über einen Sonderstatus und dürfen für eine begrenzte Zeit in Österreich bleiben, ohne dafür ein Asylverfahren durchlaufen zu müssen. Daher werden sie nicht in Erstaufnahmezentren untergebracht, sondern nach ihrer Ankunft an private oder organisierte Unterkünfte vermittelt. Die Lungenuntersuchungen müssen also anders organisiert werden.

In Wien kommt ein mobiles Team zu den Flüchtlingseinrichtungen und bietet die Untersuchungen an, alternativ können sich die Menschen in der Zentrale der MA15 untersuchen lassen. Bisher wurden in der Bundeshauptstadt 133 Untersuchungen durchgeführt. In Kärnten fährt ein Bus größere Flüchtlingsunterkünfte an, in dem dann ein Lungenröntgen durchgeführt werden kann. Menschen, die privat oder in kleineren Quartieren untergebracht sind, bekommen eine schriftliche Aufforderung zum Lungenröntgen. Auch in der Steiermark ist ein Röntgenbus unterwegs, in Vorarlberg werden Einladungsschreiben für ein Screening ausgeschickt.

Wenige Covid-Positive unter den Geflüchteten

Sollte tatsächlich eine Infektion festgestellt werden, muss die betroffene Person in Quarantäne, Kontaktpersonen müssen sich ebenfalls einer Untersuchung unterziehen. TBC ist mit Antibiotika behandelbar. Eine Impfung wurde zwar entwickelt, ist aufgrund der niedrigen Inzidenz in Österreich heute nicht mehr empfohlen.

Doch nicht nur Tuberkulose, sondern auch Covid-19 ist ein Thema bei der Aufnahme der Geflüchteten. Anders als TBC-Schreenings können Antigentests einfach vor Ort in Ankunftszentren oder Notquartieren durchgeführt werden. Der Anteil der positiven Tests ist laut dem Gesundheitsministerium "deutlich niedriger" als bei anderen in Österreich durchgeführten Testungen.

Sollte ein Schnelltest anschlagen, ist In Wien ist eine der Notunterkünfte für Corona-Positive reserviert. Hier bleiben die Menschen in Quarantäne, während sie auf das genauere Ergebnis eines PCR-Tests warten oder die Infektion überstanden ist.

Da die Durchimpfungsrate in der Ukraine mit rund 35 Prozent gering ist, bekommen die Geflüchteten nach ihrer Ankunft auch ein Angebot, sich gegen Corona impfen zu lassen. In Wien wurden bis Anfang der Woche rund 1.300 Impfdosen an ukrainische Flüchtlinge verabreicht. Das sind rund sieben Prozent der 18.000 registrierten Geflüchteten in der Stadt.