Die Covid-19-Todesfälle wurden offenbar deutlich unterschätzt. Denn das Gesundheitsministerium hat zuletzt überraschend bekanntgegeben, dass 3.412 Todesfälle nach einer Covid-19-Infektion bisher nicht in den offiziellen Daten aufgeschienen sind. Das habe ein Datenabgleich zwischen dem Epidemiologischen Meldesystem (EMS), das die täglichen Statistiken speist, und den genaueren Sterbeanalysen der Statistik Austria ergeben.

Damit steigt die Anzahl der Covid-19-Toten in Österreich von 16.439 auf 19.851 - und ist um 21 Prozent höher als bisher angenommen, also um rund ein Fünftel. Auch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) veröffentlichte Nachmeldungen, diese weichen allerdings von jenen des Ministeriums ab: Laut Ages scheinen rund 3.100 Nachmeldungen auf. Erklärung für die unterschiedlichen Angaben gab es vorerst keine. Abweichungen zwischen den von Ministerium und Ages gemeldeten Zahlen sind jedoch an sich nicht ungewöhnlich.

Laut Ministerium betreffen die Nachmeldungen Personen mit Covid-19 als Grundleiden respektive Begleiterkrankung, bei denen bisher kein Sterbedatum erfasst wurde. Diese habe man nun im Rahmen eines jährlichen Datenabgleichs mit der Todesursachenstatistik der Statistik Austria nachgetragen, hieß es. Allerdings reichen die Nachmeldungen nur bis Ende 2021 - weitere Meldelücken für 2022 sind also möglich.

Das Problem sei, dass die Daten nicht zentral, sondern von den einzelnen Bezirkshauptmannschaften ins EMS eingetragen werden, meinte dazu Statistiker Erich Neuwirth. Die Datenqualität basiere auf den Kontrollen der Eingabe.

Die Opposition reagierte zum Teil empört. So orten die Neos ein neuerliches "Datenchaos des Gesundheitsministers" und ein "völlig misslungenes Pandemiemanagement". "Seit über zwei Jahren stolpert die Regierung planlos durch die Pandemie und hat es in Wahrheit nicht einmal geschafft, eine solide Datenbasis auf die Beine zu stellen", sagte Neos-Pandemiesprecher Gerald Loacker am Mittwoch.

Höchster Anteil in Tirol

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner kritisierte unterdessen auf Twitter, dass die Regierung "kommentarlos" derart viele Todesfälle nachmelde. "3.412 Schicksale. Das macht betroffen. Man darf sich nicht wundern, wenn die Menschen nicht mehr wissen, was sie glauben können und was nicht."

Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, so gestaltet sich die Anzahl der nachgemeldeten Covid-19-Todesfälle recht unterschiedlich. Einer der APA vorliegenden Aufschlüsselung zufolge liegt der Anteil in Tirol an der unrühmlichen Spitze: Hier stieg die Anzahl der Covid-19-Toten aufgrund der Nachmeldungen um gut ein Drittel. In Niederösterreich sind drei von zehn Covid-19-Todesfällen bisher nicht in der Statistik aufgeschienen. Vergleichsweise wenige Nachmeldungen gab es in Wien (16 Prozent) und der Steiermark (15 Prozent).

Zumindest die aktuelle Situation stimmt positiv: Der Abwärtstrend bei den Covid-19-Fallzahlen werde sich fortsetzen, vermutete das Covid-Prognose-Konsortium in seiner dieswöchigen Vorschau. Das Tempo des Rückgangs werde sich allerdings verringern. Anfang Mai könnte es den Berechnungen zufolge weniger als 1.000 Covid-19-Kranke in den Spitälern geben.

Das Covid-19-Maßnahmengesetz soll dennoch bis Mitte 2023 verlängert werden. Aus präventiven Gründen, wie es aus der Koalition hieß. Ein entsprechender Beschluss mittels Abänderungsantrag steht heute im Gesundheitsausschuss an und wird kommende Woche wohl auch vom Plenum des Nationalrats vollzogen. Eigentlich wäre das Gesetz, über das zum Beispiel Ausgangsbeschränkungen geregelt werden, Mitte dieses Jahres ausgelaufen. (temp, apa)