Zu viel Informatik oder zu wenig? Ab dem kommenden Schuljahr gibt es in den ersten drei Klassen AHS und Mittelschule mit "Digitale Grundbildung" ein neues Pflichtfach. Im Schuljahr darauf sollen die vierten Klassen folgen.

Der Lehrplan dafür ist umstritten, wie Stellungnahmen im Rahmen der am Mittwoch zu Ende gegangenen Begutachtungsfrist zeigen. Laut Entwurf soll im neuen Fach, für das eine Wochenstunde vorgesehen ist, auf drei Schienen gefördert werden - nämlich Medienkompetenz, Anwendungskompetenzen und informatische Kompetenzen. Die Themen reichen von Coding und dem Schutz vor Schadsoftware über das Erkennen von Fake News bis zu ökologischen Problemstellungen im Bereich Digitalisierung.

Kritik an der Ausgestaltung des Lehrplans kommt etwa von Petra Missomelius, stellvertretende Leiterin des Instituts für Medien, Gesellschaft und Kommunikation an der Uni Innsbruck. Sie leitete jene Arbeitsgruppe, die die Vorarbeiten für die Lehrpläne geleistet hat. "Leider hat sich in der Rahmung und der Konkretisierung des Pflichtgegenstandes einiges geändert, das nicht in der Absicht der Lehrplan-Erstellenden lag", schreibt sie. Das Gleichgewicht sei im nun vorliegenden Entwurf stark zugunsten der Informatischen Bildung verschoben worden. Das widerspreche dem Grundgedanken des bewusst disziplinenübergreifend konzipierten Schulfachs.

Das genaue Gegenteil bemängelt die Wirtschaftskammer: Der vorliegende Entwurf habe "mehr mit der Vermittlung von Medienkompetenzen als mit echten Informatikkompetenzen zu tun, die von den Unternehmen dringend benötigt werden", meinte dazu Alfred Harl, Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT), in einer Aussendung.

Ganz neu ist die "Digitale Grundbildung" jedenfalls nicht: Bereits seit dem Schuljahr 2017/18 wurden die Themen im Rahmen einer unverbindlichen Übung unterrichtet.