Informatik als Schulfach gibt es im BG/BRG Lichtenfels in Graz schon lange nicht nur in der fünften Klasse, wo der Unterricht gesetzlich vorgeschrieben ist. Zuletzt stand "Info" auch in de dritten und vierten Klasse auf dem Stundenplan. "Wir haben aber den Bedarf erkannt, dass auch die Kleinen digitale Kompetenzen brauchen", sagt Direktor Nikolaus Holzapfel. Deshalb gibt es nun in der ersten Klasse eine unverbindliche Übung, in der die Schülerinnen und Schüler Grundkenntnisse im Umgang mit ihren Laptops erlernen. Verpflichtend wäre die Teilnahme nicht, dennoch haben in diesem Schuljahr alle Erstklässler an der unverbindlichen Übung teilgenommen.

Schulautonomer Informatikunterricht

Damit ist das Gymnasium nur eines von vielen Schulen österreichweit, die dem Ministerium zuvorgekommen sind und das digitale Lernen auf Eigeninitiative vorangetrieben haben. Doch ab kommendem Herbst sollen die Kinder nicht mehr auf die individuellen Entscheidungen ihrer Schulen angewiesen sein, wenn es darum geht, wichtige Kompetenzen in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu erlernen. Digitale Grundbildung soll als Pflichtfach informatische Kenntnisse mit Medienbildung vereinen, der umfangreiche Lehrplan umfasst das Bewerten von Online-Quellen auf ihre Seriosität ebenso wie Grundkenntnisse im Programmieren. Starten soll das Fach in den ersten bis dritten Klassen der Mittelschulen beziehungsweise AHS-Unterstufen, im Jahr darauf sollen auch die vierten Klassen folgen.

Das Bildungsministerium hat für die digitale Grundbildung 150 neue Planstellen eingerichtet, die Zahl orientiert sich an der Erhöhung der Jahreswochenstundenzahl in der AHS-Unterstufe. Da es noch kein gesondertes Lehramtsstudium für den Gegenstand gibt, müssen die Schulen vorerst selbst entscheiden, wer digitale Grundbildung unterrichten soll. Vorgaben, aus welchen Fachbereichen die Lehrenden kommen sollen, gibt es keine. Herbert Weiß, Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft, blickt dem Start des neuen Faches jedenfalls entspannt entgegen. Immerhin ist die digitale Grundbildung in der österreichischen Schulwelt nicht neu: Bereits im Schuljahr 2017/18 wurde eine gleichnamige verbindliche Übung eingeführt, der die Schulen entweder eigene Stunden einräumen oder die sie in andere Fächer integrieren konnten.

Wer bisher die unverbindliche Übung unterrichtet hat, werde nun keine Probleme haben, das Pflichtfach zu lehren, so Weiß. Der vorläufige Lehrplan sei nahezu deckungsgleich. Zusätzlich bieten die Pädagogischen Hochschulen ab Herbst Lehrgänge an, durch die Lehrende aus unterschiedlichen Fachgebieten eine Zusatzausbildung in den benötigten Bereichen erlangen können.

Informatiklehrer könnten einspringen

Gewerkschaftsvorsitzender Weiß kann sich zudem vorstellen, dass Informatiklehrer für die Oberstufe in einigen Gymnasien nun auch jüngere Jahrgänge übernehmen werden. Außerdem gebe es — wie etwa im Lichtenfels Gymnasium — an vielen Schulen bereits Informatikunterricht in den Unterstufen, der nun teilweise zur digitalen Grundbildung umgewandelt werden dürfte.

Nach Ablauf der Begutachtungsfrist des vorläufigen Lehrplans hatte Petra Missomelius, Leiterin jener Arbeitsgruppe, die die Vorarbeiten für die Lehrpläne des neuen Faches geleistet hatte, Kritik am Entwurf zum Lehrplan geäußert. Der Schwerpunkt habe sich zu sehr in Richtung Informatik verschoben, das sei nicht das Ziel des disziplinenübergreifenden Schulfachs gewesen. Die Befürchtung, durch den Einsatz von Informatiklehrern könnte die Medienbildung zu kurz kommen, hat Weiß nicht. "Es ist jedenfalls gut, dass es jetzt den Lehrplan gibt, damit kommen diese Themen sicher nicht unter die Räder", so Weiß. Im Lichtenfels-Gymnasium will man aber zumindest vorerst den Informatikunterricht parallel zur digitalen Grundbildung weiterlaufen lassen, die Inhalte seien nicht deckungsgleich.

Eigenes Lehramtsstudium geplant

Mittelfristig soll es ein eigenes Lehramtsstudium für die digitale Grundbildung geben. Ein Rundruf der "Wiener Zeitung" bei den Pädagogischen Hochschulen zeigt, dass die Planungen dafür noch in den Kinderschuhen stecken. Man warte noch auf das endgültige Curriculum, heißt es etwa von der PH Steiermark. Aus dem Ministerium habe man noch keinerlei Informationen erhalten. In der PH Niederösterreich ist man hingegen zuversichtlich, den Studiengang ab dem übernächsten Schuljahr anbieten zu können.

Bis diese eigens ausgebildeten Lehrkräfte Österreichs Schulen verstärken, werden jedenfalls noch einige Jahre vergehen — die Mindeststudienzeit für Lehramtsstudien beträgt für Bachelor und Master insgesamt zwölf Semester. "Das heißt aber nicht, dass bis dahin nichts funktioniert", zeigt sich Weiß zuversichtlich.