Ärmel hoch, Nadel rein. Schon fließt es, das lebensnotwendige rote Gold. 465 Milliliter aus der Armvene direkt in die Konserve, in rund sieben Minuten. Fast 1.000 dieser Blutkonserven werden täglich in Österreich benötigt. Ist man nicht zu jung, nicht zu alt, pumperlgsund und hetero - kein Problem. Ist man bi-, homo-, trans-, intersexuell oder queer, sah das bisher anders aus.

Seit zwei Jahren gibt es eine intensive Debatte um den diskriminierungsfreien Zugang zur Blutspende. Die SPÖ brachte zuletzt Ende April einen Entschließungsantrag für die Reform der Verordnung im Nationalrat ein. Die Behandlung wurde vertagt. Jetzt hat Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) ein Machtwort gesprochen: "Die Möglichkeit zum Blutspenden wird nur noch vom eigenen Verhalten abhängen, nicht davon, wen man liebt oder wer man ist."

Wer in Österreich zur Blutspende berechtigt ist, wird in der Blutspendeverordnung geregelt. Homo- und bisexuelle Personen wurden nur zugelassen, wenn sie in den letzten zwölf Monaten keinen gleichgeschlechtlichen Sex hatten. Bei heterosexuellen Personen, die etwa Kontakt mit einer HIV-positiven Person hatten, galten vier Monate. Entschärft wurde die Regel vergangenes Jahr: Die Ausschlussfrist wurde allgemein auf vier Monate verkürzt.

Rotes Kreuz: Haftungsfrage

Doch auf der Website des Österreichischen Roten Kreuzes ist bis heute noch ein 12-monatiger Ausschluss vermerkt - "aus rein medizinischen Gründen", heißt es. Die Personengruppe "Männer, die Sex mit Männern haben" habe auf Basis österreichischer Daten ein erhöhtes Risikoverhalten. Zudem gibt es laut der Non-Profit-Organisation ein diagnostisches Fenster, in welchem eine Infektion trotz Tests noch nicht nachgewiesen werden kann. Diese Vorgehensweise widerspricht jedoch den Vorgaben des Gesundheitsministeriums. Diskriminieren wolle man niemanden, heißt es seitens des Roten Kreuzes, es gehe aber um die Sicherheit, und es gehe vor allem um die Haftung. Denn bei der Übertragung einer Krankheit würde der Leiter der Blutspendezentrale haften. "Wir freuen uns, dass nun Klarheit besteht, die Haftungsfrage muss aber noch bewertet werden", heißt es zur "Wiener Zeitung".

Versteckte Diskriminierung

Auch Trans-Personen werden laut Aids Hilfe Wien durch eine interne Praxis des Roten Kreuzes ausgeschlossen. Dass eine Blutspende sicher sein müsse, sei klar, sagt die Transsprecherin von SoHo Österreich und SPÖ-Bezirksrätin Dominique Mras. Es fehle aber ein wissenschaftsbasiertes Fundament. Dennoch sind die Bedenken vom Roten Kreuz für sie nachvollziehbar. "Der Staat regelt die Zulassung, der Leiter der Blutspendezentrale haftet dann im Falle", so die Wiener Bezirksrätin.

Was nicht nachvollziehbar für Mras ist, ist der Pauschalausschluss von Personengruppen in Zeiten von Blutmangel. Sie selbst machte den Versuch und wurde nicht zur Blutspende zugelassen. "Ich habe es nicht glauben können". Auf ihre Anfrage beim Roten Kreuz, berief sich dieses auf veraltete Studien aus den USA. Für Mras ein Grund, eine Beschwerde bei der Volksanwaltschaft einzubringen und das grüne Gesundheitsministerium zu informieren.

Auch Eva Fels, Obfrau des Vereins "TransX – Verein für Transgender Personen", kennt Personen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität abgelehnt worden sind. Es hänge vom Blutspendezentrum ab. "Wenn ich Blutspenden gehen würde, würde niemand realisieren, dass ich trans bin".

Die Frage ist, ob der Ausschlussgrund die Person, ihre Identität oder ihre sexuelle Orientierung ist. "Trans zu sein, sagt nicht, dass man ein Risiko eingegangen ist", betont sie. Dass alle LGBTIQ+‘s ein erhöhtes Risiko durch ihr Sexualverhalten darstellen, ist in ihren Augen "absoluter Blödsinn". Denn es gehe darum, ob man überhaupt Sex gehabt hat. "Das ist ja bei transidenten eher selten", sagt sie. Die HIV-Rate sei auch bei Heteros steigend.

Die neue Regel lautet "3x3" - drei verschiedene Sexualpartner in drei Monaten führen zu einem dreimonatigen Ausschluss, unabhängig von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität. Die Trans-Community freut sich. Und auch, wenn es laut den Aktivistinnen präsentere Diskriminierungen gibt, sei der Zugang zur Blutspende ein wichtiger Baustein, um staatliche Diskriminierung aufzuzeigen. "Denn hier werden Personen davon ausgeschlossen, etwas Gutes zu tun", so die Bezirksrätin.