"Dass es gleich so dick kommen würde, haben wir nicht vorausgesehen", sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Montag. Dabei blickte der frisch gebackene Präsidentschaftskandidat auf seine von Krisen wie der Ibiza-Affäre, der Corona-Pandemie und jüngst dem Ukraine-Krieg geplagte erste Amtszeit zurück. Nachdem Van der Bellen bereits am Sonntag in einem in diversen Sozialen Medien ausgespielten Video bekannt gegeben hat, ein zweites Mal als Bundespräsident zu kandidieren, hat der 78-Jährige seine Entscheidung am Montag vor Journalisten noch einmal bekräftigt.

Natürlich habe er darüber nachgedacht, "ob mich dieses Amt ein zweites Mal braucht", sagt Van der Bellen: "Und ich bin zum Entschluss gekommen, wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf: Ja, es ist sinnvoll." Den gerade jetzt brauche Österreich "Erfahrung, Ruhe und Unabhängigkeit", womit Van der Bellen offenbar schon die Schlagwörter für seinen Wahlkampf im Herbst antizipierte. Dieser solle gerade in "schwierigen, ja dunklen Zeiten" wie diesen kurz und fokussiert über die Bühne gehen. Ob es dennoch Wahlplakate geben werde, sei noch nicht fix entschieden, einer Teilnahme an Fernsehduellen und Ähnlichem gegenüber zeigte sich der amtierende Präsident jedenfalls grundsätzlich offen: "Diskutieren tue ich ja gerne", sagte der einstige Wirtschaftsprofessor mit Blick auf seine Universitätszeit lapidar.

Warnung vor "einfachen Rezepten"

Da Van der Bellen seine beiden Rollen als amtierender Bundespräsident und als Präsidentschaftskandidat voneinander trennen möchte, fand etwa seine circa 15-minütige Rede am Montag nicht in der Hofburg, sondern im Presseclub Concordia in Wien statt. Dabei hielt Van der Bellen nicht zuletzt ein Plädoyer auf die liberale Demokratie: "Denn, wenn wir sie lassen, werden die Nationalisten und Putin-Freunde versuchen, all die Verunsicherung, die entstanden ist, auszunützen und nach der Macht zu greifen", mahnte Van der Bellen, der auch vor "Menschen, die einfache Rezepte haben" warnte: "Denn diese einfachen Rezepte gibt es nicht und wahrscheinlich hat es sie nie gegeben".

In Hinblick auf die jüngste Krise, den Krieg in der Ukraine, meinte er: "Es betrifft uns alle, ob wir es wollen oder nicht", womit sich der Volkswirt auf die stark gestiegenen Lebenserhaltungskosten – eine "direkte Folge des Kriegs" – bezog. Er würde zwar "jedenfalls noch nicht" so weit gehen, dass sich "Europa auf kriegswirtschaftsähnliche Zustände einstellen wird müssen". Aber wegsehen dürfe man auch nicht: "Wenn wir die Realität nicht akzeptieren, können wir sie auch nicht zum Besseren verändern", meinte der frühere Parteichef der Grünen, der angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch dafür plädiert, dass auch die Begüteterten mehr zum Allgemeinwohl beitragen: "Wir müssen sicherstellen, dass die Stärken und Bessergestellten der Gesellschaft einen Beitrag für die leisten, die sich nicht so gut schützen können."

Auch für Gleichberechtigung und Klimaschutz sprach sich Van der Bellen in seiner Rede aus. Letzteren sieht Van der Bellen aus einer humanistischen Perspektive: "Der Planet kommt auch ohne uns Menschen sehr gut über die Runden. Wir müssen uns retten und unsere Kinder."

Gemischte Reaktionen von den Parlamentsparteien

Einen Teil von Van der Bellens Wahlkampf werden die Grünen finanzieren, die seine Kampagne auch schon 2016 mit 4,8 Millionen Euro unterstützt haben. Von der SPÖ gab es 40.000 Euro für Van der Bellen – aber erst nach dem Ausscheiden vom (2019 verstorbenen) Rudolf Hundstorfer im ersten Wahlgang.

Auch die Neos haben angekündigt, Van der Bellen zu unterstützen. Die ÖVP wird hingegen "keine Wahlempfehlung abgeben", wie ein Sprecher von Bundesparteiobmann Karl Nehammer verlautbaren ließ. Man würde zwar keinen eigenen Kandidaten aufstellen und betone die "sehr positive" Zusammenarbeit. Die Staatsbürger seien jedoch "mündig und können ihre Entscheidung selbst treffen", hieß es aus der Parteizentrale. Deutlicher für Van der Bellen ausgesprochen haben sich jedoch einzelne Landeshauptleute der ÖVP, etwa Günther Platter (Tirol). Kritik an Van der Bellen kam hingegen von der FPÖ.