In den kommenden Wochen ist wieder mit einer deutlichen Zunahme des Corona-Infektionsgeschehens zu rechnen. Und das trotz des Saisoneffekts, der stark bremsend wirkt. Laut Prognose des Gesundheitsministeriums ist für die kommende Woche eine Zunahme der Inzidenz, also aller Fälle in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, auf 300 das wahrscheinlichste Szenario. Gegenwärtig beträgt die Inzidenz 220.

Es sind mehrere Faktoren, die den Saisoneffekt, der Österreich in den vergangenen Jahren eine relativ sorgenfreie Sommerzeit ermöglichte, überlagern. Die Immunität gegen den Omikron-Typ BA.2, der für die große Welle im März gesorgt hatte, ist bis Ende Mai auf rund 60 Prozent gesunken, wie das Team von Niki Popper bei dwh, einem Spin-off der TU Wien, modellierte. Der Wert lag bereits bei 75 Prozent.

Neue Varianten

Derzeit verbreiten sich in ganz Europa die Subtypen BA.4/5. In Österreich sind sie für etwa 16 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich, Tendenz aber stark steigend. Die eigens für diese Varianten berechnete effektive Reproduktionszahl von 1,44 offenbart den großen Wachstumsvorteil. Bisher haben BA.4 und BA.5 in Europa nur in Portugal zu einer großen Welle geführt, dort gab es aber relativ wenig BA.2, das könnte eine Erklärung sein, da diese Subvariante vermutlich einen besseren Schutz vor den neuen Typen bieten dürfte.

Als weitere Faktoren, die zu der Zunahme der Infektionszahlen beitragen, nennt das Prognosekonsortium ein geändertes Kontaktverhalten durch vermehrte Veranstaltungen, Reisetätigkeiten aber auch "Signaleffekte der Lockerungsschritte". In den Spitälern wird mit mehr Covid-Patienten auf Normalstationen gerechnet, nicht aber auf Intensivstationen, wobei die Prognose nicht zwischen Haupt- und Nebendiagnose unterscheidet. Sie dient aber auch primär den Krankenanstalten zur Planung, denn auch Corona-infizierte Patienten mit anderen Erkrankungen bedeuten für die Spitäler durch die Schutzmaßnahmen einen hohen Aufwand.