Die Sommerschule soll in Vorarlberg künftig als Ganztagsschule geführt werden, ein entsprechender Pilotversuch startet heuer in mindestens zwei Gemeinden. Das berichtete am Dienstag Landestatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) im Pressefoyer nach der Regierungssitzung, das erstmals während des vergangene Woche angekündigten längeren Krankenstandes von Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) von ihr geführt wurde.

Die seit 2020 in den letzten zwei Ferienwochen stattfindende Sommerschule - laut Schöbi-Fink "ein Kind der Pandemie", das wegen des großen Erfolges aber weitergeführt wird - ist ein kostenloses Angebot an rund 40 Standorten in Vorarlberg für Schüler von sechs bis 14 Jahren, die Nachholbedarf in Deutsch, Mathematik oder Sachunterricht haben. Normalerweise dauert sie von 8.00 bis 12.00 Uhr, allfällige Nachmittagsangebote werden von den Gemeinden ohne Zusammenhang mit der Sommerschule organisiert.

Altach und Höchst als Vorreiter

Nun soll es in Altach und Höchst eine Ganztagsform mit Mittagsverpflegung und Freizeitangebot bis 16.00 Uhr geben. Mit diesem Pilotversuch wolle man Erfahrungen für eine weitere Ausrollung dieser Form in den kommenden Jahren sammeln, erklärte Schöbi-Fink, die auch Bildungslandesrätin ist. Eventuell wird die Ganztags-Sommerschule auch dieses Jahr noch in Dornbirn, Bludenz und dem Montafon angeboten, entsprechende Gespräche laufen.

Ob die Betreuung ab Mittag in Anspruch genommen wird, können die Elter frei entscheiden. Das Mittags- und Nachmittagsangebot wird von den Gemeinden organisiert, das Land übernimmt 60 Prozent der Personalkosten. Auch im Burgenland findet die Sommerschule 2022 erstmals als ganztägiges Angebot statt.

In Vorarlberg gebe es dieses Jahr genug Lehrer und Studierende, um den Bedarf in der Sommerschule abzudecken, berichtete die Landesstatthalterin. In den vergangenen Jahren war die Personalsuche schwierig gewesen. Dass es heuer einfacher sei, ergebe sich aus der Verankerung im Lehrerdienstrecht und der entsprechenden Bezahlung, aber auch daraus, dass der Run auf das Angebot mit bisher 1.147 Kindern nicht gar so groß sei wie in den vergangenen Jahren, wo es aufgrund der langen Distance-Learning-Perioden während des Schuljahres bis zu 2.700 Anmeldungen gab. Rückmeldungen von Lehrern hätten ergeben, dass der Einstieg ins neue Schuljahr gerade Kindern aus bildungsfernen Schichten nach Besuch der Sommerschule viel leichter gefallen sei.

Schöbi-Fink: "Wir schaffen das"

Die Landesstatthalterin betonte, dass es am Dienstag zwar die erste Regierungssitzung gewesen sei, in der sie Wallner während seines jetzigen Krankenstandes vertreten habe, aber nicht die erste überhaupt, in der sie an Stelle des erkrankten Landeshauptmannes die Sitzung leitete - während der Pandemie sei das bereits einige Mal der Fall gewesen. Das Alltagsgeschäft und die Regierungsarbeit gingen ohne Unterbrechung weiter, sie erhalte große Unterstützung von den Regierungskollegen: "Wir schaffen das", so Schöbi-Fink.

Landeshauptmann Wallner hatte am vergangenen Mittwoch angekündigt, auf dringendes Anraten seiner Ärzte einen mehrwöchigen Krankenstand anzutreten, da die Belastungen der vergangenen Monate zu körperlichen Beschwerden geführt hätten. Gerüchte, es handle sich um einen "Rücktritt auf Raten", wurden von Seiten des Landes dementiert. (apa)