Mehr Quereinsteiger in die Schulen. Das ist eines der Ziele der Dienstrechtsnovelle für Lehrer, die am Mittwoch im Ministerrat beschlossen und im Anschluss von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) präsentiert wurde.
Das sei nicht bloß eine Maßnahme, um dem Mangel an Lehrkräften entgegenzuwirken, sondern soll auch "neue Perspektiven und neue Biografien" in die Schulen bringen, wie Vizekanzler Kogler betonte.

Denn geht es nach Polaschek, sei der Lehrermangel ohnehin nur "punktuell für bestimmte Unterrichtsfächer" ein Problem. "Es wird eine überhitzte Stimmung erzeugt", beklagte der Bildungsminister, in der Öffentlichkeit entstehe so ein falsches Bild. Die Bildungsdirektionen hatten jedenfalls vergangene Woche über massive Personalmängel geklagt, wie die "Wiener Zeitung" berichtete.

Zu wenige Lehrkräfte für Mathematik und Informatik

In Oberösterreich gebe es im gesamten Bundesland einen Mangel an Lehrkräften in den Pflichtschulen, in der Steiermark vor allem in der Peripherie. Als Mangelfächer wurden in mehreren Bundesländern Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften genannt, so etwa in Wien und in Salzburg.

Schon bis jetzt konnten Menschen, die statt eines Lehramtsstudiums etwa Englisch, Mathematik oder Physik studiert hatten, ins Klassenzimmer wechseln, um den Mangel an Lehrkräften abzufedern. Mit der Dienstrechtsnovelle soll das nun einfacher werden, etwa indem die Eingangsvoraussetzungen präzisiert werden. War bisher etwa zwar ein Mathematik-Studium geeignet für einen Umstieg, war das bei anderen technischen Studien mit hohem Mathematik-Anteil nicht der Fall. Die vorausgesetzte Berufspraxis wird auf drei Jahre vereinheitlicht. Außerdem sollen einschlägige Vordienstzeiten angerechnet werden können.

Parallel zur Arbeit in den Schulen ist vorgesehen, dass Quereinsteiger eine Zusatzausbildung absolvieren, um auch Grundlagen in Didaktik und Pädagogik zu erwerben.

Bezahlung für Studenten in Sommerschulen

Ein weiterer Teil des Pakets ist die Regelung der Bezahlung in den Sommerschulen. Konnten sich Lehramtsstudenten die unterrichtete Zeit bisher nur in Form von ECTS-Punkten für ihr Studium anrechnen lassen, erhalten sie heuer erstmals auch Geld: Es werden nun 30 Euro pro Stunde sein, statt 25 Euro, wie im Entwurf vorgesehen. Für Lehrer bleibt die Hilfe bei den Sommerschulen freiwillig, sie bekommen dann 50 Euro pro Stunde, Direktoren eine Pauschale.

Spezielle Angebote in den Sommerschulen sind auch für aus der Ukraine geflüchtete Kinder geplant, um diese beim Deutschlernen zu unterstützen.
Außerdem wird die Nachmittagsbetreuung in Ganztagsschulen abgesichert. Lehrer nach dem neuen Dienstrecht können nun in einer Übergangszeit für zwei Jahre bis zu vier Stunden dafür herangezogen werden.  (vis, ett)