Tirols Grünen-Soziallandesrätin Gabriele Fischer zieht sich nach der Niederlage im Kampf um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl gegen Klubobmann Gebi Mair aus der Politik zurück. Sie werde sich um keinen Listenplatz bewerben und nach der Wahl am 25. September ausscheiden, sagte Fischer der "Tiroler Tageszeitung" (Freitagsausgabe) und dem ORF Tirol. Ihren Abschied verband sie mit Kritik an der ihrer Meinung nach mangelnden sozialen Ausrichtung der Landesparteispitze.

"Es braucht auch innerhalb der Grünen eine starke Führungskraft für den Sozialbereich. Die momentane Spitze ist es nicht", so Fischer gegenüber der "TT". Ihr Unterliegen bei der Landesversammlung im Juni (sie kam nur auf 44 Prozent) nehme sie zur Kenntnis. Sie stehe für eine ehrliche und inhaltliche Sozialpolitik, merke aber, dass sie in ihrem politischen Umfeld so nicht mehr wirksam sein und ihre Ziele umsetzen könne, meinte die 53-Jährige. Gegenüber dem ORF gab Fischer an, sie sehe sich als "Sozialfighterin", nicht als "Umweltfighterin". Offenbar eine Anspielung auf Mair, der sich gerne als "Umweltfighter" bezeichnet. Aber auch Noch-Grünen-Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe verwendete gerne letzteren Begriff. 

Kandidaten auf der Landesliste am Freitag präsentiert

Die Tiroler Grünen haben am Freitag elf Kandidaten und Kandidatinnen für die Plätze drei bis acht auf der Landesliste bekanntgegeben. Die ersten zwei Plätze belegt das grüne Spitzenduo mit Gebi Mair an erster und Petra Wohlfahrtsstätter an zweiter Stelle. 

Die Reihung der Plätze werde nun in einer zweistufigen Wahl digital erfolgen, am 23. Juli werden die Platzierungen feststehen und auf der Landesversammlung präsentiert.

Mehrere Rückzüge vor Landtagswahl

Die damalige Quereinsteigerin Fischer war im Jahr 2018 in die Landesregierung gekommen. Mit ihrem angekündigten Rückzug nimmt die Zahl der Mitglieder der schwarz-grünen Landesregierung zu, die nach der Landtagswahl der Politik ade sagen werden: Vor Fischer standen bereits die Abschiede von Landeshauptmann Günther Platter, Bildungslandesrätin Beate Palfrader (beide ÖVP) und eben von Felipe fest.

Unterdessen gibt es auch einen weiteren grünen Rückzug: Die zweite Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha wird ebenfalls nicht mehr bei der Wahl kandidieren. "Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, nicht zu kandidieren. Ich bleibe aber der Grünen Sache eng verbunden und schließe eine Rückkehr zum richtigen Zeitpunkt in die aktive Politik nicht aus", erklärte Jicha, die seit 2018 im Landtag sitzt. (apa)