Christopher Drexler (ÖVP) ist seit Montag kurz nach 10.30 Uhr neugewählter Landeshauptmann der Steiermark. Er wurde im Landtag mit 32 von 46 abgegebenen gültigen Stimmen gewählt. Neos, KPÖ und auch FPÖ hatten zuvor deutlich gemacht, Drexler nicht mitzuwählen. Er wolle vor allem eines, "den steirischen Weg der Zusammenarbeit kraftvoll fortsetzen". Seine Rolle definierte in seiner 40minütigen Antrittsrede als "Anwalt" des Landes. Um 17.00 Uhr wurde Drexler von Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt.

Weiter Skifahren und Wintertage

Der neue Landeshauptmann lobte die Kooperation mit der SPÖ und Vizelandeshauptmann Anton Lang: "Das gibt's kaum noch in der Politik." Er strich den Unterschied zur Bundespolitik mit unterschiedlichen Regierungen hervor, wobei viele zerstritten seien: "So weit darf und wird es in der Steiermark nicht kommen." Später wurde er noch deutlicher: Er halte eine schwarz-rote oder eine rot-schwarze Koalition für jene Regierung mit großer Gestaltungskraft. Derzeit ist die Steiermark im Reigen der Länder - neben Kärnten in umgekehrter Form - das einzige Bundesland mit der einst häufigsten Regierungsform.

Ein Landeshauptmann müsse Fähigkeit haben, "den Unterschied zwischen Beliebtheit und Beliebigkeit zu erkennen", sagte Schützenhöfer in Richtung seines Nachfolgers. 
- © Apa / Erwin Scheriau

Ein Landeshauptmann müsse Fähigkeit haben, "den Unterschied zwischen Beliebtheit und Beliebigkeit zu erkennen", sagte Schützenhöfer in Richtung seines Nachfolgers.

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Man müsse auf den Zusammenhalt achten, vor allem auch auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die grün-weiße Agenda der Koalition müsse mit neuem Schwung fortgesetzt werden. Dabei dürfe es keine Trennung in Städte und ländlichen Raum geben: "Die Steiermark darf kein Land der zwei Geschwindigkeiten sein."

Man müsse auf Zusammenhalt achten, sagte der neue Landeshauptmann und lobte die schwarz-rote Zusammenarbeit in der Steiermark. 
- © apa / Erwin Scheriau

Man müsse auf Zusammenhalt achten, sagte der neue Landeshauptmann und lobte die schwarz-rote Zusammenarbeit in der Steiermark.

- © apa / Erwin Scheriau

"Es geht mir um eine neue Lebensnähe", betonte Drexler, statt bloss einer politischen Agenda. Zum Klimaschutz nannte er als Ziel, nicht nur, dass das Land an der Spitze klimaneutraler Mobiltät stehen müsse. Er wolle auch in einem Land leben, in dem Wintertage künftig noch erlebar seien und in dem Kinder in der Nähe von Graz weiter Skifahren können.

Als eines seiner Ziele nannte der neue steirische Landeshauptmann auch den Kampf gegen den Ärztemangel. Das bedeute für ihn sowohl mehr Studienplätze an den Medizin-Universitäten, derzeit sind das bundesweit 1800, als auch "bessere Rahmenbedingungen" für die Ärzte in der Steiermark. Auf das Vertrauen der Menschen in die Politik zu stärken, kündigte Drexler Gespräche mit allen Landtagsparteien über ein Objektivierungs- und Transparentpaket an. Damit wolle man auch bei Postenbesetzungen in der Landesregierung zeigen, "dass wir hier anders ticken".

Schützenhöfer: "Schauen Sie gut auf unser Land"

Eine Art Vermächtnis gab der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhofer Montagvormittag vor der Hofübergabe seinem Nachfolger Christopher Drexler (beide ÖVP) im Landtag mit auf den Weg. Gleichzeitig sagte der sichtlich bewegte Landeschef, er bitte ausdrücklich "jene um Verzeihung, die ich wissentlich oder unwissentlich beleidigt oder gekränkt habe". Die Steiermark war und sei sein Leben: "Schauen Sie gut auf unser Land."

Der erklärte Großkoalitionär, die seit 2015 eine ÖVP-SPÖ-Koalition in der Steiermark als Landeshauptmann anführte, bekräftigte im Landtag nochmals: "Zusammenarbeit ist mein Weg, Zusammenarbeit war mein Weg." Er habe die Übergabe an den 52-jährigen Drexler lange im Kopf gehabt, erklärte der 70-jährige scheidende Landeshauptmann.

Liebe zum Land und "Härte, wo es die Entscheidungen verlangen"

Was müsse man für das Amt des Landeshauptmannes mitbringen können und wollen, fragte er sich rhetorisch. Dazu zählte er Freude an der Arbeit und auch an den Pflichten, die die Arbeit mit sich bringe. Weiters Liebe zum Land und zu den Leuten sowie Verantwortung. "Härte, wo es die Entscheidungen einfach verlangen - auch zu sich", sagte Schützenhöfer. Man dürfe auch nicht davonlaufen. Schließlich gehe es um die Fähigkeit, "den Unterschied zwischen Beliebtheit und Beliebigkeit zu erkennen", meinte er in Richtung seines Nachfolgers.

Vor der Wahl Drexlers wurde Schützenhöfer parteiübergreifend als "Landesvater" gewürdigt. Speziell wurde auch sein Einsatz die unangenehme Verwaltungsreform mit der umkämpften Zusammenlegung von Gemeinden und Bezirken, die bei der Landtagswahl 2015 politische Verluste für die SPÖ mit Landeshauptmann Franz Voves und dem damaligen Vizelandeshauptmann Schützenhöfer gebracht hat. Vom ÖVP-Landtagsklub gab es ein "süße Form" des grünen Herzens, das Schützenhöfer stets im Herzen trage, das von Landtagsmandatarin Barbara Riener überreicht wurde.

Riener betonte danach beim Einbringen des Wahlvorschlages zum Nachfolger, Christopher Drexler wolle sich nicht "im Klein-klein" verheddern, sondern die große Dinge angehen. "Du hast hier in diesem Haus gesagt, du liebst Herausforderungen", meinte seine ÖVP-Parteikollegin. Ebenfalls neu in die Landesregierung zieht nun der bisherige Volksanwalt Werner Amon als neuer Bildungslandesrat ein.