Die Bundesjugendvertretung (BJV), die größte Interessensvertretung von Menschen unter 30, rechnet mit der bisherigen Regierunsarbeit ab. Konkret kritisieren die beiden Vorsitzenden Fiona Herzog und Sabrina Prochaska fehlendes Tempo bei der Umsetzung von Maßnahmen und fordern Taten von der Regierung in den Bereichen psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Bildung, Klimaschutz, Kindeswohl und Teuerung. Bereits jeder zweite Jugendliche habe mit psychischen Problemen zu kämpfen, der Schulbetrieb müsse Pandemie-fit für den Herbst gemacht und der Klimaschutz schneller forciert werden. "Wir brauchen eine Kehrtwende und Perspektiven, denn junge Menschen brennen aus. Jetzt muss es darum gehen, gemeinsam aus den Krisen rauszukommen", so Herzog bei einem Pressetermin.

Kritik der eigenen Jugend

Damit bekommen die Regierungsparteien ÖVP und Grüne auch gewissermaßen Kritik aus den eigenen Reihen, denn bei den 59 Mitgliedsorganisationen der BJV sind neben verschiedenen religiösen Jugendvereinen auch alle Jugendorganisation der Parteien zu finden, inklusive der Jungen Volkspartei und der Grünen Jugend. Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" hieß es vom BJV, dass sich die Mitgliedsorganisationen auf gemeinsame Punkte verständigen, auch wenn manche Mitglieder bei einzelnen Themen anderer Meinungen sind. Mit Julian Christian sitzt sogar ein JVP-Mitglied auf einem der vier Vorsitzposten, er sollte auch bei dem Pressetermin sprechen, musste aber krankheitsbedingt absagen.

Seit Installierung der Jugendstaatssekretärin im Dezember - Claudia Plakolm ist übrigens auch JVP-Bundesobfrau - hätten die Anliegen junger Menschen mehr Aufmerksamkeit bekommen, viel weitergegangen sei seither jedoch nicht, schreibt die BJV in ihrer Aussendung. Nur ein Fünftel der kinder- und jugendrelevanten Maßnahmen habe man bisher umgesetzt. Nun müsse die Politik an die Arbeit gehen, sonst verliere sie das sowieso schon geringe Vertrauen der Jugend komplett.