Dass die Wahl am 9. Oktober stattfindet, steht mittlerweile fest. Am Donnerstag stimmten auch alle Fraktionen des Hauptausschusses des Nationalrats dem Termin für die Bundespräsidentenwahl zu. Dass Alexander Van der Bellen für eine zweite Amtszeit kandidiert, ist ebenso fix. Nur welche anderen Namen auf dem Wahlzettel stehen werden, ist drei Monate vor dem Urnengang fraglich.

SPÖ, ÖVP und Neos schicken jedenfalls keinen Kandidaten ins Feld. Auch die Grünen unterstützen ihren ehemaligen Parteiobmann, der als unabhängiger Kandidat Bundespräsident wurde. Für die FPÖ kommt das nicht in Frage. "Wenn die Freiheitlichen sich selbst ernstnehmen, müssen sie jemanden aufstellen. Sonst wäre das ein indirektes Eingeständnis, dass man mit dem Bundespräsidenten zufrieden war", sagt Politikberater Thomas Hofer.

Die Entscheidung, wer für die Blauen ins Rennen gehen soll, zieht sich allerdings in die Länge. "Um den 9. Juli" wolle man den Kandidaten oder die Kandidatin bekanntgeben, kündigte Klubobmann Herbert Kickl kürzlich an. Dass Zögern ist für Hofer nachvollziehbar. Wochenlange mediale Berichterstattung über den Auserwählten, dessen politische Positionen und mögliche frühere Fehltritte sei nicht im Interesse der FPÖ.

Kandidatensuche ist schwierig

Auch sei es für die Blauen nicht einfach, den passenden Mann oder die passende Frau für die Hofburg-Wahl zu finden. "Es gibt nicht viele Marken in der FPÖ abseits von Kickl", sagt Hofer. Und der Parteichef selbst hat eine Kandidatur ausgeschlossen. Der Wahlkampf wäre nun eine Gelegenheit, eine weitere "Marke" zu etablieren. Seit Wochen steht der Name Susanne Fürst im Raum. Die Verfassungssprecherin gilt als loyal gegenüber dem Klubobmann. Allerdings sei sie, so Hofer, in Debatten "rhetorisch weniger geübt".

Wer auch immer schlussendlich für die FPÖ ins Rennen geht, könnte Konkurrenz von drei "kleinen" Kandidaten bekommen. Michael Brunner, Bundesparteiobmann der impfkritischen MFG, hat seine Kandidatur im Juni bekanntgegeben. Mit seinen Positionen zu den Corona-Maßnahmen und dem Ukraine-Krieg dürfte er auch potenzielle FPÖ-Wähler ansprechen. Gleiches gilt für den ehemaligen BZÖ-Politiker Gerald Grosz. In einem Video, in dem er seine Kandidatur kundmachte, kritisierte er die Sanktionen gegen Russland und warnte vor "archaischen" Zuständen an den Grenzen wegen der zunehmenden Migration.

Dann gibt es noch Dominik Wlazny, besser bekannt als Marco Pogo, dessen politische Positionen – verpackt in viel Witzelei rund um das namensgebende Getränk seiner Bierpartei – eher gegensätzlich zu denen der anderen Kandidaten abseits Van der Bellens sind. Als ausgebildeter Arzt impfte er selbst gegen das Coronavirus, Klimaschutz und Kulturförderung stehen bei ihm hoch im Kurs. Doch die drei "Kleinen" müssen erst die Hürde von 6.000 Unterstützungserklärungen überwinden, um tatsächlich am Wahlzettel aufzuscheinen. Laut Hofer sei das Brunner, Grosz und Wlazny "zuzutrauen", sie hätten bereits eine gewisse Mobilisierungsstärke bewiesen.

Menschen ansFPÖ-Wählen "gewöhnen"

Damit auch die FPÖ von einem Erfolg sprechen kann, muss sie schon mehr erreichen. Ein ähnlich gutes Ergebnis wie 2016 sei illusorisch, sagt Hofer. Man würde sich wohl eher an aktuellen Umfrageergebnissen zum Nationalrat orientieren, wo die FPÖ derzeit meist um die 20 Prozent liegt. Ziel sei es, dies bei der Präsidentschaftswahl zu übertreffen. "Es geht darum, Leute, die eigentlich nicht FPÖ wählen würden, daran zu gewöhnen", so Hofer.