In 220 Metern Höhe sind die Tresen poliert, ein Buffet aufgebaut und sprichwörtlich die Tische gedeckt. Von der 57. Etage des DC Towers in Wien hat man zudem eine gute Aussicht – und nach Wochen der nebulösen Spekulationen auch endlich einen klaren Blick auf den Kandidaten der FPÖ für die Bundespräsidentschaftswahl im Herbst. Am Montagnachmittag hatte Kickl seinen damals noch geheimen Kandidaten als "jung und dynamisch" angepriesen, geworden ist es nun aber der bald 60-jährge Niederösterreicher und Volksanwalt Walter Rosenkranz. Am Mittwoch wurde er hoch über Wiens Dächer im DC Towers nun auch offiziell präsentiert.
"Lieber Walter, du bist im besten politischen Alter", sagte FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl und attestierte Rosenkranz im Vergleich mit dem 18 Jahre älteren Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen geradezu ein "Jungspund" zu sein. Rosenkranz ist kein Unbekannter und dennoch ein Überraschungskandidat. Im Vorfeld hatte alles auf eine der beiden Nationalratsabgeordneten hingedeutet, entweder Susanne Fürst – von Kickl als "eine ganz heiße Aktie" bezeichnet – oder Petra Steger, die Tochter von FPÖ-Urgestein Norbert Steger. Fürst habe Rosenkranz dann aber freiwillig den Vortritt gelassen, ob seiner größeren politischen Erfahrung.

"Der ideale Kandidat"

Im Parteipräsidium, in dem auch alle Landesparteiobleute sitzen, wurde Rosenkranz am Dienstagabend einstimmig bestätigt. Bei der Präsentation am Mittwoch lobte Kickl seinen Parteikollegen als hervorragenden Juristen und leidenschaftlichen Parlamentarier. Er kämpfe als Volksanwalt für die Bürger, sei Musiker, Jäger und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seiner Heimatstadt Krems an der Donau. Außerdem holte Kickl zu einem Rundumschlag gegen die Regierung, die "Schein-Opposition" und den amtierenden Bundespräsidenten aus. Sie wären zu einer politischen Elite verschmolzen und hätten das Land in multiple Krisen gestürzt. Damit breitete er Rosenkranz den roten Teppich aus, denn mit ihm gehe es auch anders. "Er ist der ideale Bundespräsidentschaftskandidat", bilanzierte Kickl.
Walter Rosenkranz ist Mitglied der Wiener akademischen Burschenschaft "Libertas" und schon lange in der freiheitlichen Partei, in Krems saß der Niederösterreicher von 1988 bis 2018 für die Freiheitlichen im Gemeinderat, absolvierte vor seinem Studium der Rechtswissenschaften, auch eine Ausbildung zum Musiklehrer. Er war von 2008 bis 2019 Nationalratsabgeordneter, ab 2017 auch Klubobmann der Freiheitlichen im Nationalrat, ebenso wie Landesparteiobmann der FPÖ Niederösterreich. Am 1. Juli 2019 verabschiedete er sich aus all diesen Funktionen und wurde als Volksanwalt angelobt. Hier ist er, passend zu den Themen seiner Partei, unter anderem für Fremden- und Asylrecht zuständig.

Ziel ist die Stichwahl


Hinter den Rednerpulten, auf Etage 57, versperrte eine Plakatwand die Sicht auf Wien. Sie zeigte, groß und prominent, den ehemaligen ÖVP-Bundeskanzler Leopold Figl samt dem Staatsvertrag, aber mit dem Slogan der Blauen: "Holen wir uns unser Österreich zurück". Auch ein rot-weiß-rot eingefärbtes Österreich war auf dem Plakat zu sehen, daneben standen rot-weiß-rote Rosen, und Rosenkranz betonte, dass ihn ein rot-weiß-rotes Band mit der Bevölkerung verbinde.
Dann griff er alle von Kickl angesprochenen Krisen von Pandemie über Teuerung bis Asylpolitik erneut auf und versicherte, er würde dies "als Bundespräsident einer Regierung nie durchgehen lassen". Man könne den Nationalrat auflösen oder auch die Regierung entlassen, sagte der Volksanwalt. (Anm.: Der Bundespräsident kann gemäß Verfassung den Nationalrat nur auf Vorschlag der Bundesregierung auflösen).
Als Volksanwalt habe er stets den Schulterschluss mit der Bevölkerung gesucht. Sein Amt wird er wegen seiner Kandidatur nicht verlassen, schließlich lege auch der Bundespräsident sein Amt nicht zurück. Ziel sei eine Stichwahl und in dieser dann "50 Prozent plus eine Stimme". Dass Rosenkranz an Norbert Hofers Ergebnisse von 2016 anknüpfen kann, bezweifeln Politologen. Für Rosenkranz wird es ein Spagat zwischen angesehenem "obersten Staatsorgan", wie Kickl ihn als Volksanwalt nannte, und einem "Mann des Volkes" gegen die politische Elite werden. Sein Vorgänger habe ihm schon aufmunternde Worte zukommen lassen: "Hofer hat mir gewünscht, dass diesmal der Kleber hält."