Nur FPÖ-Obmann Herbert Kickl selbst hat bis vor kurzem gewusst, wer für seine Partei die Hofburg ansteuern soll. Präsentiert wurde Dienstagabend Walter Rosenkranz, einst geschäftsführender Klubchef seiner Fraktion, nun Volksanwalt und am Wahltag 60 Jahre alt. Als Persönlichkeit ist der gebürtige Kremser innerhalb der Partei unumstritten, im Umgang charmant, in der Sache konsequent und skandalfrei.

Der Name Rosenkranz scheint in der FPÖ Garant für eine Hofburg-Kandidatur zu sein. War 2010 schon Barbara Rosenkranz in den Bundespräsidentschaftswahlkampf geschickt worden, ist es nun der gebürtige Kremser Walter Rosenkranz - der Barbara Rosenkranz schon 2013 einmal nachgefolgt war, nämlich als Landesparteichef in Niederösterreich. Verwandt sind die beiden nicht, die Hürde liegt diesmal aber ähnlich hoch, gilt es doch den Amtsinhaber - damals Heinz Fischer, diesmal Alexander Van der Bellen - herauszufordern.

Geboren wurde Rosenkranz am 29. Juli 1962 in Krems an der Donau. Nach der Matura in seiner Heimatstadt zog es ihn 1980 nach Wien, wo er Rechtswissenschaften studierte, seit 2000 ist er Rechtsanwalt. Parallel zu seiner juristischen Laufbahn verlief eine künstlerische: Er studierte zwei Jahre an der Hochschule Konzertfach Gitarre. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

 

Hausjurist der Wiener FPÖ

Politisch aktiv ist Rosenkranz seit seiner Jugend: So war er 1988 und 1989 Bundesobmann der Freiheitlichen Studenteninitiative, zeitgleich wurde er Mitglied des Gemeinderates in Krems, was er bis heute geblieben ist. Eine kurze Karriere als Vertragsbediensteter im Verteidigungsministerium führte ihn direkt in die Arme der Wiener FPÖ, wo er zuerst als Hausjurist, dann als Landesparteisekretär tätig war. In den Nationalrat schaffte es Rosenkranz via niederösterreichischer Landesliste bei der Wahl 2008.

Als Nationalratsabgeordneter konnte Rosenkranz bereits Erfahrung im ersten "Korruptionsuntersuchungsausschuss" sammeln. Im Hohen Haus schaffte es Rosenkranz 2017 auch bis zum geschäftsführenden Klubchef - damals galt es, die Last von Heinz-Christian Straches Schultern zu nehmen. Sein gleichberechtigter Partner damals: Johann Gudenus. Trotz der Konstellation blieb Rosenkranz Skandalen völlig fern.

In ruhigere Gewässer steuerte Rosenkranz dann 2019, als er vom Nationalrat in sein Volksanwaltschafts-Büro zog. Dort beschäftigte er sich auch zu einem großen Teil mit Beschwerden gegen die Coronamaßnahmen der Regierung - eine Erfahrung, die ihm im Wahlkampf wohl zugutekommen wird, trägt er Kickls Kurs in dieser Frage mit.  (apa)