Der frühere, langjährige ÖVP-Generalsekretär Sixtus Lanner ist am Mittwoch 88-jährig verstorben. Die Tiroler ÖVP bestätigte der APA am Donnerstag einen Bericht des ORF Tirol. Der "Bauernbua" aus der Wildschönau im Tiroler Unterland war einer der längstdienenden ÖVP-"Generäle" (zwischen 1976 und 1982), saß 25 Jahre lang - von 1971 bis 1996 - für die Volkspartei im Nationalrat und galt stets als einer der prononciertesten Vertreter der Bauern sowie des Ländlichen Raumes.

Von 1969 bis 1976 war Lanner auch Direktor des Österreichischen Bauernbundes. Lanner war auch über Parteigrenzen hinweg geachtet und geschätzt. Eine persönliche Freundschaft verband ihn etwa mit Ex-Bundespräsident und SPÖ-Spitzenpolitiker Heinz Fischer.

Vom Bauernhof im Unterland in die USA

Geboren wurde Lanner am 12. Mai 1934 in Oberau in der Wildschönau. Gemeinsam mit drei Geschwistern wuchs er am elterlichen Bauernhof zu "Unterhausberg" auf. Er besuchte die örtliche Volksschule und war anschließend bis zum 20. Lebensjahr Landarbeiter in der Wildschönau. Anschließend absolvierte er die Höhere Bundeslehranstalt für alpenländische Landwirtschaft in Seefeld in Tirol und studierte an der Wiener Hochschule für Bodenkultur. Sein Studium schloss Lanner nach mehreren Auslandsaufenthalten, unter anderem in den USA, und "Abstechern" zu Welthandel und Volkswirtschaft, 1964 mit dem Doktorat ab.

Seine berufliche Laufbahn begann er 1963 als Referent der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs. Es folgten die Stationen als Bauernbunddirektor, Abgeordneter und Generalsekretär. Lanners politische Blütezeit in der Führungsriege der Volkspartei fiel in die Ära Kreisky und jener einer absoluten SPÖ-Alleinregierung. Als Generalsekretär "diente" er unter den Bundesparteiobmännern Josef Taus und Alois Mock.

Von 1977 bis 1982 war der Tiroler außerdem Vizepräsident der Europäischen Union Christlicher Demokraten (UECD) sowie von 1987 bis 1992 Präsident der Agrarkommission des Europarates. 1974 war Lanner Mitglied der österreichischen Delegation der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Seine Fachkenntnisse für die Probleme des "Ländlichen Raumes" - der Terminus geht auf ihn zurück - brachten ihm 1988 den Vorsitz des Österreichischen Nationalkomitees für den Ländlichen Raum sowie 1992 des Ost-West-Komitees des Europarates für die Entwicklung des Ländlichen Raumes ein. 1996 verfasste der Wildschönauer das Buch "Der Stolz der Bauern". Die Anliegen des Ländlichen Raumes lassen ließen Lanner bis zuletzt nicht los. (apa)