Höhere Gehälter in den Jahren 2023 und 2024 für Pflegekräfte und Heimhilfe, 1500 Euro Bonus für Menschen, die ihre Angehörigen daheim pflegen und damit insgesamt eine Milliarde Euro zusätzlich für die Pflege: Dieses Bündel an Maßnahmen haben ÖVP und Grüne vor der Sommerpause des Nationalrats schon beschlossen. Jetzt folgt ein zweiter Schritt bei einem weiteren Schwerpunkt, der Ausbildung, die damit für Junge attraktiver werden soll. Mit einem Schulpaket für die Pflege stellt Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) die Weichen für Neuerungen im Bereich der Ausbildung.

Noch nicht enthalten ist die umstrittene Einführung einer Pflegelehre. Die gesetzliche Basis dafür soll von Arbeitsminister Martin Kocher geliefert werden. Die Pflegelehre wird von Sozialminister Johannes Rauch und den Grünen mitgetragen. Von Praktikern im Pflegesektor, aber auch von der Arbeiterkammer wird die Pflegelehre gibt es allerdings Vorbehalte, weil man befürchtet, dass diese zu eine Billigschiene für Pflegekräfte wird. Vorarlberg möchte Vorreiter aufgrund der Erfahrungen in der benachbarten Schweiz sein.

Höhere Lehranstalt für Pflege ab dem Schuljahr 2023/24

Mit der einer Novelle des Bildungsministers ging ein grundlegender Punkt der Pflegereform der Bundesregierung am Freitag in Begutachtung. Neu eingerichtet wird dabei eine Höhere Lehranstalt. "Wir sind gerade dabei, einen Meilenstein im Bereich der Pflegeausbildung umzusetzen. Mit der Einrichtung einer Höheren Lehranstalt für Pflege und Sozialbetreuung schaffen wir eine völlig neue und eigenständige Schulform. Somit wird es in Zukunft möglich sein, die allgemeine Hochschulreife zu erlangen und zusätzlich einen Abschluss als Pflegefachassistenz oder alternativ als Sozialbetreuer zu machen", erläutert Polaschek zum Start der Begutachtungsphase, die sechs Wochen dauern wird.

Diese Höhere Lehranstalt soll einen pflegerischen und sozialbetreuerischen Schwerpunkt erhalten. Der Ausbildungszeitraum wird dabei fünf Schuljahre umfassen. Ab dem Schuljahr 2023/24 wird die neue Ausbildung regulär möglich sein. Zum Start werden dafür rund sieben Millionen Euro vom Bund bereitgestellt. Dieser Betrag wird dann entsprechend dem jährlichen Ausbau erhöht. "Die bereits laufenden Schulversuchsstandorte werden ins Regelschulwesen nahtlos übergehen. Zudem werden weitere, neue Standorte geprüft, um in Zukunft noch mehr Personal im Bereich der Pflege ausbilden zu können", kündigt der Minister an.

Zudem umfasst der Gesetzesentwurf auch die Einrichtung einer Fachschule für Sozialberufe mit Pflegevorbereitung. Die Ausbildung in der Fachschule wird drei Jahre dauern. "Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen gelingt uns ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der Pflege", unterstreicht Polaschek.

Einige Tausend zusätzliche Ausbildungsplätze

Die positiven Erfahrungen mit bestehenden Schulversuchen zeigten, dass für die Ausbildung in der Pflege mittlere und höhere Schulen eine wichtige Ergänzung seien. Die enge Anbindung an bestehende Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege garantiere eine hohe Qualität. Langfristig schaffen man damit einige tausend zusätzliche Ausbildungsplätze. Dass sich eine Ausbildung in der Pflege nun auch mit Matura kombinieren lasse, sei eine wichtige Ergänzung der vielfältigen Ausbildungswege, meint Sozialminister Rauch.

ÖVP-Klubobmann August Wöginger sieht in der Schulnovelle einen wichtigen weiteren Schritt zu einem umfassenden Pflegepaket der Regierung dar. Damit werde ein breiterer Zugang zu diesen Berufsfeldern geschaffen Noch ausständig sind im Herbst die Details für den Bonus für Pensionisten, die im Ruhestand Angehörige selbst betreuen und pflegen.