Sieben Festnahmen in Österreich, 25 weitere in der Slowakei und Ungarn. Im Rahmen der "Operation Joker", einer internationalen Polizeizusammenarbeit, gelang ein Schlag gegen die Suchtmittelkriminalität, wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in St. Pölten betont. Die Beschuldigten vertickten Drogen mit einem Straßenverkaufswert von über 21 Millionen Euro. Als Organisator gilt ein 37-jähriger Slowake mit Wohnsitz in Wien.

"Operation Joker" zieht "dicken Fisch" an Land

Insgesamt beschlagnahmt wurden fast 300 Kilogramm an Suchtmittel, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Er sprach von einem "historischen Ermittlungserfolg". Die Exekutive ziele bei den Erhebungen generell "auf die großen Fische ab", diesen Weg wolle man auch mit dafür notwendiger internationaler Zusammenarbeit "in Zukunft fortsetzen".

Ein solcher "dicker Fisch" mit Bezug zu Österreich ging im Rahmen der "Operation Joker" ins Netz. Wie Ermittlungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich ergaben, soll der 37-jährige Haupttäter als Drahtzieher - teils gemeinsam mit seiner um fünf Jahre jüngeren Ehefrau - zumindest seit 2014 den Transport von mengenweise Kokain und Methamphetamin mit speziell präparierten Lkw von Amsterdam über den Grenzübergang Drasenhofen (Bezirk Mistelbach) nach Österreich organisiert haben. Den Schmuggel selbst führten noch unbekannte Mitglieder von mexikanischen und rumänischen Tätergruppen durch, wurde betont.

Schmuggler nutzten Niederösterreich als Umschlagplatz

Ziel sei gewesen, die Drogen in Niederösterreich zu entladen und zu bunkern. Später wurden die Suchtmittel in einer Menge von zehn bis 15 Kilo u.a. in verschiedenen Wiener Hotels über Vermittlung des 37-Jährigen an drei nunmehr in der Slowakei inhaftierte Personen und weitere Kriminelle übergeben. Die Preise: 40.000 Euro pro Kilo Kokain, 11.500 Euro für das Kilogramm Methamphetamin.

Die Abnehmer sollen die Drogen danach per Pkw von Österreich in die Slowakei überstellt haben. Am "Umschlagplatz Niederösterreich bzw. Wien" soll der 37-Jährige so seit 2014 etwa 60 Kilogramm Kokain, 210 Kilogramm Methamphetamin und etwa zehn Kilo Cannabiskraut bewegt haben. Der Beschuldigte bereicherte sich durch den Suchtmittelverkauf um rund 4,8 Millionen Euro.

Zahlreiche Mittäter:innen

Die ebenfalls festgenommene 32-jährige Ehefrau des Mannes soll im Herbst 2017 in Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) an der Übergabe von einem Kilogramm Kokain im Gegenwert von 40.000 Euro beteiligt gewesen sein. Sie habe über die Drogenkontakte ihres Ehemannes verfügt und hätte den organisierten Handel fortsetzten können, wenn dem 37-Jährigen etwas zugestoßen wäre, wurde betont.

Für den 37-jährigen Drahtzieher große Mengen an Drogen gebunkert haben soll ein ebenfalls in Wien wohnender 38-jähriger slowakischer Staatsbürger. Einem 40-jährigen Slowaken mit Hauptwohnsitz in Hainburg (Bezirk Bruck a. d. Leitha) wird vorgeworfen, ab Frühjahr 2014 rund 60 Kilo Kokain, 210 Kilogramm Methamphetamin sowie 17 Kilogramm Cannabiskraut nach Österreich eingeführt und letztlich weitergeben zu haben. Die Bereicherung wird in dem Fall mit 4,9 Millionen Euro beziffert.

Am Mittwochnachmittag wurde in Deutsch-Wagram (Bezirk Gänserndorf) ein zusätzlicher Verdächtiger geschnappt. Der Mann wurde bei der versuchten Weitergabe von sechs Kilogramm Methamphetamin vom Einsatzkommando Cobra festgenommen. "Es stellte sich heraus, dass auf Täterseite eine Faustfeuerwaffe im Spiel war", sagte der Direktion für Spezialeinheiten/Eko Cobra, Bernhard Treibenreif. Im Anschluss erfolgten Hausdurchsuchungen in Wien, Hainburg und Großengersdorf (Bezirk Mistelbach). Laut Stefan Pfandler, dem Leiter des Landeskriminalamts Niederösterreich, klickten noch für zwei weitere Personen die Handschellen.

Explosive Funde in Ungarn

Sichergestellt wurden in Österreich 205.000 Euro in bar, ein Goldbarren, ein Schlagstock sowie hochpreisige Fahrzeuge der Marken BMW, Fiat und Mercedes. In einem Haus des 37-jährigen Haupttäters in Ungarn wurden außerdem fünf Kilo TNT-Sprengstoff sowie zweieinhalb Kilogramm weitere Substanzen, die noch genauer untersucht werden müssen, entdeckt. Ebenfalls sichergestellt wurden "60 Waffen verschiedenster Fabrikate", schilderte Pfandler.

Gestartet waren die Ermittlungen im März. Federführend waren neben dem Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Suchtmittelkriminalität, die Nationale Kriminalagentur der Slowakei (NAKA) sowie das Nationale Ermittlungsbüro der ungarischen Polizeibehörden (NNI). Ein zeitgleicher und koordinierter Zugriff erfolgte in den frühen Morgenstunden des 12. Juli.

Nur ein "Zwischenergebnis"

Die vier Beschuldigten des österreichischen Ermittlungsverfahrens - die Festgenommenen vom Mittwoch zählen vorerst nicht dazu - verweigerten bis dato jeweils die Aussage. Das Quartett wurde über Auftrag der Staatsanwaltschaft in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert.

Zu Ende sind die Ermittlungen in der Causa freilich noch nicht. Landespolizeidirektor Franz Popp sprach von einem "guten Zwischenergebnis" und verwies auf "umfangreiche Ermittlungen gegen vier Beschuldigte". Pfandler ergänzte: "Es wird nicht das Ende der Fahnenstange sein." (apa)