Arbeit und Gesundheit: Es sind zwei Felder, bei denen der Integrationsbericht 2022 Nachholbedarf ortet. Die Arbeitslosenquote in Österreich ist bei Afghanen, Syrern und Irakern weiter deutlich höher als bei Zuwanderern aus anderen Staaten. Besonders Frauen aus diesen Ländern sind oft arbeitslos. Zudem zeigen sich bei manchen Migrantengruppen Schwächen bei der Gesundheitsversorgung. Sie lassen sich seltener impfen, etwa gegen Tetanus, FSME oder Corona. Und auch Vorsorgeuntersuchungen werden von Migranten teils seltener als von Österreichern beansprucht.

Die Integration jener Gruppen, die während der Flüchtlingswelle 2015/2016 gekommen sind, sei nicht abgeschlossen, sagte Katharina Pabel, die Vorsitzende des Integrationsbeirats, am Montag bei der Vorstellung des Berichts in Wien. Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) sprach von einer "Riesenherausforderung", Österreich sei auch heuer mit hohen Flüchtlingszahlen konfrontiert. Neben den 31.000 Asylanträgen, die im ersten Halbjahr gestellt wurden, seien 80.000 vertriebene Ukrainer registriert worden, sagte Raab. Zusammengezählt liege man schon jetzt über dem Rekordjahr 2015, als rund 88.000 Asylanträge gestellt wurden.

Präsentation des Integrationsberichts

Ein Viertel mit Migrationshintergrund

Mittlerweile hat ein Viertel der österreichischen Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Darunter fallen Personen, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Seit 2015 bis Anfang 2022 ist der Anteil von 21,4 auf 25,4 Prozent gestiegen.

Bei den ausländischen Staatsangehörigen liegen die Deutschen voran, rund 218.000 lebten mit 1. April 2022 in Österreich. Massive Steigerungen gab es seit 2015 bei Syrern, Afghanen und Ukrainern. Laut Zahlen der Statistik Austria lebten bereits mit 1. April 2022 knapp 53.000 Ukrainer in Österreich: Das ist ein Plus von 515 Prozent gegenüber 2015.

Herausforderungen sieht Pabel vor allem bei der Integration am Arbeitsmarkt. Im Vergleich zu 2020 hat sich im Vorjahr die Arbeitslosenquote zwar deutlich reduziert, bei Inländern und Ausländern gleichermaßen. Der Anteil der Ausländer unter den Erwerbstätigkeiten erhöhte sich 2021 von 21,2 auf 22,3 Prozent.

Jedoch sind weiter 61 Prozent der Syrerinnen und 35 Prozent der Syrer, 51 Prozent der Afghaninnen und 21 Prozent der Afghanen sowie 47 Prozent der Irakerinnern und 26 Prozent der Iraker arbeitslos. Warum gerade die Syrer, die vielfach als besser qualifiziert als andere Migrantengruppen galten, hervorstechen, ist laut Pabel unklar. Integrationsministerin Raab führt die hohe Arbeitslosigkeit bei Frauen dieser Herkunftsländer auf "traditionelle Rollenbilder" zurück, die aufgebrochen werden müssten.

Raab will Schwerpunkte beim Arbeitsmarkt, etwa bei den Sprachkursen, setzen, vor allem auch angesichts der Integration der Ukrainer. Bis Mitte Juni haben 6.700 ukrainische Vertriebene eine Beschäftigung aufgenommen, vor allem im Gastgewerbe, im Handel und in der Landwirtschaft. Von den überwiegend weiblichen Flüchtlingen aus der Ukraine würden laut einer Studie derzeit 30 Prozent konkrete Pläne für die Rückkehr in ihre Heimat haben, sagte Raab.

Weniger herkömmliche Impfungen

Ein Fokus wurde im heurigen Integrationsbericht auf die Gesundheitsversorgung gelegt. Personen mit Migrationshintergrund lassen sich nicht nur seltener gegen Tetanus und FSME impfen als Österreicher. Auch die Corona-Impfung ist unpopulärer, die Impfquote liegt bei Österreichern bei 73 und bei Ausländern bei 56 Prozent. Wobei es deutliche Unterschiede gibt: 76 Prozent der Iraner, 72 Prozent der Chinesen und 69 Prozent der Deutschen ließen sich impfen. Die geringste Impfquote weisen hingegen Staatsbürger der Russischen Föderation (37 Prozent) und Rumänen (38) aus.

Auch zeigen Befragungen, dass Migranten teils seltener Gesundheitsleistungen als Österreicher beanspruchen. Sie gehen beispielsweise seltener zu Zahnärzten (63 zu 73 Prozent) und Mammografien (68 zu 75 Prozent). Welch wichtige Rolle sie wiederum bei der Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems spielen, zeigt sich bei der 24-Stunden-Pflege: 90 Prozent der Erwerbstätigen sind ausländische Arbeitskräfte.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde um 17:05 aktualisiert.