Für manche Direktorin und den einen oder anderen Schulleiter wird es nach den Sommerferien eine böse Überraschung geben. Im neuen Schuljahr 2022/23 werden in den Allgemeinbildenden Höheren Schulen und den Berufsbildenden Höheren Schulen die rasant gestiegenen Energiepreise bei den Heizkosten voll durchschlagen. Das Bildungsministerium hat deshalb zwar noch zum Ende des vergangenen Schuljahres die Schulleiter darüber informiert, dass bei Investitionen und Ausgaben aus dem jeweiligen Budget der Schulen kräftig gespart werden muss. Im Gegenzug werden zwar die Mittel für das Heizen erhöht. Allerdings rechnen Direktoren trotz allem damit, dass das vorgesehene Geld ab Herbst nicht für das Heizen reichen wird.

Erste diesbezügliche Hinweise gab es aus dem TGM in Wien, der zweitgrößten HTL in Österreich. Dort müssen geplante Vorhaben aufgeschoben werden, um einen finanziellen Puffer für viel höhere Heizkosten im kommenden Schuljahr zu haben.

Ein gutes Drittel muss eingespart werden

Den Bundesschulen, also den Höheren Schulen, droht damit im Herbst und Winter das Geld auszugehen - trotz der bereits vorgesehenen Einsparungen bei den Investitionen. Wolfgang Bodei, der neue bundesweite Sprecher der BMHS, dazu gehören 74 HTL in Österreich sowie auch die Handelsakademien, bestätigte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die finanzielle Misere. Demnach machen die Einsparungen im Budget bei Investitionen und weiteren Bereichen immerhin mehr als ein Drittel mit rund 35 Prozent aus. Gleichzeitig sind zwar wegen der höheren Energiekosten rund 38 Prozent mehr Mittel für das Heizen nach den Budgetvorgaben von Bildungsminister Martin Polaschek vorgesehen.

Auf dem Papier steigt damit laut den Informationen des Ministeriums zwar das jeweilige Schulbudget. Allerdings befürchten bei einem Rundruf mehrere Schulleiter, dass die Heizkosten noch höher ausfallen werden als an Ausgaben dafür einkalkuliert wurde. Bodei gibt sich nach Rücksprache mit weiteren Direktoren, darunter der österreichweit größten HTL in Mödling bei Wien, keinen Illusionen hin: "In Summe betrachtet ist es ein bisschen mehr. Aber das wird sicher zuwenig sein."

Direktorin aus Mistelbach: "Das trifft uns alle massiv"

Die ausgewiesene leicht höhere Gesamtsumme dürfte auch der Grund sein, warum der absehbare finanzielle Engpass wegen der viel höheren Heiz- und Energiekosten nicht schon vor den Sommerferien aufgefallen ist und zu einem Aufschrei der Direktoren an Bundesschulen geführt hat. "Das trifft uns alle massiv", warnt der BMHS-Sprecher.

Bodei, der HTL-Direktor in Hollabrunn im Weinviertel ist, hat sich mit seinem Gegenüber bei den AHS-Schulleitern kurzgeschlossen. Isabella Zins, BORG-Direktorin im nahen Mistelbach im Weinviertel, ist bundesweite Sprecherin der AHS-Direktorinnen und -direktoren. Sie verweist ebenfalls auf die vom Bildungsministerium vor Ferienbeginn angewiesenen Umschichtungen in den Schulbudgets. "Die Sorge besteht, dass es sich hier nicht ausgehen wird", prognostiziert auch Zins für das neue Schuljahr 2022/23.

Sie verweist noch auf ein anderes Problem: So seien bei ihrer Schule die Kosten für die Bibliothek auf null gesetzt worden. Das wird nicht machbar sein, weil etwa Kosten für neue Bücher anfallen. Lehrer sind insofern betroffen, weil Ausgaben für Fahrten zu Fortbildungsveranstaltungen oder für Schulskikurse reduziert werden müssen.

Schon heuer gab es Nachzahlungen

Wieder einmal werden die finanziellen Probleme durch die Corona-Regeln an Bundesschulen noch verschärft. Allen Schulen ist bisher empfohlen worden, in den Klassen häufiger zu lüften, um das Ansteckungsrisiko zu verringern und sich so den Kauf teurer Luftfilter zu ersparen. Öfter geöffnete Fenster haben und hatten allerdings Mehrkosten fürs Heizen zur Folge. Das machte sich etwa in der HTL in Hollabrunn schon im Spätwinter wegen der höheren Energiepreise besonders bemerkbar. Eine saftige Nachzahlung mit zigtausend Euro wurde fällig. Das dürfte nur ein lauer Vorgeschmack auf den heurigen Herbst und Winter für die Schulen sein.