Am 9. Oktober ist es soweit: Es gibt erstmals seit Beginn der Pandemie im März 2020 eine bundesweite Wahl, war doch die Nationalratswahl noch knapp davor im Herbst 2019. Nun sind die Österreicherinnen und Österreicher aufgerufen, ihr Staatsoberhaupt zu wählen.

Zwar ist erst Anfang September fix, wer es auf den Stimmzettel schafft, doch es scheint jetzt schon klar zu sein, dass es eine große Auswahl geben wird. Derzeit werben rund 20 Kandidaten um Unterstützungserklärungen. 6.000 müssen sie jeweils – auch der Amtsinhaber Alexander van der Bellen – bis 2. September sammeln. Dabei könnte dieses Mal ein Rekord purzeln. Sieben Kandidaten werden gute Chancen eingeräumt, auch tatsächlich zur Wahl zu stehen, 2016 und 1951 waren es sechs.

Nur einer davon, nämlich Volksanwalt Walter Rosenkranz, ist von einer Partei nominiert, die auch im Nationalrat vertreten ist. Die Grünen unterstützen zwar den Amtsinhaber Alexander Van der Bellen finanziell, stellen aber keinen eigenen Kandidaten auf. Auch SPÖ und ÖVP verzichten darauf, eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Das sei zwar verständlich, aber für die Demokratie nicht gut, sagt Martina Zandonella vom Demokratiemonitor des Sora-Instituts: "Demokratie lebt vom Wettbewerb im Angebot."

Wahlen bilden Stimmungsbild ab

Dass sich so viele für das Amt des Bundespräsidenten bewerben wollen, sei dabei weder gut noch schlecht: "Die Frage ist nur, wer sind die Menschen und was ist ihre Intention? Geht es ihnen auch um Demokratie, geht es ihnen auch darum, zu gestalten und für die Menschen und für das Land zu arbeiten? Oder geht es ihnen um egoistische, narzisstische Anliegen?" Immerhin sei es auch nicht so wenig Aufwand, 6.000 Unterschriften zu sammeln.

Der Sichtweise, dass man die Wahl nicht brauche, da schon klar wäre, wer gewinnt, hält Zandonella für bedenklich. "Wahlen sind das Herzstück der Demokratie. Da geht es schon darum, dass wir hingehen und unsere Stimme abgeben." Die Auswirkungen der Pandemie, der Teuerung und des Kriegs in der Ukraine hätten jedenfalls Einfluss darauf, ob die Menschen zur Wahl gehen beziehungweise wie sie abstimmen.

Nicht allzu groß dürften die Chancen von 16 weiteren Kandidaturwilligen sein. Einer von ihnen ist Robert Marschall. Er hat mit diversen Parteien schon an einigen Wahlen teilgenommen, 2016 scheiterte sein Versuch in die Hofburg zu gelangen. Zuletzt trat er mit Volksbegehren gegen Schutzmaßnahmen in der Pandemie in Erscheinung. Ein gegen die Impfpflicht gerichtetes kam auf rund 247.000 Unterschriften. Wie MFG-Chef Michael Brunner auch, wirbt Marschall im Zuge seines Stimmensammelns für ein weiteres Volksbegehren zur Anticoronamaßnahmenpolitik.

Die sieben Kandidaten, die es auf den Stimmzettel schaffen dürften

- © APA/EXPA/JFK
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Alexander Van der Bellen. 2016 setzte er sich im Wahl-Marathon mit 53,8 Prozent gegen Norbert Hofer (FPÖ) durch. Erst mit 50 ging der mittlerweile 78-Jährige in die Politik und war für die Grünen im Nationalrat (1994 bis 2012), 1997 wurde er ihr Chef. Nach Verlusten bei der Wahl 2008 trat er zurück, 2012 wechselte er vom Nationalrat in den Wiener Gemeinderat.

- © Apa / Tobias Steinmaurer
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Walter Rosenkranz (FPÖ). Seit 1. Juli 2019 Volksanwalt – nominiert, wie für die Bundespräsidentenwahl auch, von der FPÖ. Der 60-jährige Rechtsanwalt war von 2008 bis 2019 freiheitlicher Abgeordneter, von 2017 bis 2019 unter Heinz-Christian Strache auch geschäftsführender Klubobmann. Außerdem führte er von 2013 bis 2019 die niederösterreichische Landespartei. 

- © APA/GEORG HOCHMUTH
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Dominik Wlazny (Bierpartei) ist besser bekannt als "Marco Pogo", Sänger und Komponist der Punkrock- Band Turbobier. 2015 gründete er die Bierpartei, 2019 schaffte er bei der Nationalratswahl in Wien die Kandidatur und holte fast 5.000 Stimmen. Bei der Wiener Gemeinderatswahl schaffte die Bierpartei den Einzug in einige Bezirksvertretungen, Pogo ist in Simmering Bezirksrat.

- © Apa / Erwin Scheriau
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Gerald Grosz. Der 45-Jährige kam schon 1992 zur FPÖ, 2005 wechselte er zum damals neu gegründeten BZÖ, wo er in zahlreichen Funktionen tätig war, etwa als Generalsekretär, von 2008 bis 2013 als Nationalratsabgeordneter – und 2013 nach dem verpassten Wiedereinzug als Parteichef. 2015 zog er sich aus der Partei zurück und ist jetzt Unternehmer und Blogger.

- © Apa / Georg Hochmuth
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Michael Brunner (MFG). Der 61-jährige Jurist kam über den Protest gegen die Corona- Maßnahmen in die Politik. Im Februar 2021 war er einer der Mitbegründer und ist jetzt Bundesobmann der Partei MFG (Menschen – Freiheit – Grundrechte). Sie zog in Oberösterreich in den Landtag ein, bei den Tiroler Kommunalwahlen gelang der MFG der Einzug in viele Gemeinderäte.

- © Apa / Picturedesk.com / Starpix / Alexander Tuma
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Tassilo Wallentin. Der Wiener Rechtsanwalt möchte als unabhängiger Kandidat am 9. Oktober antreten – nun eben nicht, wie erwartet worden war, als Kandidat der FPÖ. Seine sonntäglichen Kolumnen in der "Kronen Zeitung", in denen er immer wieder mit Angriffen auf die EU auffiel, werden nun eingestellt, teilte die "Krone" bei Bekanntgabe seiner Kandidatur mit.

- © Apa / Herbert Pfarrhofer
© Apa / Herbert Pfarrhofer

Heinrich Staudinger gründete 1980 in Wien ein Schuhgeschäft. Mittlerweile ist sein Unternehmen GEA mit mehr als 50 Filialen in Österreich vertreten. Sein öffentlicher Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) für das eigene Geschäft und generell für private Finanzierungsmodelle ("Crowd Funding") brachte dem 59-Jährigen den Beinamen "Schuhrebell" ein. (apa, bs)