Nicht nur die solidarische Unterstützung des Gründervaters Fritz Dinkhauser mit der Kandidatur auf dem aussichtslosen, letzten Listenplatz gibt es. Der 82-jährige Tiroler Ex-Arbeiterkammerpräsident und ÖVP-Rebell polterte Anfang September beim Wahlkampfauftakt "seiner" Liste wie einst in Richtung Volkspartei: Die ÖVP-Landeshauptmänner fungierten nur als "Bettvorleger für die Speck- und Adlerrunde". Sein Keulenschlag war wie einst gegen die Dominanz des Bauernbundes und der Hoteliers in der Tiroler ÖVP gerichtet, in der er Arbeitnehmer zu wenig beachtet sah.

Mit seiner Namensliste hat der Wortgewaltige 2008 beim ersten Antreten bei einer Landtagswahl mit 18,4 Prozent der Landeshauptmannpartei viele Stimmen gekostet. Nach Durchhängern, bei denen 2013 und 2018 nur knapp die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in den Landtag übersprungen wurde, schickt sich die Liste an, der in Umfragen von Schwindsucht befallenen ÖVP das Fürchten vor einem Debakel zu lehren.

Seit Premiere im Jahr 2008 im Tiroler Landtag

Heuer ist es die gelernte Diplomkrankenschwester Andrea Haselwanter-Schneider, die als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl an diesem Sonntag zieht. Die 54-jährige zweifache Mutter aus Oberperfuss im Bezirk Innsbruck-Land ist Landespolitik-erfahren. Fritz Gurgiser, bekannter Aktivist gegen den Transitverkehr, wurde 2009 von der Liste ausgeschlossen, ist aber noch für das Transitforum Austria-Tirol weiter aktiv.

Haselwanter-Schneider war wie Dinkhauser und Gurgiser ebenfalls schon 2008 bei der Premiere im Landtag dabei, wurde 2012 Klubobfrau und 2018 nach dem Rückzug Dinkhausers Parteiobfrau der Liste Fritz. Die durch und durch Bürgerliche ist für so manchen Tiroler Wähler, der der ÖVP und dem blassen Spitzenkandidaten Anton Mattle nicht traut, erste Alternative anstelle einer Stimme für die FPÖ. Laut Umfragen darf die Liste Fritz bei der kommenden Wahl mit einer Verdoppelung bis hin zu 14 Prozent rechnen.

Während SPÖ, FPÖ, Grüne und auch Neos um den Einzug in die Landesregierung buhlen, will die Liste, die nur mit zwei Mandataren im Landtag vertreten ist, Stachel im Fleisch der ÖVP bleiben und nicht als "Beiwagerl" in die Landesregierung gehen, wurde versprochen. Mit dem vorhergesagten Stimmenzuwachs würde man der ÖVP schon wehtun.

Mit Kritik an den hohen Wohnkosten, an fehlenden Sozialtarifen bei Strom und Gas und der Warnung vor Altersarmut wird versucht, die sozialen Probleme der breiten Masse der rund 550.000 Wahlberechtigten anzusprechen. Ob die hochgesteckten Erwartungen erfüllt werden, wird sich aber erst am Sonntag zeigen. (ett)