Nach der ersten Hochrechnung gab es viel Applaus und laute Jubelschreie bei der ÖVP-Wahlveranstaltung. Mit 34,7 Prozent war das Ergebnis deutlich besser, als die letzten Umfragen erahnen ließen.

Als die Wahllokale um 17 Uhr zusperrten und alle Stimmen ausgezählt waren, war klar: Die SPÖ verpasste ihr Wahlziel von 20 Prozent mit 17,5 Prozent klar und wurde am Ende hinter der FPÖ, die 18,8 Prozent bekam, nur Dritte. Mit den Grünen wurde auch die zweite Regierungspartei abgestraft. Die kam nur auf 9,2 Prozent und verlor damit ein Mandat im Landtag. Die Liste Fritz war der größte Gewinner des Tages, bekam 4,4 Prozentpunkte mehr als 2018 und kratzte mit 9,9 Prozent an der Zweistelligkeit. Die MFG scheitert mit dem Einzug in den Tiroler Landtag.


Zweier- oder Dreierkoalition möglich

Der ÖVP-Spitzenkandidat Anton Mattle stellte nach Verlusten von knapp zehn Prozentpunkten in einem ersten Statement trotzdem den Anspruch auf den Landeshauptmann-Sessel und machte klar, dass er innerhalb der Landespartei nicht die Vertrauensfrage stellen werde. Der Verlust von drei Mandaten wird von der ÖVP als Sieg gewertet.

Die Ergebnisse von SPÖ (17,5 Prozent) und FPÖ (18,8 Prozent) lassen sowohl eine schwarz-rote als auch eine schwarz-blaue Koalition zu. Mattle schloss eine Koalition mit der FPÖ aber schon nach den ersten Hochrechnungen aus und stellte eine mögliche Dreierkoalition in den Raum. Für den Politologen Peter Filzmaier hat das vor allem taktische Gründe, um die Verhandlungshoheit gegenüber der SPÖ zu behalten.

FPÖ mit zweitbestem Ergebnis in Tirol

FPÖ-Chef Markus Abwerzger sieht ein Comeback der FPÖ, bei Umfragen zu Beginn des Jahres sei man bei rund 13 Prozent gelegen. Jetzt haben die Freiheitlichen mit 18,8 Prozent das zweitbeste Ergebnis bei Landtagswahlen erreicht. Mit Platz zwei hinter der Volkspartei sprach Abwerzger überhaupt vom "besten Ergebnis der FPÖ in Tirol". Nur 1999 schnitt man mit 19,6 Prozent besser ab. "Wir strecken die Hand aus und sind gesprächsbereit mit allen", stellte sich Abwerzger auch gleich für mögliche Koalitionsgespräche zur Verfügung, der in den Aussagen Mattles eine "Ausgrenzungspolitik" sah.


Für die SPÖ stellen die geringen Zugewinne eine Enttäuschung dar, immerhin sprach Spitzenkandidat Georg Dornauer im Vorfeld von angepeilten 20 Prozent. Aus den massiven Verlusten der ÖVP konnten die Sozialdemokraten kaum Gewinn schlagen. Seine nach den ersten Hochrechnungen geäußerte Hoffnung, dass die SPÖ mit einer "Punktlandung" doch noch vor der FPÖ liegen würde, bewahrheitete sich nicht.

Und trotzdem dürften die Tiroler Sozialdemokraten als wahrscheinlichster Koalitionskandidat aus der Wahl hervorgehen. Bei einer Dreierkoalition zwischen ÖVP, Grünen und Neos hätte die nächste Regierung mit 19 Mandaten nur eine knappe Mehrheit und die Regierungsarbeit wäre viel volatiler.

Landesregierung abgestraft - Liste Fritz Nettogewinner

Neben den hohen Verlusten für die ÖVP, hatte auch die zweite Regierungspartei ein Minus vor dem Ergebnis. Das ist zwar viel geringer, erweist sich gleichzeitig aber als schmerzhafter: "Schwarz-Grün ist vorbei", stellte Gebi Mair fest. Die Grünen verlieren 1,5 Prozentpunkte und ein Mandat, eine neuerliche Regierungsbeteiligung unwahrscheinlich. "Das ist eine klare Niederlage, da brauchen wir gar nichts schönreden", gestand er das Ergebnis ein. Seine Partei stelle sich auf die Oppositionsarbeit ein, stehe aber für Gespräche bereit, sollten die Sondierungen mit anderen Parteien zu nichts führen.

Mit einem Zuwachs von 4,4 Prozentpunkten und 9,9 Prozent mauserte sich die Liste Fritz zum Nettogewinner der Tiroler Landtagswahl. Die Spitzenkandidatin Andrea Haselwanter-Schneider zeigte sich über das zweitbeste Ergebnis der Parteigeschichte dementsprechend "überwältigt" und "dankbar" und stellte etwas überraschend die Möglichkeit einer Koalitionsbeteiligung in den Raum. Den Grund für die Zugewinne machte Haselwanter-Schneider bei der "unermüdlichen Arbeit" in den Gemeinden aus.

Die extra nach Tirol angereiste Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger zeigte sich über das Ergebnis ihrer Tiroler Landespartei "erfreut", es habe immerhin Zugewinne gegeben. Das letzte Mal habe man noch zittern müssen, ob man den Einzug überhaupt schaffen würde. Der Neos-Spitzenkandidat Dominik Oberhofer war weniger zufrieden. "Ich habe mir mehr erwartet", gab er nach den erten Hochrechnungen. Mit leichten Zugewinnen liegen die Neos mit 6,3 Prozent nur knapp über der Fünf-Prozent-Grenze des Landtages.