"Schön, dass Sie da sind - im Rathaus der kleinsten Großstadt der Welt." Der Werbespruch empfängt an diesem Sonntag im Rathaus in Eisenstadt nicht nur die Touristengruppe aus dem deutschen Heilbronn, sondern auch die rund 277.000 Wähler zur Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in insgesamt 171 Kommunen im Burgenland. Das Rathaus der Landeshauptstadt beherbergt eines der Wahllokale. "Hausherr" und Titelverteidiger ist hier Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP).

Sein Name steht als bisher letzter von insgesamt 14 Bürgermeistern der Freistadt Eisenstadt seit dem Jahr 1921. Er ist seit 2011 im Amt, mit rund 60 Prozent Stimmenanteil seit der letzten Bürgermeisterdirektwahl 2017. Eine Wählerin rechnet fest mit Steiners Wiederwahl. "Das ist eh a gmahte Wiesn", sagt die Einzelunternehmerin zur "Wiener Zeitung".

Am Wahlsonntag kurz nach 11 Uhr tröpfeln jene, die im Wahllokal im Rathaus in der Eisenstädter Hauptstraße ihre Stimme abgeben, nach und nach ein. In der kleinsten Gemeinde mit 89 Einwohnern, in Tschanigraben im Süden des Bundeslandes, hat zu dieser Zeit das Wahllokal schon wieder geschlossen. Dort waren 89 Personen wahlberechtigt, 80 davon machten von ihrem Wahlrecht auch Gebrauch. Bei der Bürgermeisterwahl wurde Ernst Simitz (SPÖ), der ohne Gegenkandidaten antrat, mit 93,59 Prozent in seinem Amt bestätigt. Das waren 4,77 Prozentpunkte weniger als 2017.

In Eisenstadt kann bis 16 Uhr gewählt werden. Mit gut 44 Prozent hält die SPÖ die Vormacht landesweit gerechnet, 41,8 Prozent waren es bisher für die ÖVP im ganzen Burgenland. In Eisenstadt dominiert die ÖVP im Gemeinderat aber mit 55 Prozent klar.

SPÖ kandidiert in allen Gemeinden

"Der Thomas Steiner ist okay, der macht seine Sache gut", urteilt die als Selbständige aktive Frau, die keine parteipolitischen Präferenzen hat. "Ich sage immer, wo ist denn die Alternative", verrät sie im Hinblick auf die Bürgermeisterdirektwahl. Drei Gegner hat der bisherige Stadtchef auf dem Stimmzettel. Bis zum frühen Sonntagabend dauert es, bis das Ergebnis in Eisenstadt an diesem Wahlsonntag feststeht.

Die SPÖ profitiert im Burgenland auch davon, dass sie in allen 171 Gemeinden antritt, die ÖVP hat in einigen Orten keine Kandidaten. Die FPÖ kandidiert in rund 90 Gemeinden, die Grünen in 23.

In Eisenstadt erwacht an diesem bewölkten ersten Oktobersonntag die Fußgängerzone in der Hauptstraße gegen Mittag. In Herbstkleidung eingemummt, werden nach und nach die Sessel der Schanigärten bevölkert. In einer Woche wird das Wahllokal wieder geöffnet sein. Da ist bei der Bundespräsidentenwahl Amtsinhaber Alexander Van der Bellen ähnlich klarer Favorit wie Thomas Steiner, was seine dritte Wiederwahl betrifft.