Das Burgenland hat am Sonntag die Gemeinderäte und Bürgermeister in den 171 Gemeinden gewählt, um 21 Uhr lag das Endergebnis vor. Die SPÖ hat dabei an Stimmen, Mandaten und auch Bürgermeistern dazugewonnen. In 13 Kommunen gibt es am 23. Oktober eine Stichwahl. SPÖ-Landesparteichef Hans Peter Doskozil freute sich am Abend über die Ergebnisse. 277.473 Personen waren wahlberechtigt, die Wahlbeteiligung betrug 75,79 Prozent.

Die SPÖ erzielte 48,8 Prozent (2017: 44,4 Prozent) und an Mandaten ein Plus von 162 auf nun 1.623. Die ÖVP hingegen verlor 1,96 Prozentpunkte auf 39,9 Prozent. An Mandaten bedeutete dies für die Türkisen ein Minus von 64. Die FPÖ reduzierte ihre Zahl an Gemeinderäten auf 67 (2017: 144) und erzielte 3,5 Prozent (2017: 6,3 Prozent). Die Grünen mussten ein leichtes Minus verzeichnen und kamen auf 1,6 Prozent (2017: 1,9 Prozent). Grüne Mandatare gibt es nun 26 statt 27. Die NEOS gewannen drei Mandate - alle in Breitenbrunn; insgesamt gibt es nun vier pinke Gemeinderäte (0,4 Prozent). Genauso viele Mandatare (vier) erreichte die MFG (0,5 Prozent).

Bei den Bürgermeistern zählt die SPÖ aktuell 86 Ortschefs, die ÖVP 68. In 17 Gemeinden gab es einen Bürgermeisterwechsel. Elf neue Ortschefs zählte die SPÖ, sechs die ÖVP. Gleichzeitig verloren die Roten fünf, die Türkisen elf Bürgermeister. In 13 Kommunen ist am 23. Oktober eine Stichwahl notwendig, 2017 war das in 19 Orten der Fall.

In Eisenstadt verteidigte die ÖVP die Absolute im Gemeinderat, sie hält weiterhin 17 Mandate (53,4 Prozent; 2017: 55,3 Prozent). Die SPÖ erzielte 26 Prozent (2017: 22,1 Prozent) und gewann ein Mandat. Die FPÖ verlor zwei Mandate und damit den Klubstatus, nur noch ein Freiheitlicher ist im Gemeinderat der Landeshauptstadt vertreten. Die Grünen hingegen gewannen ein Mandat und verfügen mit insgesamt drei nun über den Klubstatus. Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP) verteidigte sein Amt mit einem kleinen Plus (61,64 Prozent; 2017: 60,32 Prozent) und zeigte sich erfreut, dass die ÖVP "weiter die bestimmende Kraft im Gemeinderat ist".

Keine Veränderungen gibt es in den Bezirksvororten - auch nicht in Mattersburg, wo gegen die amtierende Bürgermeisterin Claudia Schlager (SPÖ) FPÖ-Klubobmann Johann Tschürtz mit seiner eigenen Liste ins Rennen ging. Die SPÖ verteidigte in Mattersburg die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Tschürtz kam auf 15,56 Prozent bei der Bürgermeisterwahl. In Neusiedl am See wurde Elisabeth Böhm (SPÖ) als Bürgermeisterin wiedergewählt. Ihre SPÖ überholte mit 44 Prozent im Gemeinderat die bisher stimmenstärkste ÖVP, die nur mehr auf 38,60 Prozent kam.

SPÖ-Landesparteichef Hans Peter Doskozil zeigte sich mit den Ergebnissen äußerst zufrieden: "Ich hätte das in dieser Dimension gar nicht erwartet." Sowohl die Zahl der Mandatare als auch der roten Bürgermeister sei gestiegen. "Es könnte nicht besser laufen", meinte Doskozil. Die Ergebnisse seien ein Erfolg der burgenländischen Sozialdemokraten und die "Bestätigung unseres Weges", es sei "ein besonderer Tag und ein besonderes Ergebnis". Man habe die Position als "Kommunalpartei Nummer 1 massiv ausgebaut", so der Landeshauptmann nach Vorliegen der Endergebnisse. ÖVP-Landesparteiobmann Christian Sagartz betonte hingegen, dass die Volkspartei trotz schwieriger Ausgangslage mit der SPÖ-Alleinregierung im Land und globalen Krisen weiter "auf Augenhöhe mit der SPÖ" sei. "Dass wir da dagegenhalten können, ist eine Wahnsinnsleistung", sagte er.

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner gratulierte der SPÖ Burgenland zum "großartigen Wahlerfolg". "Die SPÖ leistet im Burgenland jeden Tag hervorragende Arbeit in den Städten und Gemeinden und genießt zu Recht das Vertrauen der Menschen im Land", betonte sie. ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker freute sich mit der burgenländischen Volkspartei. Diese habe bei der Wahl gezeigt, dass sie "der Doskozil-SPÖ die Stirn bieten" könne.

FPÖ-Landesparteichef Alexander Petschnig sprach von einem "nicht optimalen" Ergebnis im Vergleich zu den Gemeinderatswahlen 2017. Damals seien die Freiheitlichen sowohl im Bund als auch im Land in der Regierung gewesen, was Auftrieb gegeben habe. Grünen-Klubobfrau Regina Petrik war mit den Ergebnissen ihrer Partei zufrieden. In einigen Gemeinden seien "fulminante Starts" gelungen, in Eisenstadt habe man ein drittes Mandat und damit den Klubstatus geholt. Schmerzhaft sei lediglich, dass man in anderen Orten den Einzug teilweise knapp verpasst habe. NEOS-Landessprecher Christoph Schneider war mit dem Abschneiden seiner Partei ebenfalls zufrieden. In Pinkafeld (Bezirk Oberwart) habe man das bisher einzige Mandat gehalten, in Breitenbrunn (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), wo Schneider selbst antrat, drei dazugewonnen. Enttäuscht war hingegen MFG-Landessprecher Helmut Eller. Die vier Mandate seien wesentlich weniger als erhofft. Als Ursache dafür sieht Eller die Turbulenzen im Bund rund um den Austritt von Geschäftsführer Gerhard Pöttler.

Ihr stärkstes Ergebnis machte die SPÖ in der kleinsten Gemeinde, Tschanigraben (Bezirk Güssing). Dort trat sie als einzige Partei an und verbuchte dementsprechend 100 Prozent der Stimmen. In vier weiteren Kommunen schafften die Sozialdemokraten über 80 Prozent: in Olbendorf (Bezirk Güssing), Neutal (Bezirk Oberpullendorf), Mühlgraben (Bezirk Jennersdorf) und Schattendorf (Bezirk Mattersburg).

Für die ÖVP war Leithaprodersdorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) mit 84,22 Prozent die beste Gemeinde. Dahinter folgt Großmürbisch (Bezirk Güssing) mit 75,19 Prozent. Die FPÖ war in Deutsch Schützen-Eisenberg (Bezirk Oberwart) mit 17,12 Prozent am stärksten. Die Grünen erzielten ihr bestes Ergebnis mit 14,27 Prozent in Frankenau-Unterpullendorf (Bezirk Oberpullendorf), die NEOS mit 16,6 Prozent in Breitenbrunn und MFG mit 8,9 Prozent in Wimpassing (beide Bezirk Eisenstadt-Umgebung).

Die Ergebnisse im Detail

In Oberwart gewann die SPÖ vier Mandate dazu, die ÖVP verlor ein Mandat. Der amtierende Bürgermeister Georg Rosner (ÖVP) verlor knapp 1 Prozent, die SPÖ gewann rund 15 Prozent dazu. Auch in Oberpullendorf bekam die SPÖ ein Mandat dazu. Bei den Bürgermeister-Resultaten allerdings konnte die ÖVP dazugewinnen, die SPÖ verlor Prozentpunkte. In Eisenstadt gewann die SPÖ ein Mandat, die ÖVP blieb gleich. ÖVP-Bürgermeister Steiner gewann leicht dazu, auch die SPÖ-Kandidatin konnte zulegen. In Deutschkreutz gab es für die SPÖ zusätzliche drei Mandate, für die ÖVP plus 2. Für die SPÖ-Bürgermeister-Ebene gab es ein Plus von rund 11 Prozent, für die ÖVP rund 9 Prozent. In Rust verloren sowohl SPÖ als auch ÖVP je ein Mandat. Auf Bürgermeister-Ebene verlor die SPÖ rund 10 Prozent, die ÖVP rund 3 Prozent. In Neusiedl am See erhielt die SPÖ plus zwei Mandate, die ÖVP verlor ein Mandat. Dort gab es für die SPÖ plus 11 Prozent bei der Bürgermeisterwahl. Die ÖVP verlor vier Prozentpunkte. Und in Mattersburg erhielt die SPÖ zusätzliche zwei Mandate, während die ÖVP eines verlor. Auf Bürgermeister-Ebene gewann die SPÖ 3 Prozent dazu, die Schwarzen verloren 11 Prozent.

SPÖ-Landtagsabgeordneter Roman Kainrath ist mit 72,98 Prozent als Bürgermeister in Lutzmannsburg (Bezirk Oberpullendorf) bestätigt worden. Mit ihm steigerte sich die dortige SPÖ um fast 32 Prozentpunkte auf 68,7 Prozent. Kainrath hatte erst im Sommer das Amt als Nachfolger des zurückgetretenen Christian Rohrer von der Bürgerliste ADL angetreten. Die Bürgerliste hat bei den heutigen Wahlen nicht mehr kandidiert.

ÖVP-Landtagsabgeordneter Gerald Handig konnte trotz eines Minus von 12 Prozentpunkten mit 66,04 Prozent sein Bürgermeisteramt in Edelstal (Bezirk Neusiedl am See) verteidigen. Die ÖVP Edelstal blieb trotz Verlusten mit 63 Prozent stärkste Fraktion im Gemeinderat.

Ebenfalls wiedergewählt wurde SPÖ-Landtagsabgeordneter Gerhard Bachmann in Deutsch Jahrndorf (Bezirk Neusiedl am See). Er holte für die Sozialdemokraten ein Plus von 7,5 Prozentpunkten und hält damit bei 68,9 Prozent.

In Mühlgraben (Bezirk Jennersdorf) ist Fabio Halb als Bürgermeister wiedergewählt worden. Der SPÖ-Politiker wurde 2017 im Alter von 20 Jahren zum Ortschef gekürt und ist damit der jüngste Bürgermeister Österreichs.

Eine Bürgermeister-Stichwahl ist bisher in Loipersdorf-Kitzladen (Bezirk Oberwart) und Ritzing (Bezirk Oberpullendorf) nötig.

Die ÖVP-Landtagsabgeordneten Gerald Handig aus Edelstal und Markus Ulram aus Halbturn (beide Bezirk Neusiedl am See) konnten trotz eines Minus ihr Bürgermeisteramt verteidigen. Ebenfalls als Bürgermeister wiedergewählt wurden die SPÖ-Landtagsabgeordneten Roman Kainrath in Lutzmannsburg (Bezirk Oberpullendorf), Gerhard Bachmann in Deutsch Jahrndorf, Kilian Brandstädter in Gols (beide Bezirk Neusiedl am See), Thomas Schmid in Oggau (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), Wolfgang Sodl in Olbendorf (Bezirk Güssing) sowie der Illmitzer Bürgermeister Maximilian Köllner, der für die SPÖ im Nationalrat sitzt.

In Mühlgraben (Bezirk Jennersdorf) ist Fabio Halb als Bürgermeister wiedergewählt worden. Der SPÖ-Politiker wurde 2017 im Alter von 20 Jahren zum Ortschef gekürt und ist damit der jüngste Bürgermeister Österreichs.

Eine Bürgermeister-Stichwahl ist bisher in Loipersdorf-Kitzladen (Bezirk Oberwart), Ritzing (Bezirk Oberpullendorf), Eltendorf (Bezirk Jennersdorf), Frankenau-Unterpullendorf (Bezirk Oberpullendorf), Großhöflein (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), Kukmirn (Bezirk Güssing) und St. Andrä am Zicksee (Bezirk Neusiedl am See) nötig.

In Pinkafeld (Bezirk Oberwart) konnten die NEOS ihr landesweit bisher einziges Gemeinderatsmandat halten. Bürgermeister Kurt Maczek, der für die SPÖ auch im Landtag sitzt, entging mit 50,09 Prozent nur hauchdünn einer Stichwahl. Die SPÖ hat ihre Absolute im Gemeinderat verloren, hat nun gleich viele Mandate wie die ÖVP, bleibt aber stimmenstärkste Partei in Pinkafeld. (apa)