Im Folgenden Detailergebnisse für Österreich aus der heute, Dienstag, veröffentlichten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2022" (Education at a Glance) in Kurzform (jeweils am Ende des Absatzes in Klammer die Nummer des Indikators bzw. der entsprechenden Tabelle aus der Studie):

"AKADEMIKERQUOTE": 2021 lag der Anteil der Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 35 Prozent (OECD-Schnitt: 41 Prozent). Das entspricht jeweils einem Anstieg von einem Prozentpunkt gegenüber dem Jahr davor. Beim Begriff "Akademikerquote" ist Vorsicht geboten: In Österreich werden mittlerweile nicht nur Hochschulabschlüsse dazu gezählt, sondern auch bestimmte Schulabschlüsse (BHS-Abschlüsse gelten im internationalen Vergleich als tertiäre Kurzausbildungen, Anm.). Über einen Bachelor-, Master/Diplom bzw. Doktorabschluss verfügen in Österreich dagegen nur 20 Prozent (OECD: 34 Prozent) (A1.1.)

AUSGABEN PRO SCHÜLER/STUDENT: In Österreich betrugen diese 2019 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 15.565 US-Dollar (ohne Forschungsausgaben an Hochschulen). Damit lagen sie weit über dem OECD-Schnitt von 11.092 Dollar. Gleiches gilt auch für die jeweiligen Einzelbereiche Volksschule, Sekundarstufe und Hochschulen. Seit 2012 sind die Ausgaben pro Schüler/Student in Österreich demnach moderat gewachsen (um rund 800 Dollar) - im OECD-Schnitt wuchsen sie deutlich stärker (um rund 1.400 Dollar). (C1.3)

BILDUNGSAUSGABEN: Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung lagen 2019 knapp unter dem OECD-Schnitt: In Österreich werden 4,7 Prozent des BIP für Bildungseinrichtungen vom Primar- bis Tertiärbereich verwendet, in der OECD sind es im Schnitt 4,9 Prozent. Das entspricht jeweils den Werten des Jahres davor. Seit 2015 sind in Österreich die Bildungsausgaben übrigens um 4,2 Prozent gestiegen - das ist nur die Hälfte des BIP-Wachstums in dieser Zeit (8,5 Prozent). In der OECD hielten sich die Ausgabensteigerung für die Bildung (10 Prozent) und das BIP-Wachstum (11,5 Prozent) dagegen in etwa die Waage. (C2.1. bzw. C2.2.)

BILDUNGSNIVEAU: In Österreich verfügen 14 Prozent der 25- bis 64-Jährigen höchstens über einen Pflichtschulabschluss (OECD: 20 Prozent). 48 Prozent absolvierten als höchsten Bildungsabschluss die Sekundarstufe 2 (v.a. Lehre, berufsbildende mittlere Schule, AHS-Matura, BHS bis zum 3. Jahr; OECD: 36 Prozent), drei Prozent eine postsekundäre nichttertiäre Ausbildung (z.B. Gesundheits- und Krankenpflegeschulen, bestimmte Uni- oder FH-Lehrgänge; OECD: sechs Prozent). 15 Prozent haben als höchsten Abschluss eine sogenannte kurze tertiäre Ausbildung (v.a. BHS-Matura, ehemalige Pädagogische Akademien; OECD: sieben Prozent), fünf Prozent ein Bachelorstudium (OECD: 19 Prozent), 14 Prozent ein Master- oder Diplomstudium (OECD: ebenfalls 14 Prozent) und ein Prozent ein Doktoratstudium (OECD: ebenfalls ein Prozent) (A1.1)

HOCHSCHULABSCHLUSSQUOTE: In Österreich verfügten 2021 bereits 42 Prozent der 25- bis 34-Jährigen über einen Abschluss im Tertiärbereich (v.a. Hochschulen plus BHS). Das liegt knapp unter dem OECD-Schnitt (48 Prozent). Seit 2011 ist dieser Anteil sowohl in Österreich (35 Prozent) als auch in der OECD (38 Prozent) deutlich angestiegen. (A1.2)

KINDERGARTEN: Auch für den Kindergartenbereich gibt Österreich weniger aus als die anderen OECD-Staaten. Hierzulande betragen die Aufwendungen für die Kleinsten 0,7 Prozent des BIP, im OECD-Schnitt sind es 0,9 Prozent (C2.1)

LEHRERAUSBILDUNG: Die Dauer der Lehrerausbildung in Österreich liegt über dem Schnitt anderer OECD-Länder. Hierzulande wird man in sechs Jahren zum vollausgebildeten Sekundarstufenlehrer (Mittelschule, AHS, BMHS). In jenen Ländern, in denen Lehramtsstudierende wie hierzulande parallel theoretische und praktische Ausbildung erhalten, liegt sie im OECD-Schnitt bei 4,6 Jahren. In jenen Ländern, in denen zunächst das Fachstudium und dann erst die praktische Ausbildung erfolgt, sind es 5,1 Jahre. (D6.1)

LEHRERGEHÄLTER: Pädagogen verdienen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen mehr als im OECD-Schnitt. Lag 2021 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit rund 48.000 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr über dem OECD-Schnitt (36.100), ist der Abstand beim Höchstgehalt mit rund 83.900 US-Dollar noch größer (OECD: 59.900). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (Ö: rund 47.900 Start-, rund 89.600 Endgehalt; OECD: 37.500 bzw. 62.700) und der AHS-Oberstufe (Ö: 47.900 bzw. 95.200 US-Dollar; OECD: 39.000 bzw. 65.000 US-Dollar). Im Vergleich zu anderen Hochschulabsolventen in ihrem Land stehen Lehrer in Österreich dagegen etwas schlechter da: So verdient ein Lehrer in der Volksschule 72 Prozent vom durchschnittlichen Akademiker-Gehalt, in der Sekundarstufe I sind es 81 und in der AHS-Oberstufe 93 Prozent (OECD: 86 bzw. 90 und 96 Prozent). (D3.1, D3.2)

ÖFFENTLICHE BILDUNGSAUSGABEN: Der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Bildung an den öffentlichen Gesamtausgaben lag 2019 bei 8,6 Prozent und damit unter dem OECD-Schnitt (9,8 Prozent, jeweils ohne Forschungsaufwendungen). (C4.1)

PRIVATE BILDUNGSAUSGABEN: Der Anteil der privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen liegt in Österreich bei lediglich sieben Prozent (OECD: 17 Prozent). Dies ist vor allem auf den Hochschulsektor und das weitgehende Fehlen von Studiengebühren zurückzuführen: 2019 betrug der Privatanteil im Tertiärbereich in Österreich elf Prozent, in der OECD dagegen 34 Prozent. (C3.1)

UNTERRICHTSZEIT - LEHRER: Volksschullehrer müssen in Österreich (796 Stunden pro Jahr) etwas mehr unterrichten als im OECD-Schnitt (784 Stunden). Im Sekundarbereich 1 stehen dagegen die österreichischen Lehrer jährlich fast 100 Stunden kürzer in der Klasse (Ö: 623, OECD: 711), in der AHS-Oberstufe/BMHS sind es 90 Stunden (Ö: 592, OECD: 684). Die Zahl der Unterrichtstage liegt in Österreich mit 181 in allen Schulformen knapp unter dem OECD-Schnitt (D4.1)

Die ansonsten jährlich veröffentlichten Statistiken zu Betreuungsrelationen, Klassengrößen und Alter der Lehrer hat die OECD heuer nicht in "Bildung auf einen Blick" aufgenommen. (apa)