Nach der absoluten Mehrheit bei der Landtagswahl im Jänner 2020 mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil konnte die SPÖ Burgenland am Sonntag bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterdirektwahlen in 171 Kommunen ihre Vormachtstellung ebenfalls ausbauen. Mit vorerst 86 Bürgermeistern gegenüber nun 68 der ÖVP legte die SPÖ zu. Einige Ortschefs werden für SPÖ und ÖVP noch dazukommen. Denn in 13 Gemeinden, darunter in Rust und Mörbisch am Neusiedlersee, kommt es nun am 23. Oktober zu einer Stichwahl um das Bürgermeisteramt zwischen den beiden stärksten Kandidaten vom Sonntag.

277.000 Burgenländerinnen und Burgenländer waren am Sonntag wahlberechtigt. Die ÖVP musste landesweit gerechnet Verluste hinnehmen. Aber in der Landeshauptstadt Eisenstadt schaffte der seit 2011 amtierende Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP) mit satter Mehrheit seine dritte Wiederwahl und hat auch weiter eine absolute ÖVP-Mehrheit im Gemeinderat hinter sich. 

Doskozil warnt vor "Abheben"

Landeshauptmann Doskozil freute sich am Montag nach der Sitzung des SPÖ-Landesparteivorstandes über die Zuwächse. "Trotz des Wahlerfolgs ist es wesentlich, dass wir geerdet bleiben, dass wir nicht abheben und glauben, jetzt läuft alles ideal", betonte er in Eisenstadt. Nun gelte es, weiter für die Bevölkerung zu arbeiten, das "Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen" und nicht in Kleinkrieg mit den Oppositionsparteien abzudriften - dies erwartet er sich auch von der ÖVP.

In 13 burgenländischen Gemeinden kommt es in knapp drei Wochen am 23. Oktober zu einem Stechen um das Bürgermeisteramt. Darunter ist auch die bei Wienern als Ausflugsziel beliebte Freistadt Rust am Neusiedlersee, wo SPÖ-Stadtchef Gerold Stagl mit knapp 47 Prozent am Sonntag und einem Verlust von zehn Prozentpunkten in eine Stichwahl gegen ÖVP-Herausforderer Georg Seiler muss. Eine Stichwahl ist weiters im benachbarten wegen seiner Seefestspiele bekannten Mörbisch notwendig, wo sich die SPÖ sehr gute Chancen mit Herausfordererin Bettina Zentgraf gegen ÖVP-Bürgermeister Markus Binder ausrechnet.

Stichwahl von Apetlon bis Weiden am See

In den folgenden weiteren elf Gemeinden gibt es am ebenfalls eine Stichwahl: Apetlon, Deutschkreutz, Eltendorf, Forchtenstein, Frankenau-Unterpullendorf, Großhöflein, Kukmirn, Loipersdorf-Kitzladen, Ritzing, St. Andrä am Zicksee sowie Weiden am Neusiedlersee.

Insgesamt gerechnet ist die SPÖ bei den Gemeinderatswahlen am Sonntag auf 48,8 Prozent der Stimmen gekommen (+4,4 %). Die ÖVP erreichte 39,9 Prozent der Stimmen, das war ein Verlust von knapp zwei Prozentpunkten. Die FPÖ wurde mit insgesamt nur mehr 3,5 Prozent der Stimmen beinahe halbiert. Die Grünen verloren mit nur 1,6 Prozent der Stimmen leicht, die Neos kamen landesweit auf 0,4 Prozent der Stimmen.

Ex-FPÖ-Chef Hofer in Pinkafeld im Gemeinderat

Bemerkenswert ist ein Detailergebnis: Der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) zieht in seinem Heimatort Pinkafeld in den Gemeinderat ein. Via Twitter verkündete der Ex-FPÖ-Chef, dass ihn die Vorzugsstimmen vom letzten Listenplatz auf den ersten gebracht hätten. Er will das Mandat annehmen.