Stabilität, Sicherheit, Planbarkeit: Für Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier sind es diese Werte, die für Österreichs Jugendliche im Vordergrund stehen. "Das ist keine resignierte Jugend", stellte er zwar im Rahmen der Denkwerkstatt St. Lambrecht in der Steiermark am Donnerstagabend zur Frage "Jugend in Not" eingangs fest. Aber gemessen an früher fehle es an offener Debattenkultur. Er verwies auf das Bild eines Pinguins: "Das ist ein risikoaverser Sicherheitstyp."

Basis ist eine aktuelle Jugendstudie aus dem heurigen Jahr. Demnach ist für 39 Prozent der Jugendlichen Heimat "sehr wichtig", für weitere 30 Prozent "wichtig". Es gehe dabei um Wärme, um Aufgehobensein, um Eingebundensein in einer kleinen Gemeinschaft. Daher rühre auch der in der Corona-Zeit verstärkte Drang zur "Stadtflucht".

Vor allem im mittleren Drittel der Gesellschaft gehe es in der heutigen Zeit darum, gesellschaftlich nicht abzusteigen. Vor Jahrzehnten hatte es noch geheißen, der Jugend müsse es einmal besser gehen. "Ein großer Erfolg ist, nicht abzusteigen", sagte Heinzlmaier, man sei vor allem in einer "Verteidigungshaltung", um einen gesellschaftlichen Abstieg zu vermeiden. Eine Gefahr bestehe dann, wenn die Mitte der Gesellschaft die Sicherheit verliere. Für den Jugendforscher liegt darin auch ein Problem der jetzigen Bundesregierung bei den Aktivitäten gegen die hohe Teuerung: "50 kleine Maßnahmen und die Leute nehmen’s nicht wahr", weil diesen "der große Wurf" fehle.

Jugendstudie: Man kommt weiter, wenn man nichts sagt

"Wir haben die 68er-Kultur auf den Kopf gestellt", erklärte Heinzlmaier. Die Klimaproblematik werde von bildungsnahen jungen Menschen als solche betrachtet, nicht aber von Lehrlingen. Massive Skepsis besteht auch gegenüber Politikern: "Es ist ein Staat der Eliten, der Privilegierten", sei die Meinung. Die Ansicht der jungen Generation über Politiker sei, von diesen habe man nichts, von diesen bekomme man statt Lösungen eine Parole. Alarmiert zeigte er sich vor allem noch über ein anderes Ergebnis der Jugendstudie. Demnach sage eine Mehrheit der 14- bis 29-Jährigen, man komme prinzipiell im Leben weiter, wenn man nichts sage.

Bildungssprecher Rudolf Taschner (ÖVP) bedauerte: "So alt habe ich noch nie eine Jugend erlebt." Dabei stehe man vor einer Zeit, "in der die Welt aus den Fugen geraten wird". Was dann die Antwort sei, werde jedenfalls spannend.

Von Seiten der älteren Generation könne er Wissen anbieten. Tatsache sei aber, dass man der Kraft des Intellekts nicht mehr vertraue. "Bitte, bleibt jung", appellierte Taschner: "Das kann’s nicht sein." Das sei sein Aufruf und seine Botschaft an die jüngere Generation.