Ob die letzte Wahl mit Wehmut verbunden sei? "Im Großen und Ganzen ja", gibt Robert Stein, Wahlleiter im Innenministerium, ohne Umschweife zu. Die Bundespräsidentenwahl am Sonntag ist für ihn verbunden mit dem Abschied aus der Wahlleiterfunktion. Seit 2004 ist er das, seit 32 Jahren ist er im Innenressort in der Wahlabteilung tätig. Ende Februar 2023 steht der Antritt des Ruhestandes für den "Herrn der Wahlen" bevor.

Langweilig wird dem Beamten auch in der Pension nicht werden. In seiner Freizeit ist der Fan der Ostsee und von Skandinavien schon bisher immer wieder an den Strand im deutschen Timmendorf gereist. Das wird im kommenden Jahr nun öfter der Fall sein. Stein überlegt sogar, seinen Wohnsitz ständig zu verlegen: "Vielleicht werde ich Auslandsösterreicher", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Schon bisher habe er beruflich als Wahlleiter mit dem Weltbund der Auslandsösterreicher zu tun gehabt. Das ist die Interessensvertretung der im Ausland wohnhaften Österreicherinnen und Österreicher. Auch sie dürfen seit 1990 wählen.

Erinnerungen an die "unangenehmste" Wahl

Besondere Vorkehrungen, damit die Bundespräsidentenwahl ordentlich und korrekt abläuft, wurden schon vor Jahren getroffen. Denn die "unangenehmste" Wahl für den Wahlleiter sei die Bundespräsidentenwahl 2016 gewesen, meint Stein rückblickend. Damals wurde nach einer Aufhebung durch den Verfassungsgerichtshof die Wiederholung des Wahlgangs nach Ungereimtheiten um die Auszählung notwendig, bis nach Problemen mit dem Klebstoff bei den Wahlkarten im Dezember 2016 nach Alexander Van der Bellen als Sieger der Stichwahl gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer feststand - und damit nun als Amtsinhaber antritt. "Sonst waren alle anderen Wahlen gleich schön", erinnert sich Stein. Dazwischen stand der umgängliche Experte in drei Jahrzehnten oft Journalisten für Auskünfte bei kniffligen Wahlrechtsfragen zur Verfügung.

1985 ist der Jurist ins Innenministerium gekommen. Schon bei der Matura war die Nationalratswahlordnung jenes Thema, das ihn auch später verfolgen sollte. Dazu trug auch sein Interesse für Computer bei.

Seine Interessen sind ohnehin breit gestreut. Sie reichen von der Barockmusik bis zur Volkstanzgruppe in früheren Zeiten daheim im Währing, dem 18. Wiener Gemeindebezirk. Im Vordergrund steht seit Jahren bis jetzt die Leidenschaft fürs Fotografieren. Dem wird er auch künftig in Timmendorf frönen, genauso wie der Küstenlandschaft und "ein bisschen computern". In ein paar Monaten bleibt dafür mehr Zeit.