Alexander Van der Bellen hat im ersten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl die absolute Mehrheit geholt. Hochrechnungen des SORA-Instituts zufolge erhielt der Amtsinhaber 56,2 Prozent der Stimmen. Damit wird es zu keiner Stichwahl Anfang November kommen. Das vorläufige Endergebnis wird heute etwa um 20.00 feststehen, allerdings noch ohne die rund 820.000 Wahlkarten. 

Auf Platz zwei folgt Walter Rosenkranz (FPÖ) mit 17,9 Prozent, Bierpartei-Gründer Dominik Wlazny erreicht mit 8,4 Prozent Platz drei, knapp vor Krone-Kolumnist Tassilo Wallentin mit 8,3 Prozent. Blogger Gerald Grosz (früher BZÖ) erhielt 5,5 Prozent der Stimmen, MFG-Kandidat Michael Brunner 2,1 Prozent. Die wenigsten Stimmen holte Heinrich Staudinger mit 1,5 Prozent.

Kurz nach 19:30 Uhr lag der Auzählungsgrad bei über 99 Prozent der Stimmen, die Schwankungsbreite betrug unter einem Prozent. Damit sind kaum noch Veränderungen beim Wahlergebnis zu erwarten. 

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Ein anderes Bild zeichnen erste Hochrechnungen aus Wien: In der Bundeshauptstadt erreichte Van der Bellen mit 64,3 ein deutlich besseres Ergebnis als bundesweit, dahinter liegen Wlazny und Rosenkranz gleichauf mit knapp 11 Prozent. Hätten hingegen nur die Kärnterinnen und Kärnter gewählt, hätte sich der Amtsinhalber einer Stichwahl stellen müssen: In Kärnten erreichte Van der Bellen 46,6 der Stimmen, Rosenkranz folgte mit 22,8 Prozent auf Platz zwei.

Grüne und FPÖ zufrieden

Nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen bedankte Van der Bellen sich bei seinen Wählerinnen und Wählern. "Danke für Ihre Stimme. Ich werde sorgsam damit umgehen", sagte der Amtsinhaber. Er lade "alle konstruktiven Kräfte ein: Packen wir's gemeinsam an." Er sei jedenfalls "wirklich froh, dass es zu diesem Ergebnis gekommen ist", sagte er gegenüber dem ORF. Große Änderungen an seiner Amtsführung werde es in den kommenden Jahren jedenfalls nicht geben: "Mein Hauptziel ist es, verlässlich zu sein. Die Leute haben mich während der letzten sechs Jahre gut kennengelernt. Ich werde jetzt nicht ankündigen, ein völlig anderer Bundespräsident sein." 

SPÖ, ÖVP und Neos gratulieren

Grüne, SPÖ, ÖVP und Neos gratulierten Van der Bellen zu Wiederwahl. SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner sprach von einer "klaren Entscheidung für Verlässlichkeit und Kontinuität". Vizekanzler Werner Kolger (Grüne) sprach von einem "souveränen Erfolg" für Van der Bellen. "Die Arbeitsweise des Bundespräsidenten zeichnet sich durch Vernunft, durch fundierte Sachlichkeit aus", sagte Kolger. Das Ergebnis sei deshalb wichtig für Österreich und schaffe Klarheit und Stabilität. 

Zufrieden zeigte sich auch die FPÖ. Generalsekretär Michael Schnedlitz erwartete sich aufgrund des Abschneidens von Walter Rosenkranz keine Kurskorrektur für die Freiheitlichen. Man habe sehr wohl auf den richtigen Kandidaten gesetzt, sagte er im Wiener Innenstadtlokal Vino, wo die FPÖ den Wahlabend verfolgte. So sah das auch Rosenkranz selbst, der im ORF-Interview mehrfach betonte, der richtige Kandidat gewesen zu sein, immerhin handle es sich um das beste Ergebnis eines freiheitlichen Kandidaten bei einer Wahl gegen einen amtierenden Bundespräsidenten.

Wlazny lässt Antritt bei Nationalratswahl offen

Dominik Wlazny zeigte sich "total zufrieden" mit dem Wahlergebnis, wie er im Interview mit Puls 4 sagte. "Es ist unglaublich, ich freue mich auf viele Bier, ich hatte kein Medienhaus im Hintergrund", sagte der Arzt und Musiker. Ein mögliches Antreten bei der nächsten Nationalratswahl ließ er offen, "aber es ist viel Bewegung drinnen." Als Bezirksrat in Wien-Simmering bleibe er aber "auf jeden Fall erhalten". Die Arbeit mache ihm "Spaß und Freude".

Auch Tassilo Wallentin gab sich selbstbewusst: "Wäre das eine Nationalratswahl gewesen, wäre das ein Erdrutsch", sagte er gegenüber dem ORF. 

Brunner "bedauert" Wahlergebnis

MFG-Gründer Brunner sah die Wiederwahl Van der Bellens erwartungsgemäß negativ: "Soweit ich sehe, hat Van der Bellen die absolute Mehrheit erreicht, was ich für Österreich sehr bedaure." Allerdings zeigte sich die MFG zuversichtlich, bei einer erneuten Verschärfung der Corona-Maßnahmen wieder an Zulauf gewinnen würde.

Zufrieden mit seiner Platzierung war hingegen Gerald Grosz. Er werde weiterhin in der Politik bleiben, die Gründung einer eigenen Partei schloss er allerdings aus: "Parteipolitiker werde ich keiner mehr", sagte der ehemalige BZÖ-Politiker. (vis)