Der Personal- und Bewerbermangel im Pflegebereich hat die Stadt Graz und die Geriatrischen Gesundheitszentren (GGZ) mit ihren vier "städtischen" Wohnheimen nun zu einem Gehaltspaket mit höheren Löhnen veranlasst. Die Auszahlung soll rückwirkend mit Oktober erfolgen. Die seit der Wahl 2021 KPÖ-dominierte Stadt Graz wird damit schneller als die von ÖVP und Grünen bundesweit schon im Mai zugesagten Gehaltserhaltungen umgesetzt. Deren Auszahlung ist nun für Dezember zugesagt.

Unmittelbarer Anlass für den Grazer Vorstoß ist die akute Personalnot. Rund 70 von insgesamt 406 Betten konnten im Sommer nicht belegt werden, weil das Personal für die Betreuung fehlte, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz. Derzeit könnten auch praktisch keine neuen Bewohner aufgenommen werden, erläuterte Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ).

Monatlich 175 Euro brutto mehr

Der Vergleich der Gehaltszahlungen mit privat geführten Einrichtungen habe ein Delta ans Licht gebracht: "Da ist Luft nach oben", meinte der Stadtrat. Die Stadt Graz und die GGZ wollen diese Kluft möglichst schließen. So sollen beispielsweise diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -Pfleger in den vier Heimen künftig monatlich brutto 175 Euro mehr erhalten. Von den knapp 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der GGZ würden rund 200 eine Gehaltssteigerung erhalten - 50 bis 55 Mitarbeiter pro Standort. Das Gehalt des Personals, das in der Albert Schweitzer Klinik arbeitet, werde auf das Niveau der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) angepasst.

Die höheren Gehälter sollen rückwirkend mit Oktober ausbezahlt werden, kündigte Krotzer an. Pro Jahr wird das Mehrkosten von rund 800.000 Euro im städtischen Budget ausmachen. Kommende Woche soll der Beschluss für das Gehaltspaket im Grazer Gemeinderat zusammen mit Grünen und SPÖ gefasst werden.

Pensionierungen verschärfen die Situation

Neben dem höheren Gehalt sollen die Pflegekräfte mit Administrationsassistenzen entlastet werden und es werden zusätzliche Treueprämien für langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeführt. Langfristig gesehen müssen die GGZ aber noch mehr auf die Jugend setzen. Das kommende Jahr werde wohl das Jahr mit den meisten Pensionierungen werden.

Die sich verändernde Alterspyramide schlage immer mehr auf das Personal durch: "Wir haben immer mehr Ältere, aber die Jugend fehlt", sagte Jörg Hohensinner, Pflegedienstleiter der Albert Schweitzer Klinik. "Wir wollen Jugendliche noch mehr an uns binden." Früher habe man etwa 350 junge Menschen - Praktikanten, Schüler und Studierende - in Ausbildung gehabt, nun seien es 750 bis 800, so Hohensinner. (apa/red.)