Stärkere Ergebnisse in den Ländern, ein Schwächeln im urbanen Raum: So lässt sich das Ergebnis der FPÖ bei der Bundespräsidentenwahl zusammenfassen. 17,9 Prozent erzielte der FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz laut Hochrechnung von Sora/ORF bundesweit. In Wien lag er laut dem vorläufigen Endergebnis inklusive Briefwahl mit 10,4 Prozent hinter Dominik Wlazny auf Platz drei. In Graz erzielte er 10,3 Prozent. Auch in fast allen anderen größeren Städten blieb er hinter seinem Ergebnis im Bundesschnitt zurück.

Deutlich besser schlug sich Rosenkranz am Land. In Kärnten kam der FPÖ-Kandidat auf 23,9 Prozent. In der Steiermark und in Oberösterreich lag er ebenfalls klar über dem Bundesschnitt. Die blauen Hochburgen finden sich in den ländlichen Regionen. So etwa in der Tiroler Gemeinde Spiss, in welcher Rosenkranz mit 53,3 Prozent die Mehrheit holte.

Das Abschneiden in Wien wurde am Montag unterschiedlich beurteilt. Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp sah keinen Gesprächsbedarf, wie er gegenüber der APA erklärte. Man habe sich im Vergleich zur Wiener Landtagswahl 2020 "fast verdoppelt", sagte er. Damals waren die Freiheitlichen auf knapp über sieben Prozent abgestürzt. "Es zeigt wieder einen wichtigen Schritt vorwärts", so Nepp.

"Suboptimales Ergebnis"

Ein "deutlich suboptimales Ergebnis" für die Blauen in Wien sah hingegen der Politikberater Thomas Hofer. Die Wiener FPÖ sei historisch neben der oberösterreichischen FPÖ immer die stärkste Landespartei gewesen. Dass es den Freiheitlichen nun trotz der allgemein für sie günstigen Themenlage nicht gelungen sei, in Wien zu reüssieren, zeige die noch anhaltende Schwäche der Landespartei. "Das könnte schon auch parteiinterne Diskussionen befeuern, wie hier der Weg nach vorne ist", sagte Hofer.

Für FPÖ-Urgestein Andreas Mölzer darf das blaue Wahlergebnis in Wien nicht überinterpretiert werden. Die Bundespräsidentenwahl sei ein Sonderfall, der für Nationalratswahlen nicht unbedingt aussagekräftig sei, gab er an. Derzeitige Umfragen würden für die FPÖ in Wien schon eine "bessere Sprache" als das Ergebnis bei der Bundespräsidentenwahl sprechen. Die Landespartei sei dabei, sich zu erholen, so Mölzer.

Dass die FPÖ einem Stadt-Land-Gefälle gegenüberstehe, sei aber eine "strukturelle Tatsache": "Der urbane Bereich ist eher Mitte-links, das Land eher Mitte-rechts." Hinzu komme, dass etwa in Wien die Wählerschaft stark von Menschen mit Migrationshintergrund geprägt sei: "Die stehen damit nicht für die FPÖ zur Verfügung", sagt Mölzer.

Lokale Affären

Neben der derzeitigen Ausgangslage machen der Wiener und der Grazer Landespartei vor allem Affären zu schaffen. In Wien verlor die Landespartei nach dem Abgang von Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus ihren Chef und dessen designierten Nachfolger. Die Spesenaffäre und jüngst aufgetauchte Debatte um eine mutmaßlich parteiinterne Intrige rund um den Ex-FPÖ-Abgeordneten Hans-Jörg Jenewein gegen die Landespartei brachten diese noch weiter unter Druck. Die Grazer FPÖ steckt wiederum mitten in der Aufarbeitung einer Spesenaffäre rund um Ex-Parteichef Mario Eustacchio.


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Von früheren urbanen Glanzzeiten wie unter Strache ist die FPÖ derzeit weit entfernt. Bei der Wien-Wahl 2015 kam sie auf 30,8 Prozent. "Bei der Bundespräsidentenwahl hat sich gezeigt, dass es ein rechtes Potenzial von 35 Prozent gibt", sagt Mölzer. Ob dieses auch im urbanen Raum ansatzweise abgeschöpft werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab.

Für Mölzer ist vor allem entscheidend, inwieweit es den Blauen gelingt, FPÖ-Wähler, die unter Sebastian Kurz zur ÖVP wechselten, wieder für sich zu gewinnen. Laut der Sora-Wählerstromanalyse zur Bundespräsidentenwahl waren die Blauen nicht übermäßig erfolgreich dabei. Von jenen Wählern, die 2019 bei der Nationalratswahl für die ÖVP stimmten, wanderten 168.000 zu Rosenkranz, 222.000 zu Tassilo Wallentin und 927.000 zu Alexander Van der Bellen. Die FPÖ wiederum verlor zwar nur 37.000 Wähler an Wallentin, jedoch 102.000 Wähler an Gerald Grosz.

Kann sie diese abgewanderten Stimmen zurückholen und mehr Ex-ÖVP-Wähler an sich ziehen? Das hängt auch davon ab, ob etwa Wallentin und Grosz bei der nächsten Nationalratswahl mit eigenen Listen antreten. Dass es zu neuen Parteigründungen kommt, bezweifelt Mölzer. "Für die Gründung einer Partei gehört viel mehr Geld dazu, als das, was Stronach für das ,Krone"-Inserat von Wallentin bezahlt hat." Dass nun das Interesse so groß sei, "dass da Millionen fließen, um Wallentin eine Parteigründung zu ermöglichen, glaube ich nicht".

"Potenzial wäre da"

Eine neue Partei müsste hohe finanzielle und organisatorische Hürden überspringen, sagte Hofer. Zudem bestehe bei einer neuen Bewegung die Gefahr, dass diese sich schnell in internen Streitigkeiten verliere - so wie etwa die MFG. Potenzial für Neugründungen wäre aber an sich vorhanden, wie diese Wahl gezeigt habe, so Hofer. "Eine solche Fragmentierung wäre auch kein neues Phänomen." Er verweist auf die Nationalratswahl 2013, als neben den neuen Parteien Neos und Team Stronach auch das BZÖ antrat. Bisher haben sich weder Grosz noch Wallentin näher zu ihrer politischen Zukunft geäußert. Grosz wollte ein weiteres politisches Engagement am Montag zumindest nicht ausschließen.