In Innsbruck gehen die Koalitionsverhandlungen zwischern ÖVP und SPÖ diese Woche in die Zielgerade. "Es soll im Laufe der Woche finanalisiert werden", hieß es am Montag aus der Tiroler ÖVP-Landesparteizentrale. Die Einladungen für die Parteigremien, die die schwarz-rote Zusammenarbeit absegnen müssen, sind, wie die "Wiener Zeitung" erfahren hat, schon für Freitag avisiert. Am 25. Oktober ist die Vorstellung im Tiroler Landtag vorgesehen.

ÖVP-Spitzenkandidat Wirtschaftslandesrat Anton Mattle und SPÖ-Landeschef Georg Dornauer haben schon in der Vorwoche kein Hehl mehr daraus gemacht, dass sie nach acht Jahren schwarz-grüner Koalition seit 2013 unter Landeshauptmann Günther Platter, der im Juni seinen Rücktritt angekündigt hat, nunmehr eine ÖVP-SPÖ-Koalition anstreben. Bei der Tiroler Landtagswahl am 25. September hat Mattle mit der ÖVP mit 34,7 Prozent der Stimmen knapp zehn Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2018 verloren. Die SPÖ fiel mit 17,5 Prozent der Stimmen (plus 0,2 Prozentpunkte) hinter die FPÖ mit 18,9 Prozent auf Platz drei zurück. Mattle hatte aber bereits im Wahlkampf und dann auch nach der Wahl eine Koalition mit der FPÖ ausgeschlossen.

Der ÖVP droht Verlust eines Landesrates

In der Vorwoche haben die insgesamt zehn Verhandlungsgruppen zwei Gesprächsrunde absolviert. Jetzt folgt zu Beginn dieser Woche eine dritte Verhandlungsrunde. Bei dieser geht es um noch offene Punkte und auch um die Ausformulierung des neuen schwarz-roten Koalitionspakts. Ebenfalls in dieser Woche werden die Personalfragen geklärt, wobei sich abzeichnet, dass die ÖVP künftig nur mehr fünf statt zuletzt sechs Mitglieder in der Landesregierung stellen dürfte und die SPÖ drei Regierungsmitglieder. Die ÖVP würde damit einen Sitz an die SPÖ verlieren gegenüber der schwarz-grünen Landesregierung.

Kopfzerbrechen bereitete in der Finalphase noch das Themen Wohnen, bei dem die SPÖ weitreichendere Pläne hat. Die hohen Wohnkosten bereiten den Menschen vor allem in der Landeshauptstadt Innsbruck, aber auch im dichtbesiedelten Umkreis von Innsbruck Sorge. Das gilt auch für Studenten in der Tiroler Universitätsstadt, auch wegen vieler Studenten, die wegen des deutschen Numerus clausus zum Studium ins benachbarte Tirol flüchten.

FPÖ will nun 2027 Landeshauptmann stellen

Tirols FPÖ-Obmann Markus Abwerzger, der einstimmig zum Klubobmann gewählt wurde, hält ungeachtet der Tatsache, dass seine Partei in der kommenden Legislaturperiode auf der Oppositionsbank landen wird, an seinem schon für 25. September ausgegebenem Ziel, Landeshauptmann zu werden, fest. "Ich habe den Wunsch, Landeshauptmann zu werden, nicht aufgegeben", sagte Abwerzger am Montag bei einer Pressekonferenz. Das von ihm vor der Landtagswahl ausgerufene "Duell um Tirol" gegen die ÖVP gehe weiter, bei der Wahl im Jahr 2027 wolle man den Abstand weiter verringern.

Eine erste politische Duftmarke wird die FPÖ bereits bei der konstituierenden Landtagssitzung kommende Woche setzen. Da werde man Evelyn Achhorner, die wieder zur Vizeklubobfrau gewählt wurde, als Kandidatin für die Landtagsvizepräsidentin ins Rennen schicken. In anderen Bundesländern sowie im Nationalrat sei es ganz normal, dass das Präsidium nach der Stärke der Parteien besetzt werde. Dies gehöre endlich auch in Tirol etabliert, so Abwerzger und Achhorner unisono. Der FPÖ-Chef appellierte an die wahrscheinliche Koalitionspartei SPÖ, für eine freiheitliche Kandidatin zu votieren. Schließlich habe diese als ehemals zweitstärkste Fraktion, und damals in Opposition, mit Elisabeth Blanik ebenfalls eine Kandidatin nominiert gehabt.