Mehrere Stunden lang stand der Bahnverkehr Anfang Oktober in Norddeutschland still. Auch internationale Verbindungen waren betroffen: Wegen möglicher verfassungsfeindlicher Sabotage habe die Behörde in Karlsruhe ein Verfahren gegen unbekannte Täter eingeleitet, hieß es danach. Laut Staatsschutz in Bochum war diese "politisch motiviert"; die Bundesanwaltschaft ermittelt.

Das Brisante dabei: Die Zugausfälle seien auf eine - offenbar herbeigeführte - Störung des digitalen Zugfunks GSM-R (Global System for Mobile Communications - Rail) zurückzuführen, sagte eine Sprecherin der Bahn. Dasselbe System, das auch die ÖBB in Österreich nutzen. "Österreich setzt primär auf digitalen Zugfunk. GSM-R ist das einheitliche und europaweit im Einsatz befindliche Zugfunksystem. Es gewährleistet höchste Verfügbarkeit und die für den Bahnbetrieb notwendigen Funktionen", heißt es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" von den ÖBB. Der Zugfunk dient der Kommunikation zwischen den Leitstellen, die den Zugverkehr steuern, und den Zügen.

"Sabotagen nie zur Gänze auszuschließen"

"Sabotagen sind Straftaten, die man nie zur Gänze ausschließen können wird", so die ÖBB weiter. Dafür, dass nach Deutschland nun auch Österreichs Zugfunk sabotiert wird, gebe es derzeit zwar keine Hinweise, man habe aber "konkrete Maßnahmen" für die Erhöhung der Sicherheit ergriffen. Welche das genau sind, könne man "aus Gründen der Informations- und Anlagensicherheit" nicht präzisieren. Die ÖBB seien jedenfalls auch "eng mit den staatlichen Sicherheitsbehörden abgestimmt".

Für alle bahnkritischen Services gebe es generell Sicherheitskonzepte. Beim Zugfunksystem GSM-R zum Beispiel seien sicherheitsrelevante Leitungen in doppelter Ausführung vorhanden.

Die Deutsche Bahn hat nach der Sabotage Netze und Kontrollen verstärkt, und das deutsche Innenministerium hat eine Koordinierungsstelle der kritischen Infrastrukturen ins Leben gerufen - Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee waren zuvor ebenfalls sabotiert worden. Auch die EU-Kommission will nun wichtige Infrastruktur wie Gasleitungen oder Verkehrswege besser schützen. Besonders wichtig sei der Schutz grenzüberschreitender Infrastruktur, die mehrere EU-Staaten betrifft, hieß es.