Für Fahrgäste der Bahn sind am morgigen Montag zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr in der Ostregionen Ausfälle von Zügen zumindest nicht ausgeschlossen. In dieser Zeit kommt es in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland zu Betriebsversammlungen, mit denen die Dienstleistungsgewerkschaft Vida ihren Forderungen für die Gehaltsverhandlungen Nachdruck verleihen will. Am Donnerstag werden dann die Verhandlungen fortgesetzt.

Von Dienstag bis Donnerstag sind dann die Bediensteten der Sozialwirtschaft – von Pflegekräften bis zu weiteren Beschäftigten in Sozialorganisationen wie der Volkshilfe – mit Betriebsversammlungen und Aktionen an der Reihe samt Demonstration am Dienstagnachmittag zum Bundeskanzleramt am Ballhausplatz. Während es in der Metallindustrie zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern in der Nacht auf Freitag einigermaßen überraschend zu einem Lohnabschluss mit im Schnitt 7,44 Prozent mehr Lohn für rund 130.000 Beschäftigte gekommen ist, stehen in anderen Branchen die Zeichen noch auf Sturm.

Allerdings ist für diese der Metaller-Abschluss eher eine Bremse für die Arbeitnehmervertreter. Auch wenn die Gewerkschafter betonen, dass jede Branche ihren Kollektivvertrag eigenständig verhandelt und dabei die jeweilige Situation in diesem Sektor berücksichtigt wird, ist die Einigung in der Metallindustrie eine gewisse Richtschnur. Vida-Chefverhandler Gerhard Tauchner strich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" am Sonntag daher einen wesentlichen Unterschied hervor. Bei den Eisenbahnern würden die Einstiegsgehälter bei 1700 Euro brutto im Monat liegen, in der Metallindustrie jenseits von 2000 Euro brutto im Monat. Damit vor allem die Bezieher niedriger Einkommen von einem Abschluss profitieren, fordert die Gewerkschaft heuer eine Anhebung um mindestens 500 Euro brutto beziehungsweise um die durchschnittliche Inflationsrate sowie eine Erhöhung um 250 Euro für Lehrlinge.  "Mit 1400, 1500 Euro netto kann man sich ein Leben sonst nicht mehr leisten", betont Tauchner. Aber auch er räumt ein, dass die Höhe des Metaller-Abschlusses "nicht unbedingt das Hilfsreichste" für die Fortsetzung der Gehaltsverhandlungen für rund 50.000 Bahnbedienstete sei.

Große Differenzen in Verhandlungen

Das Angebot der Arbeitgeberseite bei den Verhandlungen im Oktober lag bisher bei sieben Prozent. Das ist nur knapp unter der Einigung in der Metallindustrie. Von der von Roman Hebenstreit geführten Gewerkschaft Vida wird allerdings vor allem auch ins Treffen geführt, dass die ÖBB als mit Abstand größter Arbeitgeber dringend neues Zugspersonal sucht. Deutlich höhere Gehälter sollen ein zusätzlicher Anreiz für Jobs im Bahnbereich sein.

Besonders groß sind die Differenzen bei den Lohnverhandlungen in der Sozialwirtschaft, in der es rund 680 Dienstgeber und rund 130.000 Beschäftigte, großteils sind es Frauen, gibt. Die Gewerkschaft der Privatangestellten fordert eine Anhebung der Bezüge um satte 15 Prozent. Die Arbeitgeberseite hat bisher eine Erhöhung um 7,5 Prozent angeboten. Damit liegt das Angebot schon jetzt über dem durchschnittlichen Abschluss bei den Metallern. Die Verhandlungen werden am 16. November fortgesetzt.

Betriebsversammlungen bis Donnerstag

Davor kommt es jetzt allerdings zu Kampfmaßnahmen. Von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche sind österreichweit je nach Bundesland Betriebsversammlungen zur Information der Mitarbeiter angesetzt. Vor allem werden Gewerkschaft und Bedienstete am 8. November ab 14.00 Uhr in Wien auch auf die Straße gehen. Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen wird aber in jedem Fall sichergestellt sein. Eine Demonstration vom Westbahnhof zum Ballhausplatz ist angekündigt.

In Wien kommt es außerdem zu einem De-Facto-Streik der rund 2200 Freizeitpädagoginnen in den Schulen. Die Pflichtschullehrervertretung in Wien hat sich bereits solidarisch erklärt und wird nicht als Ersatz für die Nachmittagsbetreuung der Schülerinnen und Schüler einspringen.

Außerdem werden am 10. November die Gehaltsverhandlungen im Handel für immerhin rund 500.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortgesetzt. Für diese fordert die Gewerkschaft der Privatangestellten ein Gehaltsplus von zehn Prozent, die Arbeitergeber haben zuletzt eine Erhöhung um 3,5 Prozent und zusätzlich eine Einmalzahlung angeboten. Allein wenn Gewerkschafter das Wort Einmalzahlung, die nicht nachhaltig wirkt, hören, werden sie in diesen Tagen der Kollektivvertragsverhandlungen schon verärgert.