Hunderte Studenten scharten sich im Resselpark vor der Technischen Universität Wien. "Es tut weh", war auf einem selbstgebastelten Taferl eines Hörers zu lesen. Mit einem Aktionstag samt Demonstration mobilisierten am Montag Professoren und Studierende  dagegen, dass Wissenschaftsminister Martin Polaschek den Unis zur Abfederung der Teuerung nur 500 Millionen Euro statt der geforderten 1,2 Milliarden Euro mehr für alle Universitäten im Budget 2023 geben wird.

Dekanin Gerti Kappel warnte vor den Folgen des "Abdrehens" von Laboren an der TU für Österreichs Wirtschaft. Wenn man die Universitäten zu Tode spare, werde morgen die Wirtschaft sterben. "Sie können die Unis nicht totsparen. Wenn die Universitäten sterben, stirbt Österreich", meinte sie in Anspielung auf das Bienensterben.

Als Vize-Rektor der Uni Graz protestierte Polaschek (links) noch gegen "Rektoren mit leeren Taschen" und für ein ausreichendes Uni-Budget. 
- © Montanuniversität Leoben

Als Vize-Rektor der Uni Graz protestierte Polaschek (links) noch gegen "Rektoren mit leeren Taschen" und für ein ausreichendes Uni-Budget.

- © Montanuniversität Leoben

Weitere Gespräche mit Ministerium diese Woche

Ein paar Studenten intonierten nach dem 50 Jahre alten Lied "Ja, mir san mitm Radl da" ein Schmäh-Lied auf Bildungsminister Polaschek: "Du nimmst uns die Uni weg." Der Wissenschaftsminister hatte Ende Oktober betont, er werde den Budgetvoranschlag für die Hochschulen mit der Erhöhung um 500 Millionen Euro nicht mehr weiter aufschnüren, Zeit dazu wäre im Nationalrat bis zum Budgetbeschluss am 17. November. Polaschek ist nur bereit, über Entlastung mit einzelnen Universitäten zu reden.

Die Rektorin der TU Wien, Sabine Seidler, die beim Protest dabei war und auch Chefin aller Rektoren in der Universitätenkonferenz ist, hatte ihrem Ärger schon nach der Budgetrede am 12. Oktober geäußert und vor notwendigen Sparmaßnahmen und negativen Folgen für Wissenschaft und den Wirtschaftsstandort Österreich gewarnt. Ende dieser Woche sind weitere Gespräche mit dem Ministerium geplant.

TU würden 175 Millionen Euro fehlen

175 Millionen Euro würden allein der TU Wien bis 2024 fehlen, rechnete der Senatsvorsitzende Norbert Pfeifer bei der Kundgebung vor dem TU-Hauptgebäude vor. Eine Folge sei ein notwendiger Ausschreibungsstopp beim Personal, kündigte er an. Universitätsassitenten und Professoren würden "dann zusammenbrechen": "Alle Studenten sind betroffen."

"Help", signalisierte eine Studentin auf einem Taferl vor dem Abmarsch des Demonstrationszugs Richtung Ballhausplatz und Minoritenplatz, dem Amtssitz des Wissenschaftsministeriums. "RIP-Forschung" mahnte daneben ein Hut aus Pappendeckel. Um 12 Uhr ging der Demozug dann los.