Es ist ein umfassendes Paket an Neuregelungen: Neben höheren Einstiegsgehältern für Polizeischüler, beim Bundesheer und für Richteramtsanwärter beinhaltet die jüngste Novelle zum Dienstrecht auch die eine Beseitigung von Hemmnissen im Schulbereich. Demnach können künftig auch Personen ohne Lehramtsabschluss eine Schulleitung übernehmen. In Pflichtschulen können außerdem Lehrkräfte schulübergreifend eingesetzt werden, etwa Volksschullehrer in Sonderschulen. Mit diesen Maßnahmen ist die Bundesregierung künftig ebenfalls bemüht, dem bestehenden Mangel an Lehrkräften entgegenzutreten.

Die verkürzte Begutachtungsphase für den Gesetzesentwurf zum neuen Dienstrecht, den Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) als Beamtenminister ausgeschickt hat, endet mit dem heutigen Dienstag. Wie berichtet, wird mit höheren Einstiegsgehälter probiert, den Berufsbeginn in Teilen des öffentlichen Dienstes attraktiver zu gestalten. Das betrifft insbesondere den Exekutivdienst, bei dem jährlich rund 1.000 neue Polizistinnen und Polizisten gebraucht werden, um die Abgänge durch die Pensionierungen zumindest auszugleichen. Ziel von ÖVP und Grünen ist es nämlich, bis zum Ende der Legislaturperiode 2024 in Summe 4.800 Planstellen im Polizeidienst mehr zu schaffen. Derzeit sind rund 32.000 Beamte im Polizeidienst tätig, ein knappes Fünftel davon sind Frauen.

Kaum Bewerberinnen und Bewerber für Direktorenposten

Bei den Lehrern zielen die geplanten Maßnahmen stärker in die Richtung, die Voraussetzungen für bestimmte Posten und Jobs in den Schulen zu entschärfen und damit die Übernahme dieser Stellen zu erleichtern. Das betrifft vor allem auch die Schulleiterposten. Die Bildungsverantwortlichen sind immer öfter damit konfrontiert, dass sich kaum Bewerberinnen und Bewerber für die Übernahmen von Direktorenposten finden. Hauptgrund dafür sind die immer größer werdenden bürokratischen Aufgaben, die eine Schuldirektorin oder ein -direktor erledigen muss. Die Funktion wird zunehmend zu einer Managementtätigkeit, teilweise fehlen zur Unterstützung sogar Administrativkräfte in den Schuldirektionen. Gleichzeitig kommen Direktoren nicht mehr zum Unterrichten, außer sie müssen in Notlagen kurzfristig einspringen, weil sonst kein Lehrpersonal mehr am jeweiligen Tag einsetzbar ist.

Die Dienstrechtsnovelle eröffnet nun den Weg, dass jemand auch ohne explizite Lehrbefähigung die Funktion der Schulleitung übernehmen kann. Voraussetzung dafür ist, dass die Bewerberin oder der Bewerber für einen Direktorsposten mindestens zehn Jahre "erfolgreich", wie es in den Erläuterungen zum Gesetz heißt, im Schuldienst tätig war.

Begründet wird diese Änderung damit, dass es im österreichischen Schuldienst viele engagierte Lehrpersonen gebe, die zwar ein Studium abgeschlossen haben, aber keine Lehrbefähigung, die aber dennoch schon in Schulen tätig sind. Diese Lehrpersonen hätten oftmals umfassende pädagogische Fort- und Weiterbildungen abgeschlossen und verfügten durch ihre Praxistätigkeit im Unterricht die "erforderliche persönliche, fachliche und pädagogische Eignung sowie die erforderlichen Führungs- und Managementkompetenzen, um auch eine Schule zu leiten", wird in den Erläuterungen angeführt. Für Direktorenposten könnten sich diese Personen aber nur bewerben, wenn sie zusätzlich auch ein einschlägiges Lehramt für die jeweilige Schulart aufweisen. Es erscheine zeitgemäß, vom Erfordernis einer Lehrbefähigung abzugehen, weil sich Bewerber ohnehin einem umfangreichen Auswahlverfahren stellen müssten.

Deutschförderklassen erhöhen Bedarf

Eine zweite Maßnahmen soll den Austausch zwischen Schulen leichter machen. Auch dies dient den Bestrebungen, dem Personalmangel in den Schulen Herr zu werden. Es gebe zunehmenden Bedarf an einem schulübergreifenden Einsatz von Lehrkräften, wird als Begründung angeführt. Diese Situationen gebe es in der Praxis für den Gegenstand Deutsch – und zwar für den Unterricht in Deutschförderklassen in Volksschulen. Besonders krass ist außerdem der Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften in Sonderschulen. Daher sei es zweckmäßig, dass auch Lehrerinnen und Lehrer, die für Volks- und Mittelschulen ausgebildet seien, eine reguläre Anstellung in Sonderschulen erhalten können. Auch Mittelschullehrkräfte sollten regulär in Deutschförderklassen eingesetzt werden können.

Die Neuerungen in der Novelle zum Dienstrecht sind begleitet zur Kampagne des Bildungsministeriums vorgesehen, das verstärkt nach Lehrernachwuchs sucht. Bildungsminister Martin Polaschek hat im Oktober die Kampagne "Klasse.Job" gestartet, mit der auch das Image des Lehrerberufs verbessert und modernisiert werden soll.