Gemeinsam mit Staatssekretär Florian Tursky, der für die Digitalisierung des Dokuments verantwortlich ist, präsentierten Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) und Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) die im Ministerrat beschlossene Reform des Mutter-Kind-Passes. Er wird um weitere gesundheitliche Leistungen und eine Elternberatung ergänzt, außerdem heißt er künftig Eltern-Kind-Pass und wird digitalisiert als App zur Verfügung stehen.

Eine Lösung für die seit 1994 nicht mehr angepassten Ärztehonorare sollen die  Sozialversicherungsträger mit der Ärztekammer ausverhandeln. Mehr Geld dafür stehe laut Rauch zur Verfügung, er sprach von einem zusätzlichen zweistelligen Millionen Betrag - allerdings für die gesamte Reform inklusive Digitalisierung. Bisher lag das Jahresbudget für die Leistungen des Mutter-Kind-Passes bei rund 62 Millionen Euro. Zwei Drittel davon kommen aus Mitteln des Familienlastenausgleichsfonds, ein Drittel kommt von der Sozialversicherung. 

Elternberatung Teil des Eltern-Kind-Passes

Familienministerin Raab, die erwähnte, dass sie die "schönsten Jahre" mit einem Kind nach Schwangerschaft und Geburt gerade selbst erlebe, konkretisierte, dass zu den Leistungen des Eltern-Kind-Passes auch eine Elternberatung gehöre. Diese sollte an den mehr als 400 Familienberatungsstellen österreichweit durchgeführt werden, "ein Service sein und einen Kompass bieten", wie man beispielsweise Familie und Beruf unter einen Hut bekommt oder sich Verantwortung und Pflichten partnerschaftlich aufteilt sowie Informationen zu Elternzeit, Karenz, Kinderbetreuungsgeld, Papamonat oder Elternteilzeit. 

"Ich will, dass die Familien Wahlfreiheit haben, ich will aber genauso, dass man informierte Entscheidungen trifft", betonte Raab. Deshalb sollte in der Beratung auch über die Verstärkung der Väterbeteiligung gesprochen werden; Frauen außerdem erfahren, was es für sie bei Pension und Lebenseinkommen bedeutet, wenn sie "viele Jahre in Karenz bleiben".

Die Beratung werde bis zum kommenden Jahr ausgeschrieben, gebraucht würden psychologische, soziale und juristische Kompetenzen. Nach einer ersten Pilotphase gehöre die Beratung zu den Leistungen des Eltern-Kind-Passes - "ganz regulär wie etwa Ultraschalluntersuchungen".

Noch ungeklärt, ob Ausstieg möglich ist

Gesundheitsminister Rauch beschwor den Mutter-Kind-Pass als "etwas Großartiges, wodurch die Kindersterblichkeit massiv zurückgegangen ist". Der neue Name Eltern-Kind-Pass entspreche der Erweiterung des Familienbildes, "weil nicht ausschließlich Mütter die Verantwortung haben, sondern beide Elternteile".

Mit der Digitalisierung, für die bis 2026 10 Millionen Euro aus den Recovery-and-Resilience-Facility-Mitteln der Europäischen Kommission zur Verfügung stehen, verbessere sich die Absicherung bei einem Verlust des Passes, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" wird versichert, dass es weiterhin eine Papierversion "als niederschwelliges Angebot" gebe. Ob man aus der digitalen wie aus der Elektronischen Gesundheitsakte, kurz Elga, aussteigen könne, oder ob die E-Variante wie beim E-Impfpass Pflicht sei, werde erst im kommenden Jahr "im Rahmen des Schaffungsprozesses entschieden".

Ausweitung der gesundheitlichen Leistungen

An zusätzlichen Leistungen kündigte Rauch unter anderem eine psychosoziale Beratung zu Beginn der Schwangerschaft an, eine zweite freiwillige Hebammenberatung vor der Geburt, ein zweites Hörscreening für Neugeborene, einen kostenlosen Ultraschall gegen Ende der Schwangerschaft sowie ergänzende Laboruntersuchungen sofern von Ärztinnen und Ärzten empfohlen. Auch eine Ernährungsberatung für Schwangere, Stillende, Kinder, eigentlich die ganze Familie sei vorgesehen. Der Pilotversuch unter dem Titel "Gevan" wird damit österreichweit ausgerollt. Dabei gehe es darum, Fehlernährung zu vermeiden, und damit auch "erhebliches Leid bei Familien und Kindern sowie erhebliche Kosten im System". 

Rauch habe Verständnis dafür, dass die Honorare der Ärzte angepasst werden sollen, nicht aber für die "Alarmglocken, die zu Unrecht geläutet wurden". Die Ärztekammer hatte mit einer Kündigung der Verträge mit Jahresende gedroht, die "Wiener Zeitung" berichtete. Die Verhandlungen darüber seien aber eine Sache zwischen den Sozialversicherungsträgern und der Ärzteschaft.