Die unsichere wirtschaftliche Zukunft angesichts von Teuerung, Ukraine-Krieg und Energiekrise lässt auch Österreichs Krankenkassen in ihrer Verlusterwartung vorsichtiger werden. Laut der der APA vorliegenden aktuellen Gebarungsvorschau wird für heuer nun ein Defizit von 356,8 Millionen Euro erwartet, nachdem diese Prognose im August noch bei 337,8 Millionen Euro gelegen war. Für 2023 wird jetzt statt einer Verringerung eine saftige Steigerung des Verlusts vorhergesagt.

Die Erwartung für die Krankenkassen gesamt liegt in der Novembervorschau bei minus 468,2 Millionen Euro für das kommende Jahr, was gegenüber dem im August vorhergesagten Minus von 203,7 Millionen Euro mehr als eine Verdoppelung darstellt. Ähnlich sieht es für die weiteren Jahre aus: 2024 soll das Kassenminus demnach 162,6 Millionen Euro betragen (August-Prognose: 91,6 Millionen Euro), 2025 dann 132,7 statt 81,7 Mio Euro und 2026 145,0 statt 121,4 Millionen Euro. Im Vorjahr war das Defizit der Krankenkassen bei 118,3 Millionen Euro gelegen.

Kommenden Jahre "komplex zu kalkulieren"

Peter Lehner, Co-Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger, verströmte dennoch Zuversicht. "Die Sozialversicherung ist auch in fordernden Zeiten das stabile Fundament und der verlässliche Systempartner", erklärte er in einer schriftlichen Stellungnahme. Von 2021 auf 2022 seien die Leistungen der Sozialversicherung um eine Milliarde Euro weiter ausgebaut worden: "Wir werden unseren Weg, den wir mit der Reform gestartet sind, konsequent fortsetzen und die digitale Transformation und die Harmonisierung weiter aktiv vorantreiben."

Schwarze Zahlen schreibt als einziger Träger weiter die SVS der Selbstständigen und Bauern, in der Lehner Obmann ist. Er wies darauf hin, dass die kommenden Jahre durch die aktuellen globalen und volkswirtschaftlichen Entwicklungen aus heutiger Perspektive "komplex zu kalkulieren" seien. Nach einem Plus von 115,5 Millionen im Vorjahr wird in der SVS nun aber auch für heuer ein Überschuss 15,4 Millionen Euro prognostiziert. Dieses soll sich nächstes Jahr in ein Minus von 63,5 Millionen Euro drehen, in den Jahren darauf mit 40,5, 43,2 und 37,2 Millionen Euro dann aber jeweils wieder im positiven Bereich rangieren.

Größtes Defizit bei BVAEB

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) als bei weitem größter Träger hat das vergangene Jahr mit einem Minus von 92,2 Millionen Euro abgeschlossen. Heuer soll es auf 176,7 Millionen Euro anwachsen, 2024 sogar auf 269,5 Millionen Euro steigen (im August lag die Verlustprognose hier noch bei viel optimistischeren 45,9 Millionen Euro) und in den Folgejahren auf 113,9, 114,3 und 122,2 Millionen schrumpfen. Die ÖGK sprach in einer Aussendung von unerwarteten Steigerungen aufgrund höherer Energiekosten, gleichzeitig machten sich coronabedingte Nachholeffekte bei der ärztlichen Hilfe und den Heilmitteln bemerkbar. "Unter der Voraussetzung einer stabilen Arbeitsmarktentwicklung ist für die ÖGK ab 2024 eine ausgeglichene Bilanz möglich", wurde aber betont.

Die BVAEB der Beamten, Eisenbahner und Bergleute verbuchte im Vorjahr mit 141,5 Millionen Euro das größte Defizit der drei Träger. Dieses soll heuer noch auf 195,4 Millionen Euro ansteigen und dann kontinuierlich zurückgehen bis auf 60,0 Millionen Euro im Jahr 2026. (apa)