Darf jemand wegen seiner Hautfarbe benachteiligt werden? Und hat jeder Mensch das Recht, an keine Religion zu glauben? Fragen wie diese wurden im Zuge einer soziologischen Studie insgesamt rund 1.000 Lehrern, Eltern und Schülern sämtlicher Schultypen mit Ausnahme der Volksschule in Niederösterreich gestellt. Die Landesregierung förderte die Studie, die in Form von Fragebögen und Interviews durchgeführt wurde. Es ging um Offenheit und Toleranz; das Fazit: Lehrer sind liberaler als Schüler und Eltern eingestellt. Was die Anpassung der Menschen mit Migrationshintergrund betrifft, so sind die Lehrer allerdings weniger tolerant.

Der Endbericht, der noch nicht öffentlich ist und der "Wiener Zeitung" vorliegt, zeigt insgesamt, dass im schulischen Alltag zwar überwiegend offen auf Fremdes oder Neues zugegangen wird, die Toleranz aber mitunter enden wollend ist. "Beim Thema Offenheit geht es darum, worauf man widerstandslos zuläuft", konkretisiert der Soziologe Zoltan Peter als Obmann des Vereins für Kultur- und Migrationsforschung, der die Studie geleitet hat. Auch Experten des Instituts "Konflikte miteinander meistern", der Donau-Universität Krems und Studierende der Uni Wien wirkten an der einjährigen Studie mit. Diese "Offenheitsschiene" der Studie, wie Peter sie nennt, habe gezeigt, dass sich rund 81 Prozent aller befragten Personen als liberal bezeichnen lassen. Der Rest sei konservativ bis antiliberal, und etwa 2 Prozent seien besonders rassistisch eingestellt.

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Schüler toleranter

Blickt man ins Detail, so sind es ganz deutlich die Lehrer, die mit fast 88 Prozent am liberalsten gepolt sind. Unter den Schülern sind es nur rund 71 Prozent. Die Eltern liegen mit 84 Prozent dazwischen. Anders betrachtet: Von den Lehrern sind laut Studie 1,6 Prozent rassistisch ausgerichtet - von den Schülern sind es 3,6 Prozent. Unter den befragten Schülern hatten übrigens 77,7 Prozent keinen Migrationshintergrund, 14 Prozent waren Migranten zweiter und 2,5 Prozent erster Generation. Rund 70 Prozent waren dem Christentum zugehörig, 14 Prozent dem Islam.

Auf der zweiten Schiene, der Toleranzschiene, wurde deutlich, "wie man mit etwas umgeht, das man nicht unbedingt mag", sagt Peter zur "Wiener Zeitung". Hier liegt der Anteil der Intoleranz deutlich höher als jener der Antiliberalität: Rund ein Drittel aller Befragten tendiert laut Studie dazu. Vor allem die Bejahung folgender Aussage springt ins Auge: "Alle Menschen sollten die Sprache und Kultur des Landes, in dem sie leben, kennen. Ich finde daher, Einwandernde (Migranten/Migrantinnen), die sich an die österreichische Kultur nicht anpassen, sollten in ihre (ursprüngliche) Heimat zurückgeschickt werden." In diesem Punkt stehen die Eltern an erster Stelle, 32 Prozent von diesen bevorzugten diese restriktive Toleranzweise. Gefolgt werden sie von den Lehrern mit 20 Prozent, während die Schüler mit 17 Prozent am tolerantesten abschnitten.

Die Gegenfrage war: "Alle Kulturen sind gleichwertig, und ich schätze es sehr, wenn es in einem Land viele verschiedene kulturelle Minderheiten gibt. Das bereichert jedes Land. Deswegen heiße ich in Österreich alle Kulturen willkommen." 50 Prozent der Schüler, 46 Prozent der Lehrer und 32 Prozent der Eltern präferierten diese.

Bildung essenziell

Gewisse Unterschiede hätten sich allerdings bezüglich Geschlecht und Schultyp gezeigt, sagt Peter. Schülerinnen seien demnach liberaler und säkularer in ihrer Weltanschauung, und an Gymnasien seien die Offenheit und Toleranz deutlich größer als an Neuen Mittelschulen.

"Bildung und soziale Lage sind essenziell", sagt auch Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendkulturforschung auf Nachfrage. "Das oberste Drittel ist das toleranteste."