In der Pädagogischen Hochschule in Wien-Favoriten stellt sich Bildungsminister Martin Polaschek ab 14 Uhr eine Stunde lang rund 300 Lehramtsstudenten. Es geht um die persönliche Information über die Offensive seines Ministeriums, um dringend benötigte zusätzliche Lehrkräfte im Rahmen der Kampagne "Klasse Job" zu finden. Parallel dazu bereitet der Ressortchef eine Verkürzung des Lehramtsstudiums vor. Fragen und Antworten wie es weitergeht.

Mit der Kampagne "Klasse Job" will Minister Polaschek mehr junge Menschen für ein Leheramtsstudium gewinnen. - © APA/ROLAND SCHLAGER
Mit der Kampagne "Klasse Job" will Minister Polaschek mehr junge Menschen für ein Leheramtsstudium gewinnen. - © APA/ROLAND SCHLAGER

Warum wird für mehr Lehrer geworben?

Im laufenden Schuljahr konnten nur mit Müh’ und Not ausreichend Lehrerinnen und Lehrer gefunden werden, teils mit geblockten Stunden, und Hunderte Lehramtsstudenten müssen ebenfalls aushelfen. Von den Bildungsdirektionen der einzelnen Bundesländer werden laufend Lehrkräfte gesucht. Der Lehrermangel hat sich in den vergangenen Jahren noch durch die Pensionierungswelle bei den Pädagogen verschärft, diese wird in den kommenden Jahren jedenfalls noch anhalten. Das Bildungsministerium spricht von einer "riesigen Herausforderung", für alle zu unterrichtenden Stunden qualifizierte Lehrkräfte zu finden. Das liegt auch an der generellen Lage am Arbeitsmarkt, weil in vielen Branchen Arbeitskräfte dringend gesucht werden. Dazu kommt, dass Bildungsministerium, Bildungsdirektionen und Schuldirektorinnen und -direktoren einen "enormen Trend zur Teilzeit" bei Junglehrern registrieren, wie das Bildungsressort betont. Abhilfe sollen auch vermehrt Quereinsteiger in den Lehrberuf schaffen, der Umstieg aus der Privatwirtschaft wird im Zuge einer Dienstrechtsnovelle 2023 erleichtert.

Warum soll es Änderungen beim Studium geben?

Vor allem Praktiker an den Schulen selbst und auch Lehrergewerkschafter haben aufmerksam gemacht, dass die Begleitphase beim Einstieg ins Unterrichten in den Schulen schlechter funktioniert als in der Vergangenheit. Junglehrer sehen sich gleichzeitig stark gefordert und teils überfordert dadurch, dass sie neben dem Unterricht das Masterstudium abschließen sollen. Vor nicht einmal einem Jahrzehnt ist das Lehramtsstudium umgestellt und vor allem für Volks- und Mittelschullehrer verlängert worden. Das schreckt offenkundig manche am Lehrberuf Interessierte ab. Der Bildungsminister reagiert mit den Plänen für eine Änderung des Lehramtsstudiums nun vor allem auf die Kritik der Praktiker in den Schulen und will damit gleichzeitig das Image des Lehrerberufs "modernisieren".

Was soll bei der Ausbildung geändert werden?

Bildungsminister Polaschek hat die Ausbildungseinrichtungen - Universitäten und Pädagogische Hochschulen - gebeten, mögliche Schritte zu einer Weiterentwicklung in der Ausbildung zu prüfen. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Struktur des Lehramtsstudiums. Das beinhaltet eine Änderung und damit eine Verkürzung der Ausbildung - mit sechs Semestern bis zum Bachelorabschluss und vier Semestern Masterstudium. In der Sekundarstufe ab der Mittelschule wäre das eine Verkürzung des Studiums um zwei Semester. Damit verbunden wäre ein früherer Einstieg in den Lehrberuf. Das würde bei der Behebung des akuten Lehrermangels helfen. An der Dauer des Masterstudiums nach dem Bachelorabschluss lässt der Bildungsminister aber nicht rütteln. Das Masterstudium soll aber so konzipiert sein, dass die Tätigkeit in einem Lehrberuf in den Schulen schon möglich ist. Nach den Vorstellungen des Ministeriums solle die begleitende Berufstätigkeit das Studium unterstützen, "das Professionsverständnis erweitern" und die Praxis in der Schule "ein wesentliches Element" in dieser Studienphase sein.

Wann ist die Umsetzung der Reform geplant?

In den kommenden Monaten werden von den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen sowie von externen Experten Vorschläge an den Bildungsminister übermittelt. "Ziel ist eine legistische Umsetzung im Sommersemester 2023", teilte das Büro von Minister Martin Polaschek der "Wiener Zeitung" mit. Die Umstellung bei der Ausbildung könnte dann bereits im kommenden Wintersemester 2023/24 erfolgen.

Was passiert mit bestehenden Lehramtsstudenten?

Wenn es nach dem Bildungsminister geht, würde jetzigen Lehramtsstudenten die Möglichkeit der Auswahl zwischen neuer und bisheriger Form des Lehramtsstudiums geboten werden. Das betrifft immerhin derzeit rund 20.000 angehende Lehrerinnen und Lehrer. Nach der Konkretisierung des Fahrplans seien die Ausbildungseinrichtungen "angehalten", wie das Bildungsministerium erläuterte, "Optionsmodelle zu entwickeln". Der Grund dafür ist der enorme Druck durch den Lehrermangel. "Das würde auch mittelfristig eine Entspannung im Personalmanagement bewirken", wird in Polascheks Ressort bestätigt. Im Klartext: Als Folge des verkürzten Lehramtsstudiums würden dann auch schon früher mehr Junglehrerinnen und -lehrer für den Unterricht zur Verfügung stehen. Derzeit werden Lehramtsstudenten mittels Sonderverträgen eingesetzt.

Wie sehen die Hochschul-Rektoren die Reform?

Grundsätzlich sind die Rektoren offen dafür. Eine gemeinsame Position der Universitätenkonferenz, also aller Uni-Rektoren, gibt es aber noch nicht. Der Rektorensprecher der Pädagogischen Hochschulen, Walter Vogel, ist der Ansicht, dass eine Verkürzung der Lehramtsausbildung von sechs auf fünf Jahre keinen Qualitätsverlust bringen müsse. Die Pädagogischen Hochschulen sind auch gesprächsbereit über Reformen, man zeigte sich zuletzt aber überrascht über das Tempo, das Minister Polaschek dabei anschlägt.