Die offizielle Amtsübergabe wird zwar erst beim Gewerkschaftstag der Produktionsgewerkschaft (ProGE), der früheren Metallergewerkschaft, im Juni 2023 erfolgen. Die personellen Weichen sind aber schon am Montag im Präsidium und am Dienstagvormittag im Bundesvorstand der SPÖ-Fraktion (FSG) neu gestellt worden. Der bisherige Organisationsreferent Reinhold Binder (44) wurde mit 89,7 Prozent Zustimmung als Nachfolger von Rainer Wimmer (67) nominiert und wid damit einen Generationswechsel einleiten. Die formelle Entscheidung für den Wahlvorschlag zur Führung der Teilgewerkschaft ist gefallen, wie der "Wiener Zeitung" in Gewerkschaftskreisen bestätigt wurde.

Ein Oberösterreicher löst damit einen anderen Oberösterreicher an der Spitze der Produktionsgewerkschaft ab. Binder kommt aus der Marktgemeinde Micheldorf im Bezirk Kirchdorf an der Krems. Der gelernte Werkzeugmacher aus dem Traunviertel ist in der Gewerkschaftsorganisation groß geworden und seit 2018 als ProGe-Bundessekretär für Organisationsfragen und eine Erneuerung der ehemaligen Metallergewerkschaft zuständig. Der SPÖ-Nationalratsabgeordnete Rainer Wimmer, Ex-Betriebsrat bei der Salinen AG und ehemaliger Bürgermeister von Hallstatt, steht seit 2009 an der Spitze der Produktionsgewerkschaft, seit 2018 ist er auch Fraktionschef der SPÖ-Gewerkschafter (FSG) im ÖGB.

Als FSG-Chef bleibt Wimmer vorerst im Amt. Wie es mit dieser Funktion weitergeht, dürfte ebenfalls bis Juni kommenden Jahres entschieden werden. Als Favorit für die FSG-Nachfolge gilt Wimmers Fraktionskollege im SPÖ-Parlamentsklub, Josef "Beppo" Muchitsch. Der Steirer ist Chef der Gewerkschaft Bau-Holz und Sozialsprecher der SPÖ. Sein Vorteil ist, dass er im Gegensatz nicht nur zu Binder, sondern auch zu  Vida-Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit, einen Sitz im Nationalrat hat, was der SPÖ-Gewerkschaftsfraktion wichtig ist.

Der hemdsärmelige gelernte Elektriker Wimmer nahm sich in Auseinandersetzung selten ein Blatt vor dem Mund. Zuletzt hat er im Herbst als Arbeitnehmervertreter die Gehaltserhöhung im Metallbereich mit den Arbeitgebervertretern ausgehandelt.

Wimmer war Stütze für Rendi-Wagner

Der FSG-Vorsitzende war in der SPÖ in den vergangenen Jahren eine der wesentlichen Stützen von SPÖ-Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner, die selbst über keine Hausmacht verfügt. Wimmer hat Rendi-Wagner, die seit Ende November 2018 an der Spitze der Sozialdemokratie steht, auch gegen innerparteiliche Kritiker in Schutz genommen. Umgekehrt hat Rendi-Wagner viele inhaltliche Positionen der roten Gewerkschafter übernommen und unterstützt. Das gilt vor allem für eine stärkere Rolle des Staates in Krisenzeiten, aber auch beim Nein zu verschärften Regeln für Frühpensionen mit 45 Arbeitsjahren, der sogenannten Hacklerregelung, die von der Koalition von ÖVP und Grüne mit Beginn des heurigen Jahres wieder abgeschafft worden ist.

Die Metaller haben mit dem Ex-Vorsitzenden Erich Foglar vor dem jetzt amtierenden ÖGB-Präsidenten Wolfgang Katzian, der aus der Gewerkschaft der Privatangestellten kommt, bis 2018 fast ein Jahrzehnt lang den Gewerkschaftspräsidenten gestellt. Die ProGe zählt rund 235.000 Mitglieder. Sie ist damit nach GPA und Beamtengewerkschaft die drittstärkste Teilgewerkschaft im ÖGB und die größte Arbeitergewerkschaft.