Politiker kümmern sich nicht viel um das, was Leute wie ich denken." Dieser Aussage stimmten bei einer Umfrage der Meinungsforscher Peter Hajek und Peter Ulram immerhin drei Viertel der 800 telefonisch und online Befragten zu. Dass Politiker korrupt und bestechlich sind, glaubten knapp zwei Drittel. Nur ein knappes Viertel war der Meinung, dass "Politiker ihre Sache im Großen und Ganzen gut machen".

Insgesamt, haben die beiden Meinungsforscher errechnet, schätzen gut 80 Prozent der Befragten ihre "externe Effektivität" als gering ein. Das bedeutet, dass sie nicht das Gefühl haben, von der Politik gehört zu werden und das politische Geschehen in ihrem Land beeinflussen zu können.

Vertrauen in eigene politische Kompetenz stark ausgeprägt

Wesentlich positiver schätzen die Österreicher ihre "interne Effektivität" ein, also ihre eigene politische Kompetenz. Laut den Berechnungen der Studienautoren schätzen diese insgesamt 28 Prozent als hoch, weitere 30 als mittel ein. Rund zwei Drittel glauben, einen "Einblick in die wichtigsten Probleme unseres Landes" zu haben, 60 Prozent betrachten sich als ausreichend qualifiziert, um am politischen Geschehen teilnehmen zu können.

Was Verhältnis zwischen dem Vertrauen in die Politik und die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten - nach dem Motto "ich könnte es besser, aber sie lassen mich nicht" - betrifft, hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Ende der 1980er-Jahre hatten sich etwa in vergleichbaren Befragungen nur 38 Prozent der Befragten zugetraut, am politischen Geschehen teilnehmen zu können, gut die Hälfte glaubte, einen Einblick in die wichtigsten Probleme des Landes zu haben.

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Als schwer erreichbar wurde die politische Elite aber damals wie heute gesehen. In den 1970er- und 1980er-Jahren meinten viele eher "Sie hören mir zwar nicht zu, machen ihre Sache aber ganz gut", erklärte Ulram bei der Präsentation der Ergebnisse am Dienstag. Mehr Bildung und eine veränderte Medienlandschaft habe aber dazu geführt, dass sich die Bevölkerung zunehmend gut informiert und kompetent fühlt. In Kombination mit einem weiterhin großen Misstrauen gegenüber der Zuhörbereitschaft der Politik ergebe sich hier zunehmend ein Spannungsverhältnis, meint Ulram.

Wie stark Misstrauen und die Einschätzung der eigenen Kompetenz ausgeprägt sind, unterscheidet sich auch stark nach Parteipräferenz. Die meisten "vertrauensvollen Staatsbürger", die sowohl ihre interne als auch ihre externe Effektivität als hoch bewerten, finden sich unter den Wählern von ÖVP, Grünen und Neos. Insgesamt von allen Befragten zählen Ulram und Hajek aber nur zehn Prozent zu dieser Gruppe.

"Misstrauische Staatsbürger" in der Mehrheit

Die mit Abstand größte Gruppe sind mit 58 Prozent die "misstrauischen Staatsbürger", die sich selbst politische Kompetenz zuschreiben, sich von der Politik aber nicht gehört fühlen. Sie stellen bei den Wählern aller Parteien die größte Gruppe, besonders stark sind sie aber unter SPÖ- und FPÖ-Wählern vertreten.

Generell zeigten sich Wähler der Freiheitlichen als besonders misstrauisch: Weder "vertrauensvolle Staatsbürger", noch "vertrauensvolle Untertanen", die der Politik vertrauen, aber sich selbst wenig Kompetenz zuschreiben, sind hier vertreten. Dafür sieht sich ein gutes Viertel der FPÖ-Wähler als "misstrauische Untertanen", schätzen also sowohl ihre interne als auch ihre externe Effektivität als gering ein.

Bei allem Misstrauen gegenüber politischer Eliten sei die Zustimmung zur Demokratie aber seit Jahrzehnten stabil, betonen Ulram und Hajek. Nur zwölf Prozent der Befragten zeigten "autoritäres Potenzial": Diese hielten bei der Befragung eine Diktatur in gewissen Situationen für vorteilhaft oder waren der Meinung, dass es für sie keinen Unterschied machen würde, wenn sie in einem autoritären System leben würden.

Die überwiegende Mehrheit befürwortet dagegen klar die Demokratie, dieser Wert sei über die Jahrzehnte auch weitgehend konstant geblieben. Ähnlich verhält es sich mit dem Vertrauen in die Fähigkeit der Demokratie, Probleme zu lösen: Immerhin 74 Prozent sahen diese in der Befragung gegeben. "In Österreich gibt es eine gefestigte demokratische Kultur, trotz massiver Kritik", resümiert Meinungsforscher Hajek. "Die Demokratie ist nicht gefährdet."(vis)